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„Ja, ich weiß – es IST Irrsinn!“

Beim Film mit dem schon etwas kurios klingenden deutschen Titel „Das Geheimnis der fliegenden Teufel“, auch bekannt als „Alien Shock“, handelt es sich um ein Low-Budget-Science-Fiction-Horror-Vehikel, entstanden Ende der 1970er unter der Regie des US-Amerikaners Greydon Clark, der für Schoten wie „Satan’s Cheerleaders“, „Die Vidioten“ und „Uninvited“ verantwortlich zeichnet, erdacht von gleich vier Drehbuchautoren und veröffentlicht 1980.

Irgendwo im Nirgendwo der USA: Vampiristische, kleine, fladenartige Flugkreaturen greifen erst einen Jäger und dessen Sohn und schließlich einen Pfadfinderführer an. Eine Gruppe vier jugendlicher Camper will den nahegelegenen Waldsee aufsuchen, wird jedoch eindringlich gewarnt. Tatsächlich werden zwei von ihnen ebenfalls Opfer der fremdartigen Beißer und müssen ihr Leben lassen. In einer Kneipe erfährt das verbliebene Pärchen, dass es sich um eine außerirdische Bedrohung handele…

„Es frisst sich durch die Windschutzscheibe!“

Wenn der vielbemühte Begriff Trash irgendwo greift, dann sicherlich bei einem Film wie diesem. Was Mr. Clark hier fabriziert hat, pendelt irgendwo zwischen liebenswürdigem Science-Fiction-Kreaturen-Spektakel aus den Untiefen der ‘50er- und ‘60er-Drive-ins und B-Movie-Double-Features, freiwilliger Chargier-Komödie und unfreiwilligem Versagen. Die inkohärente Charakterzeichnung deckt dieses Spektrum ab, wenn es einerseits unauffällig und blass bleibende Jungmimen (darunter David Caruso, „C.S.I.: Miami“) anbietet, andererseits aber durchaus namhafte Schauspieler in zwischenzeitlicher Karriereflaute auffährt. Zu letzteren zählen der sich nie für das eine oder andere Trash-Bonbon zu schade gewesene Cameron Mitchell (klar, „Blutige Seide“, aber auch „Space Mutiny“ und „Night Train to Terror“), der hier den Jäger im Prolog gibt, vielleicht nicht so sehr Larry Storch („Sweet Sixteen - Blutiges Inferno“), der als debiler Pfadfinderführer seine komödiantische Rolle bis zum geht nicht mehr überzeichnet, seine Schäfchen „Männer“ nennt, reichlich Blödsinn plappert und sich eine Zigarette anzuzünden versucht, indem er Funken durchs Zusammenhauen zweier Steine erzeugt, in jedem Falle aber die Oscar-Preisträger Martin Landau („Ed Wood“) und Jack Palance („City-Slickers – Die Großstadthelden“)!

„Sie kappen Lichtleitungen, genau wie die Partisanen!“

Landau gibt hier den Kriegsveteranen Fred „Sarge“ Dobbs, ein abgewrackter Trinker, der sich permanent im Krieg wähnt und die hilfesuchenden Jugendlichen gar selbst für außerirdische hält. Dabei chargiert er, als ginge es um Leben und Tod und einen das Gefühl beschleicht, seine Rolle solle das Paranoia-Sci-Fi-Kino vergangener Dekaden satirisch karikieren. Ihm gegenüber steht Palance als ebenfalls kriegstraumatisierter Joe Taylor, der seinen Verstand noch nicht komplett versoffen hat und antritt, den Campern tatsächlich zu helfen. Dies führt dazu, dass er zusammen mit dem Teenie-Pärchen schließlich mit dem Ursprung des Übels, einem großgewachsenen, kahlen, blaufarbigen Außerirdischen konfrontiert wird, der in jenem Inzest-Nest auf Menschenjagd ging und seine Beute in einer kleinen Holzhütte drapiert. Unter jener Maske befindet sich kein Geringerer als Kevin Peter Hall, der ironischerweise in „Predator“ ein Monstrum ähnlicher Gesinnung ungleich besser spielte, denn hier steht er in seiner Maskerade in erster Linie hüftsteif in der Gegend herum.

„Alien, komm her!“

Allgemein akzeptierten Qualitätsansprüchen genügender Höhepunkt des Films sind zweifelsohne die Attacken der bissigen Flugfladen und die damit verbundenen professionellen und gelungenen schleimigen Ekel-Spezialeffekte. Fragwürdige Höhe- oder Tiefpunkte sind, je nach Sichtweise, neben der bereits erwähnten Pfadfinderpfeife, die idiotischen Dialoge und das wenig nachvollziehbare Verhalten der Protagonisten. Das Tempo des Films erleidet zwischenzeitlich einige Durchhänger; Dean Cundeys („Halloween“) Kameraarbeit fängt einige hübsche Landschaftsaufnahmen ein und hält ebenso auf die Alien-Angriffe wie auf die Charakterfressen der Schauspieler drauf, wirkt bisweilen aber etwas unfokussiert, als würde sie etwas suchen, was einfach nicht da ist. Dan Wyman malträtiert seinen Synthesizer und versucht sich an der Erzeugung atmosphärischer Klänge, die sich mit klassischen Orchestereinsätzen ergänzen. Und tatsächlich wäre es gelogen, würde man „Alien Shock“ nicht die eine oder andere geglückte Nachtszene attestieren, die über eine gewisse Gruselstimmung verfügt. Letztlich jedoch hat man aus einer gar nicht schlechten Idee nicht sonderlich viel herausgeholt bzw. wusste anscheinend gar nicht, was genau man überhaupt aus ihr machen wollte. Das Ergebnis ist ein Sci-Fi-Horror-Filmchen, das durchaus seine Momente und Qualitäten hat, mich vor allem aber amüsiert hat – ausgerechnet in den Momenten, in denen er aus augenscheinlich nicht unbedingt darauf angelegt hatte...

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