Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen DVD-Fassung vom Label KINOWELT!
Anfang der 80er Jahre machte sich Hollywood daran, ein totgeglaubtes Genre wieder zu neuem Leben zu erwecken. Nachdem sich die Serienkiller Michael Myers und Jason Vorhees erfolgreich in den Kinos etabliert hatten, war es an der Zeit, eine noch blutrünstigere Bestie in Menschengestalt von der Leine zu lassen: den Werwolf - jene tragische Gestalt, die sich in Vollmondnächten in eine reißende Kreatur verwandelt und nur durch Feuer oder eine Silberkugel getötet werden kann.
In den frühen 40er Jahren stieg Lon Chaney für die Universal-Studios als "The Wolfman" in das haarige Kostüm, mehr als 20 Jahre später war es Oliver Reed, der für die farbenprächtige Neuinterpretation des Werwolf-Mythos in "Der Fluch von Siniestro" die Zähne fletschen durfte.
In den 70er Jahren waren es meist kaum beachtete B-Movies, die sich der Thematik annahmen, bis 1981 gleich drei Filme für ein Revival des Werwolfs sorgten: den Anfang machten John Landis mit seinem "American Werewolf", dessen gelungene Mischung aus hartem Horror und Humor mittlerweile Kultstatus genießt, und Joe Dantes "Das Tier", gefolgt von "Wolfen".
"American Werewolf" war ein rundum gelungener Horrorfilm, der altmodische Gruselelemente mit blutigen Effekten kombinierte und von der ersten bis zur letzten Minute Spaß machte.
Das hätte ich auch von "Das Tier" erwartet, denn die Story um eine geheime Gesellschaft von Werwölfen, die hinter den Mauern eines Sanatoriums für den Fortbestand ihrer Rasse sorgen, hätte genug Potential gehabt, um aus Dantes Version vom Werwolf-Mythos ein ebenbürtiges Werk zu machen.
Während "American Werewolf" von Beginn an die Versatzstücke des Genre zum zentralen Kern des Films macht, sie teilweise ironisch bricht und liebevoll die frühen Klassiker zitiert, verliert sich "Das Tier" in einer unübersichtlichen und geschwätzigen Handlung um eine Journalistin, einen Serienkiller und den sonderbaren Bewohnern eines Sanatoriums, hinter das sich ein unheimliches Geheimnis verbirgt.
Bis der Zuschauer die ersten Umrisse eines Wolfes zu Gesicht bekommt, haben Nebelschwaden, mitternächtliches Wolfgehäul und langweilige Dialogphrasen die Hälfte des Films in Anspruch genommen.
Echte Gruselatmosphäre und Spannung kommen erst im letzten Drittel des Films auf, doch da ist es bereits zu spät.
Pino Donaggios Soundtrack und die Maskeneffekte wissen zu überzeugen und auch das actionbetonte Finale mit der vorhersehbaren Schlußpointe machen den Rest von "Das Tier" noch halbwegs erträglich, können aber nicht darüber hinweg täuschen, dass bis dahin diesem Werwolf der nötige Biss und Humor fehlte.