Mit GONE BABY GONE kehrt Ben Affleck zurück nach Boston, wo seine Karriere mit GOOD WILL HUNTING ja praktisch begann. Der Krimi-Plot um ein entführtes Kind ist dabei für den Regisseur, Drehbuchautor und Produzenten nur Vehikel zu einem gleichermaßen kritischen wie liebevollen Blick auf die Stadt und das heimische Prekariat.
Drei Tage ist es her, dass die kleine Amanda McCready (Madeline O'Brien) aus dem Haus ihrer Mutter Helene McCready (Amy Ryan aus THE WIRE) entführt wurde und so ist nicht nur der Leiter der Sonderkommission Jack Doyle (Morgan Freeman) vor Ort, sondern auch jede Menge Journalisten. Entgegen der Empfehlung der Polizei heuern die McCreadys auch den Privatdetektiv Patrick Kenzie (Casey Affleck) für weitere Ermittlungen an. Zusammen mit Lebensgefährtin und Partnerin Angie Gennaro (Michelle Monaghan) beginnt dieser mit dem Lebenswandel der Mutter und wird in eher unfreundlichen Drogenkreisen und Kneipen schnell fündig. So wird der Nutzen seiner lokalen Verbindungen auch für die zwei Polizeiveteranen Remy Bressant (Ed Neil) und Nick Poole (John Ashton) schnell deutlich und bald scheint das Rätsel um die verschwundene Tochter gelöst ...
Fazit: Wenn man denkt, der Film wäre zu Ende, fängt er erst so richtig an, und so kann man - ohne zu viel zu verspoilern - auch schlecht über GONE BABY GONE reden. Nur so viel; es gibt kein Happy End, keine klaren Antworten, aber einen wirklich interessanten Film zu sehen. Wenn kleine Kinder auf Fahrrädern die Straße blockieren und auf einen freundlichen Hinweis von Patrick nur "Go fuck your mother!" erwidern, ist das nur einer der zahlreichen Verweise auf den rüden Charme der Arbeiterklasse, den Affleck ungeschminkt und überall versprühen lässt. Die hervorragenden Darsteller erzeugen ein plastisches Bild der Unterschicht (und Mittelschicht) von Boston, in deren Leben sich moralische Abgründe auftun. Affleck's Film ist eine Hommage an die Heimat, visuell von Kamerafahrten durch und über die Stadt getragen, ein gesellschaftliches Portrait, dessen Plot schnell die Grenzen der üblichen Kinderschänderthematik überschreitet, und mit einem Ende, das zerrissen scheint zwischen Lokalpatriotismus und sozialer Frage. Fast zu viel für nur zwei Stunden, aber doch irgendwie rund.