Review

Peter Medak ist ein fleißiger Regisseur, wenige seiner Filme sind bekannt. Am ehesten kennt man „Romeo is Bleeding“ und „Species 2“, aber den Filmemacher selbst nicht.
Was daran liegen könnte, dass der Mann keinen durchweg distinktiven Regiestil besitzt. Was nicht bedeutet, dass seine Filme nicht von visuellem Stilwillen zeugen würden. „Die Krays“ beginnt bereits mit einem bebilderten Gleichnis: Die Mutter der Hauptfiguren vergleicht deren Geburtstag mit dem Schlüpfen aus einem Schwanenei; erst gibt die Metapher zu sehen, danach die tatsächliche Geburt. Schon früh fallen die ungewöhnlichen Kamerawinkel und –positionen auf, die dem Treiben gelegentlich mal einen leicht surrealen Touch geben.
Als Erwachsene sind die Zwillinge Ronald (Gary Kemp) und Reggie Kray (Martin Kemp) gefürchtete Gangster in Londons Unterwelt der 60er Jahre. Doch private und „berufliche“ Krisen erschüttern ihr kleines Imperium immer wieder…

Musiker beim Film – da reicht die Bandbreite von der positiven Überraschung (eher selten) bis hin zum talentlosen fish out of the water (häufig). Die Kemps von Spandau Ballet liegen irgendwo dazwischen. Gelegentlich neigen sie zu leichtem Overacting, dazwischen liefern sie jedoch überraschend gelungene, durchweg überzeugende Performances als Brüderpaar hin, wobei bei ihnen gerade die kleinen Gesten besonders ausdrucksstark sind. Die Nebendarsteller spielen dagegen allesamt zweite Geige, leisten sich aber keine Ausfälle.
Was „Die Krays“ von anderen Gangsterfilmen unterscheidet, sind der gelegentliche Hang zum Skurrilen sowie der Humor zwischen den Zeilen: Während Mutti die Freundin Ronnies im Wohnzimmer empfängt, halten die Gebrüder ihm Obergeschoss ein Gangmeeting ab und planen eine handfeste Schießerei – bei Tee und Plätzchen. Respekt verschafft man sich anfangs auch nicht ordinär mit Revolver oder Messer, nein, die Klingen mit denen man den ersten potentiellen Gangsterrivalen attackiert sind eher Säbel als normale Messer. Das sind tatsächlich Dinge, die man in dem Genre eher selten zu sehen bekommt, denn „Die Krays“ liegt zwischen der Seriosität des klassischen Gangsterepos und der gewollten, offenen Abgedrehtheit der Tarantino-Epigonen (immerhin entstand er ja auch vor „Reservoir Dogs“).

Ansonsten ist allerdings wenig Neues im Gangsterland zu berichten. Man erzählt vom Aufstieg und obligatorischen Fall zweier Gangster, die es tatsächlich gab, zeigt die Strapazen des Verbrecheralltags, der ihnen irgendwann über den Kopf wächst. Man eliminiert Rivalen, verliert Familienmitglieder an das harte Leben als Unterweltgröße – gerade Ronnies spätere Frau kommt damit nicht klar. Also nichts, was man nicht auch schon aus „Der Pate“, „Scarface“ und Co. kennen würde; teilweise faszinierend erzählt, teilweise recht uninteressant, aber nie wirklich konkret: Wie das Geld nun genau in die Kassen kommt und wofür man die Brüder am Ende drankriegt, das wird bestenfalls angedeutet.
Die schwankende Qualität des Films lässt sich vor allem damit erklären, dass Medak sich nicht auf einen Plotstrang festlegen kann. Die interessante Geschichte von der kriminellen Karriere muss immer wieder für mehr oder minder prickelnde Subplots verlassen werden: Reggies Homosexualität, Ronnies Ehe, das Schicksal einer Tante, die überbordende Mutterliebe etc. Sicher, all diese Stränge sind irgendwie verknüpft, aber nie scheint der Film so richtig zu wissen, was denn nun besonders wichtig sein soll.

Dank der ausgefeilten Bildsprache liegt „Die Krays“ über dem Durchschnitt, so wenig originell er inhaltlich sein mag und so zerfasert das Drehbuch auch ist. Doch das Leben der Gebrüder ist teilweise wirklich faszinierend geschildert und auch die Schauspielleistungen der beiden Hauptdarsteller sind durchaus einen Blick wert, was man angesichts ihres Musikerbackgrounds nicht unbedingt erwarten würde.

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