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Die beiden Gothik-Freaks Jeff (Taylor Sharpe) und Clayton (Logan Martin) treffen die beiden Debbie-Geschwister auf dem Friedhofs des Kuhkaffs Gold Lick, um ordentlich einen abzupimpern. Als Vorspiel gibt es "Grabsteine umschmeißen", bei dem Jeff  aus Versehen den Dämon "Guan-Di" erweckt -  ein säbelschwingender, bärtiger Chinese mit rot leuchtenden Augen - der als Dank dafür alle tötet. Nur Jeff kann sich retten.
Doch in dem Kuh-Kaff Gold Lick ist nichts mehr, wie es einmal war. Die knapp 300-köpfige Gemeinde wird jeden Abend von Guandi heimgesucht und um Einwohner erleichtert. Für Jeff, der sich für dieses Schlamassel verantwortlich sieht, gibt es nur eine ultimative Lösung: Sein größtes Vorbild Bruce Campbell (gespielt von Bruce Campbell himself), der als "Ash" in "Tanz der Teufel" solche Monster locker plättete, muss herhalten. Doch Bruce ist gerade mit den Dreharbeiten zu "Cave Alien 2" (fiktiver Film) beschäftigt und scherrt sich einen Dreck darum, was Fans von ihm wollen. Nach kläglich gescheiterter Audienz bei seinem King, entführt Jeff kurzerhand Bruce. Ist Bruce auch im wirklichen Leben so ein Held wie in seinen Filmen?

Nach verdammt langer Warterei konnte ich zuhause dann endlich  zwei Premieren feiern: Zum ersten die neuen, hässlichen Wendecovers mitsamt ihrer "Wendefunktion" (sehr sinnvoll), und zum anderen DEN Campbell-Film für Fans, in dem Bruce sich selber auf die Schippe nimmt.
Die Messlatte (aus welchem Grund auch immer) war dank Trailer, diverser Berichte oder Kritiken immens hoch - und leider muss ich zugeben, dass zumindest meine Erwartungen nicht ganz erfüllt worden sind. "My Name is Bruce" ist ein auf und ab der Gefühle eines Fan-Boys, der zwischen Lachen und leuchtenden Augen auch viel Kopf schütteln übrig hat.

Zu erstmal zu den Stärken: Bruce nimmt sich selber und die Film-Industrie (sichtlich mit viel Spaß) dermaßen auf die Schippe, dass es an allen Enden kracht. Bruce ist ein Weichei, legt ´nen dicken Haufen auf seine Fans, wohnt mit seinem Hund Skippy in einem Bau-Container am Waldrand, in dem sich beide abwechselnd die Kanne geben. Bruce hat Unterhaltsklagen von seiner Ex-Frau (die ihn ermutigen, sich noch mehr Drehzahlen reinzukippen) und ist auch sonst mit seinem Leben unzufrieden.
Auch die Dreharbeiten zu seinem C-Film "Cave Alien 2" (den ich mit dem absolut schlechten "Alien Apocalypse" in Verbindung bringe) sind zum Schreien komisch.

Dieser Zynismus und auch sonstige gewohnten Bruce-Sprüche sind es dann auch, die den Film über die gesamte Länge tragen, obwohl  auch da  mehr drin gewesen wäre. Nicht alles zündet - manches wirkt dermaßen overacted und auf gewollt lustig getrimmt, dass dadurch einige Hänger entstehen, die mehr peinlich als amüsant rüberkommen.

Klar kann man sich über den Blutgehalt streiten, der Film hat eine FSK 16 und hier und da wird auch mal enthauptet, aber ein wenig mehr Ruppigkeit wäre schön gewesen und hätte dem Film  mit Sicherheit gut getan. Von Campbell sind wir mehr gewohnt, und Splatter-Freaks können sich schonmal auf jeden Fall auf eine herbe Enttäsuchung einstellen

Die größte Schwäche des Films ist in meinen Augen die Hauptstory, auf die der Film setzt. Auch, wenn Bruce Campbell hierzulande wie auch über dem Teich die B-Ikone schlechthin ist, hätte man mehr Wert auf eine Handlung legen können. Die kommt dermaßen trashig rüber, dass es weh tut. Klar - ein Trash-Schauspieler verdient in seiner eigenen Persiflage auch eine Trash-Story - könnte man argumentieren, aber das hier ist für mich zumindest  zu viel des Guten. Eindeutiger Tiefpunkt ist dann auch, als Bruce bei der Entführung glaubt, es wäre ein "Gag" seines Agenten, eine neue Rolle für ihn an Land zu holen. Zum Ende hingegen hätte man sich als Ash-Fan auch mehr gewünscht, dass Old Bad Guan-Di mit ´ner Kettensäge oder Schrotflinte "bearbeitet" worden wäre, als mit Tofu in die Schranken verwiesen zu werden. Ein weiterer Minuspunkt ist die etwas schwuttige deutsche Stimme von Bruce Campbell. Könnte entweder der Original-Synchron-Sprecher sein, der sich endlich geoutet hat, oder eben eine weichere Stimme für unseren Held. Da muss ich passen. Es ist zu lange her, als ich mir eins der Originale von Bruce reingezogen habe.

Zugegeben, "My Name is Bruce" war auf den ersten Blick eine herbe Enttäuschung für mich. Ich musste mir diesen Film ein paar Tage durch den Kopf gehen lassen. Aber auch danach kann ich diesen Film nur etwas anheben in der Bewertung. "My Name is Bruce" dürfte für jeden Campbell-Fan eine Berreicherung darstellen, alle anderen, die sich nur mal gepflegt eine DVD aus der Videothek reinziehen und nix mit dem Namen anfangen können, können auch getrost einen Bogen darum machen.

6/10 für Campbell-Fans
4/10 für alle Normalos

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