Review

Kult, der zu früh kam...

... ähnlich wie viele seiner Protagonisten. ;)

Hätte Netflix letztes Jahr mit einer Mini-Serie nicht den ersten Tag dieses verrückten Sommercamps beleuchtet, dann wäre "Wet Hot American Summer" vollkommen & bis heute an mir vorbei gegangen. Während Anfang der 00er-Jahre Filme wie "American Pie" oder "Euro Trip" Hochkonjunktur hatten, ging mir dieses stargespickte Chaos-Camp unter allen filmischen Radaren durch. Selbst als unzählige der damals noch unschuldig-jungen & unbekannten Darsteller auf einmal ihre Durchbrüche feierten, blieb dieser heiße, letzte Tag im Sommercamp in seiner winzigen Nische. Sehr seltsam & schade. Denn der Mix aus "Porkys", "American Pie" im Sommercamp & "Scary Movie", hätte es verdient, zumindest ein paar mehr Anhänger zu finden. Vielleicht gelingt das ja jetzt mit dem Netflix-Push. Besser spät als nie. 

In der völlig überdrehten Parodie der 80er, der Sommer-Camps & allgemein der amerikanischen (Teenager-)Kultur, geht es um den letzten Tag im Sommercamp... ein wenig aus der Sicht der Kinder, aber noch eher aus der Sicht der notgeilen, (spät-)pubertären, nerdigen & zum Schreien witzigen Aufsichten. Da wäre u.a. ein Paul Rudd als schleckender Don't-give-a-shit-Casanova, Bradler Cooper als schwuler Musicallehrer oder Janeane Garofalo als verknallte, aus der Zeit gefallene Camp-Direktorin. Und das alles in den bunten 80s, einem Jahrzehnt in dem alles ging. Nicht alle Gags ziehen, der Humor ist sehr eigen & man muss sich erstmal mit diesem feucht-fröhlichen Sommer anfreunden - doch wenn die erste Skepsis & Biere verflossen sind, dann läuft's. Bei mir zumindest.

Ich kann vollkommen verstehen, wie man "WHAS" nicht mögen kann, wie er damals zu dumm & zu retro für das Publikum war. Doch heute trifft er überraschend den Zahn der nostalgiegeschwängerten Zeit. Das nennt man dann wohl Kultfilm. Die Comedy rangiert von dezenter Parodie (selten) bis zu vollkommen Over-the-Top-Slapstick (oft & hart), wie man sie so nicht unbedingt erwarten würde. Denn mit den damals angesagten Teenie-Komödien hat dieses aufgegeilten Treiben recht wenig zu tun. Hier wird schlechter Geschmack gefeiert, nicht unbedingt selbst gezeugt. Wenn man es also flach, pervers & so-schlecht-dass-es-wieder-gut-ist mag, dann findet man hier vielleicht eine Ausgrabung von besonders charmanter Dummheit. Alle Darsteller hatten sichtbar Spaß an der Sache, stacheln sich gegenseitig zu bescheuerten Höchstleistungen an & kamen selbstverständlich fast 15 Jahre später zurück. In einem Prequel. Herrlich. 

Fazit: vor Retro, vor Trash, bevor schlechter Geschmack gefeiert zurückkam - war da "Hot Wet American Summer", der seiner Zeit schmerzhaft voraus war. Was ein Glück, dass die Prequel-Serie letztes Jahr dieses verlorene Blödel-Kleinod wieder etwas beleuchtet hat. Allein der dreckige Look & der trashige Rocksoundtrack sind ihr Geld wert!

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