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„Wenn du wissen willst was Angst ist, - arbeite mit Sam Raimi!“

Mit einer gewissen Reife und Anzahl absolvierter B-Movies kommt für jeden Schauspieler der Punkt, an dem er über sich selbst sinniert, im besten Fall auch über seinen Status nachdenkt und ihn reflektiert. Nur wenigen gelingt es dabei, mit Selbstironie an die eigene Karriere zurückzudenken, ohne dabei mit sonderlichem Neid auf die großen Blockbuster zu schielen. Bruce Campbell ist so ein sympathischer Zeitgenosse, der früh seinen Kultstatus im Horrorgenre erkannt hat, ihn innerhalb seiner Rollen aber häufig integrierte.
Mit der parodistischen Komödie „My Name is Bruce“ gibt er sich selbst der Lächerlichkeit preis und spielt gekonnt mit einigen Klischees rund um die Filmindustrie.

Dabei steht die Story weit weniger im Vordergrund als seine eigene Person, denn es geht am Rande darum, dass ein chinesischer Kriegsdämon vom Campbell-Fan Jeff erweckt wurde und die ländliche Gemeinde Gold Lick von diesem tyrannisiert und dezimiert wird.
Kurzerhand wird Bruce Campbell entführt und soll den Helden markieren, der sich auf einer theatermäßigen Inszenierung wähnt…

Campbell fängt mit der bewusst auf Trash getrimmten Atmosphäre den Zeitgeist der billigen Horrorproduktionen der 80er ein: Lachhafte Latex-Monster, rote Klüsen, künstlicher Nebel und schlichte Bluteffekte gehören genauso dazu, wie zahlreiche Querverweise der eigenen Werke, von „Tanz der Teufel“ bis zu „Man with the Screaming Brain“, inklusive der obligatorischen Kettensäge.

Besonders gelungen ist die Demontage seiner eigenen Figur. Gerade wird „Cave Alien 2“ gedreht, ein sichtlicher Schundfilm, doch Campbell würde für ein paar Kröten sogar in Bulgarien drehen. Zwar hält er sich für einen unwiderstehlichen Frauenschwarm, bekommt jedoch reihenweise Abfuhren, zumal seine Ex-Frau mit dem schmierigen Produzenten in die Kiste steigt. Die bunten Hawaii-Hemden untermauern den Status verwahrlosten Lebensstils genauso, wie der völlig vermüllte Wohnwagen, in dem ein Hund und billiger Fusel seine einzigen Freunde sind, während er die wenigen Fans abweisend und arrogant behandelt.
Doch dann kommt der Zeitpunkt, als ein ganzes Dorf merkt, dass der Held scheinbar nur in den Filmen existiert.

Es ist ein herrlicher Spacken-Auflauf in dem kleinen Kaff, in dem zwei Country-Sänger das Geschehen mit naiven Songs untermauern und sich am Ende des Stückes einvernehmlich zunicken, in dem zwei ungepflegte Rednecks Händchen haltend Zukunftspläne schmieden und das Love Interest grundlegend darauf besteht, Campbells Hand nicht am Pöter kleben zu haben. Klar, dass die Story zu keiner Zeit überrascht und beileibe auch nicht alle Gags sitzen, doch ein latentes Grinsen und gute Laune sind durchaus gewährleistet, da das Projekt mit merklich viel Herzblut und Spaß an der Sache angegangen wurde.

Die Mischung ist sympathisch, auch wenn die Horror-Anteile etwas mau ausfallen und damit verbundene Klischees oftmals nur gestreift werden. Phasenweise hätte es etwas weniger „Starrummel“ auch getan.
Somit wird Fans von Campbell ein großes Fest bereitet, während der durchschnittliche Horrorfan phasenweise ein wenig in die Röhre blickt und von der wenig spannenden Geschichte nur leidlich unterhalten werden dürfte.

Dennoch wird der Genre-Fan mit Sinn für Trash und Selbstironie mit einem angenehm flockigen Treiben belohnt, welches sich nie lange mit Nebensächlichkeiten aufhält.
Ob fast unbemerkt im Hintergrund eine nur leicht abgeänderte Variante des „Psycho“-Themas erklingt, die gnadenlose Selbstüberschätzung der Hauptfigur immer wieder mit Unkenntnis quittiert wird oder ein paar schräge Vögel (unter anderem Ted Raimi in drei verschiedenen Rollen) mit bewusstem Overacting Kalauer einstreuen, - die Mixtur ist kurzweilig, unterhaltsam, zwar völlig harmlos, aber durchaus charmant.
7 von 10

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