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Ben Afflecks Regiedebut Gone Baby Gone gilt für viele als Film zur Maddie-Entführung (Portugal im Mai 2007). Aber damit tut man dem überraschend gut gelungenen Film Unrecht.
Zwar sieht das entführte Mädchen im Film der Maddie ähnlich – aber damit hat es sich auch, hier wird etwas ganz anderes erzählt.

Affleck hat für seinen Film einen Roman aus dem Jahr 1998 umgeschrieben (Kein Kinderspiel von Dennis Lehane) das Ganze bildstark von John Toll in Szene gesetzt und nahezu Kongenial mit Ed Harris, Amy Reid, Morgan Freeman, Casey Affleck und Michelle Monaghan (in der Reihenfolge ihrer starken darstellerischen Leistung) besetzt.

Gone Baby Gone ist dadurch ein schön anzusehender, spannender und sogar sehr mutiger Film geworden. Denn entgegen dem üblichen Hollywoodmainstream bezieht Affleck deutlich Stellung zur Problematik und das dürfte vielen Hollywoodgrößen gar nicht gefallen.

Erstklassig, wie bereits erwähnt, ist hier vor allem Ed Harris in der Rolle des Cops Remy Bressant, denn von Anfang an spielt er mit doppelter Ebene und als Zuschauer rätselt man und rätselt, bis es zur extrem gelungenen Auflösung kommt.

Am liebsten würde man das Ende groß und breit diskutieren – denn es ist extrem gut gelungen. Aber das würde den Film kaputt machen.

Deshalb nur kurz zur Story. Ein kleines Mädchen aus desolaten Verhältnissen (White Trash, alleinerziehende Drogenmutti) wird entführt. Das Presseecho ist groß, die Großmutter schaltet einen örtlichen Privatdetektiv (Casey Affleck, macht seine Sache ganz gut) ein, der seit jeher im Viertel aufgewachsen ist und andere Kontakte hat, als die ermittelnden Kommissare (die laut Gesetz zu einer Zusammenarbeit verpflichtet sind).

Der Privatdetektiv erkennt schnell, dass möglicherweise kriminelle Verstrickungen eine Rolle spielen. Es beginnt ein zunehmend komplexeres Spiel, bei dem alte Kinderschänder, falsche Freunde und vermeintliche Gutmenschen als brutale Egoisten entlarvt werden.

Wer hier was spielt, und als was entlarvt wird, soll hier nicht verraten werden. Dazu ist der Film zu gut und die Schauspieler zu überzeugend. Richtig gut gefallen hier übrigens auch die Nebenrollen in denen Rocker, Dealer und andere Kriminelle beängstigend gut spielen.

Am besten ist jedoch, dass hier endlich mal wieder ein Film entstanden ist, der von Anfang bis zum Ende spannend ist. Der eine erstklassige Thematik anspricht (die sich nicht allein auf die Entführung beschränkt! In dem eine mutige Entscheidung zur Diskussion gestellt wird und ein vollständiger Schluss geboten wird, der nicht nach der Auflösung abrupt endet.

Affleck ist damit ein Film gelungen, über den man auch mehrere Tage später gerne noch mal denkt.

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