Review

Neunzehn Jahre nach Erscheinen von "Heavy Metal", der animierten Wichsvorlage für Moebiusjünger und Fans gezeichneter Titten, waren sowohl das gleichnamige Comicmagazin als auch das Musikgenre in Deutschland am Ende ihrer Haltbarkeit angekommen. Der Hip Hop versiffte den Mainstream und machte aus der Jugend eine bis heute wachsende Horde asozial - dümmlicher Sexistenzombies mit Machokomplexen und Tendenzen zur Kulturverweigerung während im Kino langsam die reinen Effektorgien Überhand nahmen. Heavy Metal F.A.K.K. 2" war gefühlt kein Film, nach dem geschrien wurde und dennoch war ich froh, ihn als Jugendlicher zu sehen. Einfach, um das Gestotter der Zombiehorden in Baggypants und Blingbling für einen seligen Moment gewaltsam zu übertönen.

Im Grunde genommen kann man den Film um Kriegerin Julie absurd kurz zusammenfassen: "F.A.K.K.2" ist die Langfilmversion der Taarna - Episode aus Teil 1, mit einigen Variablen. Zum einen haben hier Turtlesschöpfer Kevin Eastman und Co - Autor Simon Bisley Moebius und Konsorten als Vorbilder in Sachen Zeichenstil abgelöst, zum anderen ist der Amoklauf der Wüterichamazone Julie wesentlich persönlicher, hat sie im Gegensatz zu Taarna neben Sprechtext auch eine echte Motivation: Rache an dem Mann, der ihr Volk dahingemetzelt hat. Der Massenmörder, ein Minenarbeiter namens Tyler, wurde jüngst von einem grünen Alienartefakt (ein Splitter des Loc Nar? Man munkelt...) zum überirdisch starken Psychomacker mit Aussicht auf Tyrannenposten befördert und hat Julies Heimatplaneten zerpflückt, um den Einwohnern ein in ihnen schlummerndes Lebenselixier abzupressen, im Übrigen ein liquider Schlüssel zur Kammer der Unsterblichkeit. Mit Hilfe des schusseligen Piloten Germaine und später zudem vom Alienpriester Odin und dessen Assistenten, dem Zwerggolem Zeek begleitet, mach Julie sich auf den Weg, Tyler und seinem Gefolge so richtig den Arsch aufzureißen. Stilecht im roten Kampfschlüpfer und mit allerlei Klingen bewaffnet versteht sich.

Wenn ein Film das Prädikat "Meine Fresse!" wahrlich verdient, dann der. Trotz damaliger 18er - Freigabe ist das hier feinstes Pubertätskino nach der in Teil 1 kultivierten Videoclipformel, wobei man hier deutlich weniger Zeit zum Durchatmen bekommt und das Design deutlich sexualisierter daher kommt und die Witze definitiv zotiger ausfallen. Zudem sind bis auf Julie alle anwesenden Charaktere beinahe überflüssig, was vor allem der vom Pech verfolgte Germaine stets zu spüren bekommt, der nach Erledigung seiner Pilotendienste nur noch durch den Film geschubst wird wie ein Trottel. Und dennoch kann man als Freund gepflegten Schwachsinns durchaus eine gute Zeit haben.

Vor allem, da der Film wie sein Vorgänger mit einem passenden Soundtrack aufwartet, wobei hier mit Monster Magnet, KMFDM, Pantera, System Of A Down, Machine Head und den Queens of the Stone Age moderne, mitunter aggressivere Genrevertreter im Vordergrund stehen. Auch hier gibt es einige fragwürdige Soundtrackentscheidungen mit Tracks von Bauhaus und Billy Idol, die trotz Genrefremdheit wie Julies Faust auf Tylers Auge passen, zumal Idol im O - Ton den außerirdischen Kleriker Odin einsprechen durfte. Was allerdings die rappenden Assifotzen von Twiztid und der Insane Clown Posse hier zu suchen haben bleibt hingegen ein Rätsel. Kein Fan, sorry.

Das hier ist definitiv kein Film für Hopperkevin und seine siffige Hauptschulcrew, die man zum Erscheinungszeitpunkt des Filmes hoffentlich mit Faustschlägen und Tritten aus dem Kinosaal befördert hat. Keine handlungsmäßige oder künstlerische Glanzleistung, aber immer noch cool genug zum Abrocken, wenn auch zeitweise nur einen Fußbreit vor der Peinlichkeitsgrenze stehend. Auch hier ist das Entzünden eines Räucherstäbchens in Kombination mit einer Gerstenkaltschale durchaus ratsam, wenn auch nicht notwendig, während die vorübergehende Hirninaktivität hingegen durchaus notwendig sein kann. Verpflichtend ist jedenfalls das Aufdrehen der Boxen. Viel Spaß.

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