Die Geschichte ist leicht erzählt: Frank Serpico (Al Pacino) ist voller Hoffnung, als er bei der Polizei anfängt. Serpico hat einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und ist hoch motiviert. Seine Motivation kommt bei seinen Kollegen keineswegs an. Stattdessen muss sich Serpico von seinen Kollegen anhören, warum er kein Schmiergeld annimmt.
Dabei ist Serpico kein überpenibler Cop, sondern ein durchaus sympathischer, belesener Individualist. Seine Kollegen verfahren nach dem Prinzip: Einer für Alle, Alle für Einen. Das bedeutet Jeder muss Schmiergeld annehmen. Derjenige der keins nimmt, wird als Außenseiter und Verräter gebrandmarkt.
Serpico hat die Wahl: Entweder er nimmt den leichten Weg und nimmt Schmiergeld oder er wählt den harten und beschwerlichen Weg, wenn er keins nimmt. Er entscheidet sich für Letzteres und macht mit seinen Kollegen die Hölle durch. Mehrmals versucht er die Polizeichefs zu kontaktieren. Diese versetzen ihn mehrmals in andere Departments, wo dieselbe Situation vorherrscht. Jahre vergehen und seine Vorgesetzten bleiben weiterhin auf dem Ohr taub, denn sie können keine Skandale innerhalb der Polizei gebrauchen.
Aus dem einst unbekümmerten, humorvollen Frank ist ein nachdenklicher, streitsüchtiger Pessimist geworden. Er ist zu keiner vernünftigen Beziehung mehr fähig und keine Frau hält es lange mit ihm aus. Auch sein einziger Freund Bob Blair (Tony Roberts) wendet sich nach einem Streit von ihm ab. Serpico ist von nun an allein und kann mit keiner weiteren Hilfe mehr rechnen. Er entscheidet sich an die Presse zu gehen und die Verhältnisse bei der Polizei zu melden. Der Bestechungsskandal wird Thema Nummer eins und Serpico ist fortan vor seinen eigenen Kollegen nicht mehr sicher.
Kritik:
Anhand der wahren Erlebnisse von Frank Serpico, entstand dieses ausgezeichnete Drama. Der Film Serpico ist ein typischer Lumet und auch ein typischer 70er Jahre Film. Das merkt man sofort an der Atmosphäre des Films aber auch an der Story.
Anstelle von opulenten und farbenprächtigen Bildern, zeigt Lumet die weniger schönen Seiten von New York wie z.B. widerliche Straßenecken, Schmutz, Prostituierte, Drogensüchtige und andere suspekte Gestalten.
Die Nebenrollen sind sozusagen typische Nebenrollen und müssen dem Meister Al Pacino freien Raum lassen für seine Schauspielkunst.
Für mich gibt es drei Gründe warum ich den Film Serpico so sehr mag. Einmal die tolle Story, die raue Atmosphäre und last but not least Al Pacino.
Al Pacino als Frank Serpico ist Schauspielfreude wie sie im Buche steht. Pacino ist äußerst Wandelbar. Erst sehen wir ihn als junger gestriegelter Polizist, der gerade die Polizeiakademie abgeschlossen hat. Später sehen wir einen Individualisten mit Vollbart und langer Mähne, der das Feeling zur New Yorker Straßenszene nicht verlieren möchte. Seine Vorgesetzten äußern einige Male, dass er sich die Haare schneiden lassen soll. Serpico kontert, dass sein Aussehen teils eine Tarnung ist. Denn während die New Yorker Gangster die Polizei drei Meilen gegen den Wind riecht, bleibt er so meistens unentdeckt.
Fazit:
Das Thema korrupte Cops ist nicht neu und trägt einen ziemlich alten und langen Bart. Trotzdem oder vielleicht gerade weil der Film schon mehr als drei Jahrzehnte auf dem Buckel hat, ist Serpico ein Klassiker. Lumet baut die Geräuschkulisse von New Yorks Straßen (Sirenen, hupende Autos usw) in seinem Film ein und dabei entsteht ein erstklassiges Drama mit einem ausgezeichnetem Al Pacino. Als Zuschauer bekommt man einen tiefen Einblick in Serpicos Seele und wird von der rauen Atmosphäre förmlich aufgesaugt.