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„Ich fahr niemanden, der Bruce nicht mag!“ – Fanboy Jeff

Horrorfilm-Ikone Bruce Campbell, Kult-Darsteller seit „Tanz der Teufel“, verfilmte nach seinem Spielfilm-Regiedebüt „The Man With The Screaming Brain“ im Jahre 2007 höchstpersönlich ein Drehbuch Mark Verheidens, das Bruce Campbell nicht minder persönlich zur Hauptrolle einer B-Horrorkomödie macht und den Schauspieler Campbell ein selbstironisches und mit zahlreichen Zitaten seines Schaffens gespicktes Abenteuer bestehen lässt.

Gold Lick, ein verschlafenes kleines US-Dorf. Vier Jugendliche stören die Totenruhe auf dem chinesischen Friedhof, wo die Opfer eines furchtbaren Minenunglücks von vor 140 Jahren begraben liegen und über den der chinesische Geist des Krieges und Beschützer der Toten Guan Di seither wacht. Als die Teenies den Dämon versehentlich erwecken, greift dieser sofort zum Säbel und macht kurzen Prozess mit den Störenfrieden. Lediglich Jeff (Taylor Sharpe), ein Horrorfilm-Nerd und Die-hard-Bruce-Campbell-Fan, kann sich retten und vermittelt den Dorfbewohnern, dass nur Bruce Campbell das Dorf würde retten können. Dieser ist in Wirklichkeit jedoch nicht einmal halb so heldenhaft wie in seinen Filmen, vielmehr ein abgewrackter Schauspieler in C-Produktionen, der permanent pleite ist und ein Alkoholproblem hat. Als man ihn mit unsanften Methoden nach Gold Lick entführt, wähnt er sich zunächst in einem Scherz seines Managements, einer Art Überraschungsparty für ihn – bis er erkennen muss, dass Guan Di blutigen Ernst macht…

„Du hast wieder aus dem Hundenapf getrunken, oder?“

Der leicht an „Galaxy Quest“ erinnernde „My Name is Bruce“ ist eine herrlich (selbst-)ironische Satire nicht nur auf Bruce Campbell und die Rollen, mit denen er von seinen Fans in Verbindung gebracht wird, sondern auch auf die ganze Branche und das Publikum, seine Fans. Letztere fanden seine letzten Filme natürlich scheiße und gehen ihm auf die Nerven, während er sich mit einer weiteren Billigst-Horror-Produktion herumschlagen muss und zu Realitätsverlust inkl. Selbstüberschätzung neigt. Er lebt, geschieden von seiner Frau, in einem Wohnwagen und sogar sein Hund ist Alkoholiker. Die Suffszene ist seinem Wohnwagen ist ein Höhepunkt des Slapsticks, die Dialoge strotzen nur so vor Witz und eine Vielzahl von Branchenklischees wird kräftigst durch den Kakao gezogen.

„Exaltiertheit geht oft mit wahrer Größe einher!“

Dieser Bruce Campbell trifft nun also erst auf seinen vielleicht größten Fan, dessen Zimmer der reinste Campbell-Verehrungs-Schrein ist und im Anschluss auf die Dorfgemeinschaft, die ihre Hoffnungen in ihn legt. Es kommt natürlich unweigerlich zum Aufeinanderprallen unterschiedlichster Kulturen, doch statt sich wenigstens freundlich zu verhalten, lässt Bruce es kräftig krachen, gibt sich selbstgefällig und arrogant und gräbt Jeffs Mutter (Grace Thorsen) an. Das ist alles irrsinnig komisch, bietet reichlich Situationskomik und lässt sich Campbell in seiner Rolle als Arschloch bestens austoben, der sie mit sichtlicher Hingabe ausfüllt. Guan Di wiederum wurde bewusst trashig gestaltet, ein klappriger alter Zausel mit bedrohlich leuchtenden Augen. Er lässt ein paar Köpfe rollen, in splatterige Dimensionen verfällt der Film jedoch nicht.

„Sie sind der schlechteste Mensch, der mir je begegnet ist!“

Nach hinten raus schwächelt „My Name is Bruce“ ein bisschen, als Bruce tatsächlich helfend einschreitet, dafür bietet sich jedoch die Gelegenheit, typisches Filmpathos zu verballhornen, die natürlich nicht ungenutzt bleibt. Und wenn am Schluss quasi ein alternatives Ende nach dem anderen angeboten wird, bleibt kein Auge trocken. Durch den mit zahlreichen Insider-Gags – was besonders tatsächliche Campbell-Fan-Boys erfreuen wird – gespickten Film führen zwei Hillbilly-Musiker, die immer mal wieder die Titelmelodie zum Besten geben, zahlreiche mehr oder weniger bekannte Gesichter aus Campbell-Filmen haben Gastauftritte und Ted Raimi derer sogar gleich drei! Ja, mit „My Name is Bruce“ verarscht Campbell gewissermaßen sein gesamtes Lebenswerk. So viel Selbstironie muss man einfach gern haben. Meinen Humor jedenfalls hat der Film auf den Punkt getroffen und er dürfte für Campbell-Fans ebenso geeignet sein wie als Einstieg in Campbells Filmografie.

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