Review
von Sam Ace Rothstein
Krieg ist grausam. Das wissen wir und viele Filme haben es uns schon gezeigt. Doch keiner dieser Filme vermittelt diese Botschaft derart direkt und ehrlich wie Lewis Milestone´s filmisches Meisterwerk von 1930. Gnadenlose Begeisterung, Euphorie und patriotischer Heldenmut führt das Denken der älteren Schüler Anfang 1914 an. Und ihr Lehrer spornt sie gerade dazu an.Die Klasse um Paul Bäumer freut sich, dem Vaterland endlich zu dienen. Der Gedanke an heldenhafte Schlachten, der Kampf Mann gegen Mann und die Rückkehr, wo sie wie Helden empfangen werden führt sie dazu, sich freiwillig an der Westfront gegen Frankreich zu melden.Doch schon die ersten Tage werden frustrierend: Es gibt kaum genügend Essen für die vielen jungen Soldaten, und der Tod von Kameraden liegt schwer im Magen. Im Laufe seiner 130 Minuten Spielzeit zeigt der Film wie kein anderer, wie sinnlos Krieg doch eigentlich ist.Soldaten in Bunkern, in stetigen Angstzustand versetzt. Jede Granate könnte die letzte sein.Die Schauspieler zeigen gut, wie belastend das für einen Soldaten sein kann.Als es einer der Kameraden nicht mehr aushält, läuft er im Wahnzustand aus dem Bunker hinaus, ohne zu wissen, was er da tut. Wenig später stirbt er an den Folgen seiner Schussverletzung.Mit schonungslosem Realismus erleben wir die grausamen Stellungskriege des Ersten Weltkriegs. Die französische Infanterie greift an, mit dem Ziel, den deutschen Schützengraben einzunehmen. Doch die Maschinengewehre mähen das Fußvolk einfach nieder. Und genauso geht es den Deutschen, als sie versuchen, den gegnerischen Graben einzunehmen.„Im Westen nichts Neues“ erfindet keine neuen Aspekte des Krieges dazu, er zeigt, wie es war - und nicht anders. Er verarbeitet Fakten kunstvoll in Bilder, ohne auch nur im Geringsten pathetisch zu werden. Paul und seine Kameraden erleben den Krieg in härtester Form mit.Der Drang zu Überleben überwiegt die Liebe zum Vaterland. Die Euphorie, die in der Zivilbevölkerung herrscht, ist auf dem Schlachtfeld nichts wert. Und so ändert sich Pauls Meinung über Krieg und Patriotismus schneller als erwartet. Als er nach einiger Zeit ein paar Tage Urlaub hat und nach Hause kommt, hat sich die Meinung des Volkes jedoch nicht geändert. Immer noch predigt sein Lehrer neuen Schülern über die Vorzüge einer patriotischen Schlacht. Als er seine Erfahrungen und Ansichten schildert, wird er als Verräter verpönt und entschließt sich, so schnell wie möglich wieder an die Front zu gehen, da er die moralischen Fehlansichten der Zivilbevölkerung nicht länger aushält.Milestone hat die Gedankengänge des Buches von Erich Maria Remarque sensationell in Bilder gefasst. So etwa das Ende, wo die sich bewegende Hand in den Soldatenfriedhof übergeht. Ein trauriges, aber sehr stilistisches Bild.Auch der Dialog der Soldaten über den Sinn des Krieges ist genial, vermittelt sovieles.Als einer der Soldaten erwähnt, vielleicht wäre die Waffenindustrie für Kriege verantwortlich, musste ich schmunzeln, ist dies doch ein sehr aktuelles Thema.Es gibt Filme, die schaut man sich an und geht nach Filmende aus dem Zimmer. Bei diesem Film saß ich aber noch einige Minuten da und dachte über den Film nach, denn er beinhaltet wirklich viel Diskussionsmaterial. Wer einen Film mit Tiefgang und vielen philosophischen Ansätzen sucht, der muss zugreifen. Der Film ist ein Klassiker der Filmgeschichte, den man gesehen haben muss.