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Jeder erwachsene Mensch weiß nicht erst seit gestern, dass das Richtige zu tun mitunter das Schwierigste ist, was einem widerfahren kann. Denn mitunter widerspricht das Richtige zu tun den eigenen Moral- und Wertvorstellungen denjenigen Vorstellungen der Gesellschaft oder der der Mitmenschen.Auch kann man das Falsche tun, dennoch das Richtige, weil man weiß, dass keiner einem ein Strick aus diesem falsch drehen wird, dadurch dass durch diese Aktion ein größeres Falsch negiert wurde. Und doch hat man eventuell mit seinen inneren Dämonen zu kämpfen, weil man selbst tief drinnen weiß, dass es trotz Zuspruch falsch war.Und wie reagiert man demnächst, wenn man vor die Wahl gestellt wird: Richtig oder Falsch? Was ist richtig, was falsch? Sind die eigenen Werte die richtigen? Sind es die Vorstellungen des Umfelds?Letztendlich muß jeder selbst wissen, was er tut – und mit den Konsequenzen leben. Gone Baby Gone ist ein Meisterwerk, der genau diese Problematik recht souverän in eine Handlung einbaut, die ganz nebenbei auch noch eine geniale Zustandsbeschreibung des White Trash America zeigt sowie eine grandiose Kriminalgeschichte irgendwo zwischen Dürrenmatt und James Ellroy abliefert.Dies ist insbesondere daher erwähnenswert, da der Regienovize Ben Affleck ein derartiges Gespür fürs Milieu widergibt, für welches ihn höchstpersönlich Clint Eastwood einfach nur beneiden muß, denn dessen ähnlich gelagerter Mystic River (übrigens stammt die Vorlage vom selben Autor) würde den Vergleich nicht standhalten können. Neben der Erkenntnis, hier einen formidablen Film vor sich zu haben, neben der Erkenntnis, dass Ben Affleck ein weitaus besserer Regisseur als Schauspieler ist (und um ihm nicht unrecht zu tun. Er ist ein weitaus besserer Schauspieler als gemeinhin angenommen, man denke nur an seine Performance in die Hollywood Verschwörung, wo er selbst einen Adryen Brody mühelos an die Wand spielt), bleibt als letzte Erkenntnis: Casey Affleck ist momentan der Shooting Star unter den neuen Charakter-Darstellern. Bleibt abzuwarten, ob es ihm gelingt, sich dauerhaft zu etablieren. Mehr gibt es hierzu nicht zu schreiben: Sehr guter Film, vielschichtig und nahezu tadellos. 9 Punkte

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