Review

2008 nahmen gleich zwei Leute ihr Image auf die Schippe: Van Damme auf die ruhig-triste Art in „J.C.V.D.“, Bruce Campbell auf die schrill-schräg-schundige in „My Name is Bruce“.
Eine Horde von Nachwuchs-Gothics aus dem kleinen Kaff Goldlick setzt versehentlich den chinesischen Gott Guan-Di frei, der dort die Seelen verschütterter chinesischer Bergleute hütet. Der Zuschauer weiß das eh aus dem Titelsong, vorgetragen vom Sheriff und vom Bürgermeister der Stadt und das Lied, das gleich mehrfach zu hören ist, ist eine amüsant-abstruse Idee, die „My Name is Bruce“ direkt sympathisch macht. Jeff Graham (Taylor Sharpe), der größte Fan Bruce Campbells, überlebt Guan-Dis Attacke und hat nun die Idee zur Lösung Bruce muss her.
Der dreht allerdings gerade „Cave Alien 2“, ist kein liebenswerter Typ und kann erst nach Baseballschläger-Betäubung nach Goldlick gebracht werden. Im Glauben Opfer eines Geburtstagsgeschenks Marke „The Game“ zu sein, macht er anfangs begeistert mit – bis er vor Guan-Di steht...

Er hat ihn zwar nicht geschrieben, aber als Regisseur und Hauptdarsteller drückt Bruce Campbell seiner filmischen Pseudo-Autobiographie ganz eindeutig den Stempel auf. Und was soll man sagen: Über weite Strecken lebt „My Name is Bruce“ einfach nur von seiner Hauptfigur. Campbell agiert als Karikatur seiner selbst, als versoffener Loser, der die Hälfte seiner Film bereut, der sich erst gegen Filmende vom egozentrischen Arschloch zum Helden aufschwingt. Als alter Wegbegleiter ist Ted Raimi gleich in mehreren Rollen zu sehen, unter den neuen Leuten an Campbells Seite ragt vor allem Grace Thorsen als Dorfschönheit und Mutter auf – der Rest vom Fest schlägt sich solide, fällt aber weniger auf.
Tatsächlich ist „My Name is Bruce“ durchzogen von einer Liebe für Trash- und B-Filme, was nicht nur am massiven Aufkommen von Campbell-Andenken liegt, auch wenn einige Filmtitel (vermutlich aus rechtlichen Gründen) verfremdet wurden. Es liegt auch nicht an den Filmzitaten, die auch A-Movies wie „Psycho“ umspannen, wenn „My Name is Bruce“ dessen Score recycelt. Es ist einfach die gesamte Machart. Guan-Di ist ganz einfach als Mann im Gummikostüm zu erkennen, die Gore-FX sind auch nicht immer ausgereift und von daher gewollt durchschaubar, dazu gibt es noch erkennbare Rückprojektionen, besonders theatralisch draufgehende Nebenfiguren und ähnliche Scherze.
Nebenher wird auch noch aufs Filmgeschäft selbst eingeschlagen, gerade im Falle von „Cave Alien 2“, an dessen fiktiven Set über Billigschauspieler aus dem Osten, nervige Set-Runner und knappe Drehpläne hergezogen wird (göttlich die Szene, in der man ohne Campbell weiterdreht). Campbell parodiert sich dabei nicht nur selbst, sondern auch Kollegen, die ihre Fans wie Dreck behandeln und selbst aus dem absteigenden Ast noch dem Ruhm längst vergangener Tage nachhängen.

Doch bei all dem Elan muss man zugeben, dass „My Name is Bruce“ erzählerisch Schwächen hat, stellenweise sogar wirklich schlecht ist. Nach der Einführung werden die Geschehnisse in Goldlick einfach übersprungen, es wird nie erklärt, warum man lieber Bruce Campbell anstelle der Behörden zwecks Rettung ruft und auch sonst kommt der Film oft von Hölzchen auf Stöckchen. Man kann sicher argumentieren, dass auch die Drehbuchlücken eine Verbeugung vor hölzernem Trash sind, aber leider reißt es den Zuschauer immer wieder etwas raus, so ideenreich und skurril der Film auch ist.
Ebenfalls etwas problematisch ist der Slapstick. Campbell kann toll Slapstick spielen, das weiß man spätestens seit „Evil Dead II“, doch Slapstick inszenieren liegt ihm weniger. Die Tanzeinlage, bei der er und seine Partnerin ein Lokal verwüsten, wirkt einfach steif und unkomisch, so bemüht alle Mann dabei auch sind. Derartige gibt es ein paar, auch die Szene, in der Bruce bei der Flucht versehentlich Dorfbewohner erschießt gehört dazu. Schade drum, denn Campbell hat wieder einige Brüller, gerade die Nummer im Waffenladen ist urkomisch.

Es zünden ein paar Gags nicht und viel länger als seine rund 80 Minuten Laufzeit dürfte „My Name is Bruce“ auch nicht gehen, dafür ist das Script zu schwach. Doch dank des grandiosen Bruce Campbell, der liebevollen Inszenierung und einer Menge herrlich abstruser Einfälle macht der Film wirklich Spaß. Und der Guan-Di-Song, der hat Ohrwurmqualität.

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