Review

Manche Filme sind einfach von vorneherein zum Erfolgen verdammt: "Der Sturm" hat eine Top-Besetzung, eine brisante, auf einer wahren Begebenheit beruhende Geschichte und eine 20 Meter hohe Flutwelle, die bereits im Trailer für staunende Gesichter sorgte. Das fertige Produkt wurde rundum unterhaltsam, was das hohe Box-Office-Einspiel rechtfertigt.

Es ist doch gut, dass sich ein Regisseur wie Wolfgang Petersen ans Projekt gewagt hat. Er verzichtet auf übermäßigen Pathos und Hochglanzoptik, sondern bringt uns behutsam den beschwerlichen Alltag der Fischer näher. Das dauert über eine halbe Stunde, ist aber eminent wichtig, da so die Figuren viel mehr Tiefe bekommen und die spätere Tragik und Dramatik erst richtig zur Geltung kommt, denn zwei Besatzungsmitglieder würden eine Frau, einer einen Sohn hinterlassen. Leider wird ausgerechnet Kapitän Clooney ein wenig außer Acht gelassen.
Obwohl sich da zunächst kein Effektoverkill einstellt, wird die Story niemals langweilig, sondern punktet mit durch die Bank sympathischen Charakteren und einer bodenständigen Inszenierung. Fischer zu sein ist ein dreckiger Knochenjob, das kommt gut rüber. Wie das bei einem Michael Bay oder Jerry Bruckheimer ausgesehen hätte, wage ich mir gar nicht auszumalen.

Dennoch ist man froh, wenn die Besatzung endlich in See sticht, weil sich die Aufbruchsstimmung nahtlos auf den Zuschauer überträgt: Der Film geht endlich richtig los! Bevor der Sturm losbricht werden an Bord noch die Differenzen zweier Fischer im Rahmen einer dramatischen Rettungsaktion beigelegt und die Crew hat mit dem Fang zur Freude aller endlich Erfolg. Die Ernüchterung folgt bald darauf, als Gewissheit wird, dass die "Andrea Gail" bald in einen Mischmasch von Stürmen geraten wird.

Das Unwetter peitscht bald darauf los, als erstes ist ein Privatboot betroffen, dessen Besatzung allerdings gerettet werden kann. Leider machen sich bereits da die ersten technischen Patzer bemerkbar: Die Wellen an sich sehen spektakulär aus, wenn aber ein Hubschrauber drüber hinwegfliegt oder jemand im Wasser abgesetzt wird, sieht man die Künstlichkeit allzu deutlich heraus. Gerade die Effekte sind meiner Meinung nach hauptsächlicher Schwachpunkt, was in der Folgezeit noch deutlicher wird, trotz spektakulärer CGI-Flutwelle.

Die Dramatik bleibt in der Schlussphase auf konstant hohem Level, da man von den echten Geschehnissen weiß, dass es auf der Andrea Gail keiner überleben wird. Ein zuckersüßes Kitsch-Ende ist damit unmöglich, worüber ich froh bin. Trotzdem wird versucht, die Tragik am Ende für Mainstream-Verwöhnte so gering wie möglich zu halten ("Kein Abschied, nur Liebe" usw.), was aber nicht weiter stört. In Sachen Spannung gibt es also kaum eine Auszeit, ein wenig mehr Abwechslung wäre trotzdem wünschenswert gewesen. So ist man ständig nur auf der See unterwegs und beobachtet die Schiffe im Kampf gegen das Unwetter.

Insgesamt kann "Der Sturm" durch eine sympathische Besetzung und eine durch und durch solide Inszenierung punkten. Unterhaltung ist garantiert, das Hollywood-übliche Ende entfällt dieses Mal. Ob ich den Film beim zweiten Mal immer noch so mitreißend finde, bezweifle ich zwar, aber bei Erstansicht hat mich das Teil wunschlos glücklich gemacht. Genau das, was ich von einem Hirn-aus-Blockbuster erwarte!

Details
Ähnliche Filme