Review

Ich muss zugeben, dass auch mir, als Fan älterer und ruhigerer Filme, „Serpico" einiges an Konzentration abverlangt hat. Allerdings war es das auch wert.


Sidney Lumets Verfilmung des wahren Falls eines Polizisten, der verzweifelt versucht, gegen die Korruption seiner Kollegen vorzugehen, ist „New Hollywood" durch und durch. Durchaus hätte man einen lupenreinen Cop-Thriller aus dem Stoff machen können, aber Lumet drehte ein ruhiges Drama rund um seine zentrale Figur, die an ihrer Situation zu zerbrechen droht. Naturalistische Bilder eines eher schmutzigen und verwahrlosten New Yorks inklusive. Die Musik ist gelungen, hält sich bei der auf Realismus setzenden Machart aber extrem zurück.

Ich habe den Film im englischen Original gesehen und durch den offenen Klang, beispielsweise bei der Darstellung einer Party inklusive Liveband, wird die direkte Machart noch weiter unterstützt. Außerdem finde ich Lutz Mackenys Stimme im Vergleich zur Originalstimme zu dünn oder jungenhaft, wenngleich ich den Sprecher eigentlich mag. Hier wollte das aber einfach nicht so recht passen.

Pacinos Schauspiel ist intensiv und er bemüht sich, innere Zustände auch äußerlich darzustellen, wobei sein Gang dann teilweise auch etwas zu gebückt ist. Letztlich sieht man ihm hier aber an, dass ihm die Figur des Frank Serpico am Herzen liegt und er sich mit Feuereifer in die Sache reinhängt. Schließlich war er gerade durch „Der Pate" in Hollywood ganz nach oben gespült worden und wollte wohl beweisen, dass er keine Eintagsfliege war. Dies gelingt ihm hier auch ausdrücklich, wenn man besonders seine Darstellung in den ersten und den letzten Minuten des Films miteinander vergleicht. 
Die Anspannung innerhalb der Figur Pacinos wird auch zum zentralen Element der Erzählung, denn eine Spannungskurve nach dem herkömmlichen Muster gibt es nicht. 

Dafür fehlt es klar an einem überschaubaren Konflikt, der sich sonst an einem Antagonisten festmachen ließe, einem „Hauptgegner" gewissermaßen, wie es im klar auf Unterhaltung ausgelegten „LA Confidential" von 1997 beispielsweise umgesetzt wurde. Aber diese beiden Filme kann man trotz der ähnlich gelagerten Thematik in ihrem grundsätzlichen Ansatz einfach gar nicht miteinander vergleichen und der harte und direkte Stil von „Serpico" ist dem Fall auch schlichtweg angemessen. Mit Frank Serpico möchte man nun wirklich nicht tauschen.

Fazit

„Serpico" ist typisches Autorenkino der Entstehungszeit, dem man die Leidenschaft der Beteiligten für den damals neuen und brisanten Stoff anmerkt. Wenn man einen spannenden Polizei-Thriller erwartet, könnte man aber eventuell enttäuscht sein.

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