Review

Es gibt Weißheiten, die Generationen überdauern, etwa: "Wer nichts für Tiere übrig hat, kann zu Menschen auch nicht gut sein", - und da ist gewiss etwas dran. Jedoch spätestens, wenn übersteigerte Tierliebe zu sexuellen Handlungen führt, haben wir es mit Zoophilie zu tun und diesbezüglich bezieht Autor und Regisseur Robinson Devor keine allzu günstige Stellung.

2005 stirbt "Mr. Hands", wie sich der 45-jährige Bauingenieur in einschlägigen Foren nennt, an den Folgen innerer Blutungen, nachdem er Analverkehr mit einem Hengst hatte. Hands lebte auf einer einsam gelegenen Ranch unter Gleichgesinnten.
Der bizarre Todesfall ging seinerzeit durch die Medien, was Devor zum Anlass nahm, einen halbdokumentarischen Film über das Thema Zoophilie zu drehen.

Zu Wort kommen zunächst Individuen mit Störung der Sexualpräferenz, sprich, Leute, die sich beispielsweise per Internet austauschen, weil sie mit ihrer speziellen Neigung im sozialen Umfeld nicht verstanden werden. Durchschnittliche Tierbesitzer, welche mit ihrem Hund regelmäßig Gassi gehen oder ihrer Katze ebenso regelmäßig den Kratzbaum erneuern, dürften sich innerhalb der ersten Viertelstunde bereits vor den Kopf gestoßen fühlen.
Kritische Stimmen fehlen gänzlich, Empathie wird kaum erzeugt, stattdessen wechseln sich Erzählstimmen, Schauspieler und reale Personen bei ihren Ausführungen ab, was auf Dauer schlicht einseitig daherkommt.

Die Chose relativiert sich gegen Ende zwar ein wenig, da der Todesfall aus Sicht einer Pferdeschützerin geschildert und damit eine andere Perspektive der Dinge eingebunden wird, doch die Romantisierung der Ranch mit den zahlreichen, sogar recht gelungenen Landschaftsaufnahmen offenbart nur die Seite der Zoophilen: Auf dem Gelände der Tierschänder scheint beim Öffnen der Tür die wohltuende Morgensonne hinein, ein ermittelnder Polizist ist gar vom Todesfall eines Jungen am Muttertag abgelenkt und zuletzt springen auch noch zwei Delphine aus dem Wasser: " Von Säugetier zu Säugetier"...

Natürlich provoziert die Verpackung und eröffnet ein Forum für eventuelle Debatten, doch hinzu kommt der dröge Erzählstil, welcher null Spannung aufkommen lässt.
Devor arbeitet seine Punkte handwerklich sauber, mit solider Kamera und hörenswertem Score ab, doch am Ende können keine neuen Erkenntnisse gewonnen werden, zumal fundierte Statements von Psychologen oder Tierforschern völlig außen vor bleiben. Jeder gibt seinen Senf dazu, allerdings entstehen bei alledem keine wirklichen Kontroversen.

Somit versagt die Doku über ein heikles Thema zwar nicht gänzlich, dennoch fühlt sie sich letztlich unnötig an, denn wenn Randgruppen zu oberflächlich hinterfragt werden und kein Verständnis erwecken, bleiben es eben Randgruppen.
Knapp
3 von 10

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