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Wie schnell es gehen kann: Marcus erhält einen Anruf vom Krankenhaus, seine Frau Yasmin liegt auf der Intensivstation, nicht ansprechbar. Und auch wenn sich ihr Zustand stabilisiert bleibt sie doch im Koma gefangen und die Aussichten ungewiss. Sie könnte jederzeit aufwachen, aber genausogut auf Jahre hinaus gefangen bleiben in diesem Bereich zwischen den Welten, und je mehr Zeit vergeht umso pessimistischer werden die Prognosen des behandelnden Arztes. Während Marcus mit Verzweiflung, Wut und Resignation kämpft und seine Frau täglich besucht wird in Rückblenden die Geschichte des einst so glücklichen Paares erzählt. Und letzten Endes ändert sich die Situation auch, wie sei hier nicht verraten.

ONE'S LAST SLEEP ist vielschichtiger als es die Inhaltsangabe vermuten läßt! Klar geht es um das Thema Wachkoma, aber auch darum wie zerbrechlich unser Leben ist, wie schnell etwas passieren kann das alles auf den Kopf stellt. Es geht um Liebe und Tod, nicht weniger oder mehr. Helmut Brandl und Romy Glasel in ihrer ersten Hauptrolle brillieren in meinen Augen und gehen in ihren Rollen auf, Günther Brandl zeigt dass ein weißer Kittel sowie ein paar Phrasen in Ärztedeutsch reichen um glaubhaft einen Mediziner su spielen. Das ist nicht abwertend gemeint, mich hat nur nachdenklich gemacht warum wir als Patienten oder Angehörige Leuten so viel vertrauen die manchmal nicht mehr wissen als wir selbst.

Während Marcus zwischen Hoffen und Bangen verharrt zeigen Einblendungen wie sich die beiden kennen- und liebengelernt haben, schließlich geheiratet. Des öfteren bin ich mir bei diesen Szenen wie ein Voyeur vorgekommen, so sensibel und intim ist das gefilmt worden. Welches Paar führt nicht auch solche "was-wäre-wenn"-Gespräche? Es war ein fast perfektes Glück und die Bilder zeigen einmal mehr wie wertvoll der Augenblick, die Gegenwart ist.

Der Film macht nachdenklich, auch weil er geradezu unspektakulär und sachlich wirkt. Man leidet mit den Personen mit, bangt mit Marcus und fühlt die Extreme. Auch wenn es eher ein Kammerspiel ist, Langeweile kommt nie auf, mit der relativ kurzen Laufzeit geschuldet. Es wirkt denn auch wie eine Befreiung sich hinterher im Bonusmaterial die Pleiten, Pech und Pannen-Szenen anzusehen und bewusst zu werden "nur" einen Film gesehen zu haben. Ein sensibles Thema hervorragend umgesetzt:
9/10!

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