Tim Roth spielt einen Wissenschaftler, der sich mit der Entstehung der Sprache befasst und 1938 urplötzlich vom Blitz getroffen wird. Der Greis erwacht nach dem Vorfall als 30jähriger Mann und entwickelt geistige Fähigkeiten, sowie eine Bewusstseinsspaltung, mit der er der ganzen Welt intellektuell weit überlegen ist. Kein Wunder also, dass sich die Nazis brennend für ihn interessieren. Daher flieht er in die Schweiz, wo er einer jungen Frau, gespielt von Alexandra Maria Lara, begegnet, die einer verflossen Liebe von ihm ähnelt. Als auch diese vom Blitz getroffen wird, entwickelt sie Fähigkeiten, die den Wissenschaftler dem Ursprung der menschlichen Sprache, den er immer schon finden wollte, näher bringen, auch wenn seine Geliebte dabei von Tag zu Tag schwächer wird.
"Der Pate" 1-3, "Apocalypse Now", "Bram Stokers Dracula" und "Der Dialog" sind Meisterwerke und Beweise dafür, dass es sich bei Francis Ford Coppola um einen enorm fähigen, virtuosen Regisseur handelte. Kein Wunder also, dass man sich von seinem neusten Werk "Jugend ohne Jugend", das zehn Jahre nach seinem letzten Film "Der Regenmacher" erschien, einiges erhoffen konnte. Und es ist definitiv ein außergewöhnlicher Film, der von einer Skala von eins bis zehn schwierig zu bewerten ist und auf dem schmalen Grat zwischen einem philosophischen Meisterwerk und den Hirngespinsten eines alten Mannes, der hier lediglich ein sperriges und wirres Alterswerk auftischt, wandelt.
Das Skript basiert auf der gleichnamigen Novelle "Jugend ohne Jugend", die von einem tschechischen Philosophen und Schriftsteller stammt und wurde von Coppola selbst verfasst. Gute, tiefsinnige Ansätze über das menschliche Leben, die Zeit, sowie einen Einblick in die Sprachwissenschaften und die Sprachphilosophie sind vorhanden. Die Handlung um den intelligenten, verjüngten Wissenschaftler, für den sich die Nazis interessieren, ist durchaus gelungen und selbst die abstrakte Fantasy-Romanze zwischen dem, vom Blitz getroffenen Wissenschaftler und der, ebenfalls vom Blitz getroffenen Lehrerin, die nachts aufwacht und verschiedene tote Sprachen spricht, hat einige gelungene Ansätze. Aber so, wie Coppola die Inhalte, die nur teilweise interessant und fesselnd umgesetzt werden, vermittelt, ist der Film stellenweise schlicht weg eine Zumutung. So überlappen verschiedene Ansätze, andere Plots wiederum, wie etwa die Verfolgung durch die Nazis und die Romanze haben keinen Übergang und rein gar nichts miteinander zu tun. Das gesamte Konstrukt, so einzigartig und innovativ die Ideen teilweise auch sein mögen, wirkt konfus und unschlüssig, als stamme es aus der Hand eines senilen Philosophen, der ohne erkennbaren Zusammenhang über verschiedene Thematiken und Theorien sinniert.
In der ersten Hälfte ist der Film, der wie ein Thriller beginnt, noch überaus unterhaltsam, teilweise spannend. Coppola, an dessen handwerklicher Arbeit, etwa in Bezug auf Kamera, Filmmusik und Schnitt, kein Grund zur Beschwerde besteht, kann hier eigentlich nur das etwas zu langsame Erzähltempo zur Last gelegt werden. Teilweise sind ein paar überaus gelungene optische Einfälle vorhanden, so gibt es überaus düstere Aufnahmen, die durchaus eine gespannte Atmosphäre erzeugen, aber auch einige gelungene Landschaftsaufnahmen von Indien. In der zweiten Hälfte, wenn die Story immer konfuser wird, lässt Coppolas Arbeit dann jedoch erzählerisch zu wünschen übrig und bis auf ein paar relativ gelungene Szenen bleibt nichts, als gepflegte Langeweile, bis der Film schließlich durch sein, rational kaum zu erklärendes Finale beendet wird, dass den faden Beigeschmack hinterlässt, doch keine Leinwand-Philosophie gesehen zu haben, sondern einen Film, der sich weder für ein Hauptthema, noch für ein Genre entscheiden kann und selbst nicht so recht weiß, worauf er eigentlich hinaus will. Für diesen unausgegorenen und enorm sperrigen Film, der immer nur temporär zu unterhalten weiß, hätte man definitiv keinen Francis Ford Coppola benötigt, der es besser beim Karriere-Ende von 1997 belassen hätte.
Tim Roth ist es, der "Jugend ohne Jugend" dennoch ins Mittelmaß zieht. Er stellt seine komplexe Figur sowohl als alter Mann, als auch als junger Mann gelungen dar, überzeugt dabei ebenfalls durch die nahezu beängstigend gute Darstellung der Bewusstseinsspaltung seiner Figur und die hohe Leinwandpräsenz, die er hier erzeugt. Immer dann, wenn der Film bei der Verknüpfung seiner verschiedenen Handlungs- und Zeitebenen ins Stocken gerät, ist es der ganz groß aufspielende Roth, der wenigstens ein bisschen Ruhe ins Geschehen bringt und den Zuschauer weiter an der Geschichte seiner Figur teilhaben lässt. Ebenfalls unter darstellerischen Gesichtspunkten sehr erfreulich ist der Auftritt von Bruno Ganz, der sich nach "Der Manchurian Kandidat" und vor "Der Vorleser", sowie "Der Baader Meinhof Komplex" einmal mehr auch auf internationaler Bühne mit einer makellosen Leistung als sympathischer Arzt empfehlen kann, während Alexandra Maria Lara, die die hysterischen Anfälle ihrer Figur sehr gut verkörpert, ansonsten aber weit hinter Roth und Ganz zurückfällt, besonders im Zusammenspiel mit Roth etwas blass wirkt.
Fazit:
Der Ursprung der Sprache, eine Romanze, die Lebenszeit, Bewusstseinsspaltungen, die Verfolgung eines scheinbaren Übermenschen durch die Nazis: All dies sind Themen, die Coppola in seinem langatmigen, unüberschaubaren Alterswerk zu verknüpfen versucht, woran der Film, der vor allem zum Ende hin überaus konfus wirkt über weite Strecken krankt. Wegen einiger guter Ansätze auf philosophischer Ebene, der hervorragenden Leistung von Tim Roth und dem einen oder anderen spannenden Moment kann man sich den Film, der fern ab der Stereotypen Hollywoods anzusiedeln ist und nicht viel mit Coppolas früheren Werken gemein hat, durchaus ansehen, aber das Meisterwerk, dass der Film gern wäre ist er bei Weitem nicht, dafür ist er zu wirr und zu sperrig.
55%