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Es sind schöne Erinnerungen die geweckt werden, wenn man sich "Alien Shock" ansieht, denn er gehört für den Filmkenner zur Grundausstattung, durch seine mehrmalige Ausstrahlung im ZDF seit Ende der 80er Jahre. Als Kind hat man sich hier noch gegruselt, heute sieht die Sache natürlich anders aus, aber dennoch weiß dieser kleine Horrorfilm mit hohem Trashfaktor auch heute noch bestens zu unterhalten. Mit Jack Palance (Batman, Tango & Cash), Martin Landau (Zwei Stunden vor Mitternacht, Nevada Smith) und dem hier noch jungen David Caruso (C.S.I.: Miami, Kiss of Death) ist dieser B-Film sehr gut besetzt. Ein weiterer Bekannter auf der Liste ist der über zwei Meter große Kevin Peter Hall, der hier den Außerirdischen gibt und auch später in das Kostüm des Predator schlüpfte.
In der Nähe eines idyllischen Sees verschwinden mehrere Menschen spurlos, der ehemalige Veteran Sarge (Martin Landau) ist sich sicher, dass dort außerirdische Wesen gelandet sind und eine Invasion planen. Niemand will ihm glauben und trotz aller Warnungen wagen sich Greg (Christopher S. Nelson), Sandy (Tarah Nutter) und ihre beiden Freunde in das Gebiet, um zu campen. Doch schon bald gibt es die ersten Verluste zu beklagen, denn sie werden von kleinen fliegenden Wesen angegriffen, die sich von menschlichem Blut ernähren.

Das Grauen kommt leise durch die Hintertür, das war die Devise der früheren Monsterfilme. In diesem altmodischen Streifen sind es zwar Außerirdische, aber was macht das für einen Unterschied? Jedenfalls könnte "Alien Shock" eine Grundidee zu "Predator" beigesteuert haben, denn auch hier ist ein Außerirdischer wegen der Jagd auf der Erde gelandet. Nur hat er keine High-Tech-Ausrüstung bei sich, sondern er verteidigt sich mit Hilfe von quallenähnlichen Flugkörpern, die sich blitzschnell in den menschlichen Körper fressen und dort das Blut aussaugen. Alles nicht sonderlich originell und aus heutiger Sicht auch sehr zahm, obwohl es durchaus ein paar blutige Einstellungen zu bewundern gibt. Doch Regisseur Greydon Clark (Final Justice, Skinheads) lässt die Katze schon zu früh aus dem Sack, obwohl er sich den Außerirdischen bis ganz zum Schluss aufspart. Der Zuschauer weiß schon nach dem ersten Drittel wie der Hase läuft, auch weil nur die bekannten Versatzstücke montiert werden. Um die Geschichte anzuheizen gibt es erst ein paar Morde und schließlich verirren sich ein paar Teenies in diese Gegend. Ein ganz netter Sidekick ist der verrückte Sarge, der gegen Ende noch richtig durchdreht und dabei sogar einen Polizisten erschießt.

Lückenloser Horror ist Clark nicht ganz gelungen, gerade die überlange Sequenz in der Kneipe hätte man straffen können und da gibt es noch ein paar andere Sequenzen, die "Alien Shock" unnötig in die Länge ziehen. Aber dafür punktet die ländliche Kulisse mit Atmosphäre, denn der Großteil des Films spielt bei Nacht und Clark fährt jede Menge Nebelmaschinen auf. Einige gruselige Szenen kann er schon heraus kitzeln und unerwartet sterben auch Menschen, von denen man es nie gedacht hätte. Gerade die Attacke im verlassenen Haus gehört zu den Höhepunkten spannungstechnisch. Die rar gesähten Ekeleffekte sind ganz nett geworden, etwas mehr Mühe hat man sich beim Aussehen des Außerirdischen geben können. Die Gummimaske sei noch verziehen, aber die schrägen Klamotten nicht.
Die Darsteller machen ihre Sache solide, gerade Jack Palance als harter Hund, oder Martin Landau als durchdrehender ehemaliger Veteran. Hauptdarstellerin Tarah Nutter (Hals über Kopf, Bitter Harvest) kommt da am schlechtesten Weg, auch weil sich ihre Figur Sandy in vielen Szenen lächerlich benimmt. Anstatt vor dem Außerirdischen in die Kneipe zu fliehen, rennt man lieber in den dunklen Wald.

Im Endeffekt ist "Alien Shock" purer Trash ohne richtige Schauwerte. Aber er bekommt auch von mir einen dicken Nostalgiebonus und in Punkto Atmosphäre gefällt er mir auch heute noch gut. In der ungekürzten Fassung gibt es auch ein paar ordentliche Ekeleffekte, doch gegen die heutige Dutzendware ist er natürlich harmlos. Ist trotzdem immer wider nett, sich dieses altmodische Machwerk zu Gemüte zu führen.

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