Teenieslasher geht so: böses Ereignis in der Vergangenheit, daraufhin werden einige Heranwachsende von unterdrückter Schuld und Schande begleitet. Alsbald sammelt man sich an irgendeinem relativ unübersichtlichen Ort und wird von einem bis zum Showdown Unbekannten dahin gemeuchelt, der in einer waaaahnsinnig überraschenden Beziehung zur Vorgeschichte steht. Am Ende überlebt fast immer ein knackig Mägdelein (das „Last Girl“) und bläst des Fieslings Lebenslicht dahin.
Wer aus diesem Ablauf mal was Frisches extrapolieren möchte, der verschlimmbessert für gewöhnlich einzelne Elemente, setzt auf extrem hübsche Opfer oder fiesen Gore, bemüht sich um Spannungserzeugung oder baut krude oder alberne Jokes ein. Fakt ist aber: das Publikum will genau den üblichen Ablauf sehen.
Das deutsche Label „Autobahn“ hat sich nun den künstlerischen Anspruch bei der Unterhaltung auf die Fahnen getackert, das heißt, wenn sie es signen, dann soll der Film das besondere Etwas haben.
Und weil nach dem Fantasy-Film-Fest „All the Boys love Mandy Lane“ nun einige berauschende Besprechungen für sich verbuchen konnte, scheint hier ja mal was gaaaaaaaaanz anderes zu kommen.
Jonathan Levine, Debutregisseur für einen gepflegten Langfilm legt sich dann auch ganz schön ins Zeug, um mit der Erwartungshaltung der Slasherfreaks zu brechen und behält doch die wesentlichen Elemente bei: Mandy Lane, die zentrale Figur und mehr als deutlich das „last girl“ ist weder besonders schüchtern oder aufgeweckt oder unauffällig, sondern ein unnahbares Enigma, das schnell aber sicher alle Kerle verrückt macht, ohne sie ranzulassen. Einer stürzt sich sogar vom Verandadach in den Pool, schlägt sich aber lethal am Beckenrand den Kopf an. Quelle Horreur!
Doch neun Monate später will ein opferhaltiges halbes Dutzend es so richtig krachen lassen: Landhaus im Nirgendwo, Alk, Kiffe und reichlich Gelegenheit zu poppen. Und natürlich der Boogeyman, der gerne mal Teenager meuchelt.
Das liest sich alles dann doch sehr gewöhnlich, ungewöhnlich dagegen kommt der Look und der tatsächliche Aufbau daher. Levine ist sehr um neue Bilder bemüht, dreht in einem ausgebleichten, hitzeflirrenden Look, der schon bei Marcus Nispels „TCM“-Remake alles etwas verschwitzter und dreckiger hat aussehen lassen als es war, unterlegt das noch mit der Körnigkeit nostalgischer Jeans-Werbespots.
Natürlich sind auch hier die Jungs horny und die Mädels nicht minder (bis auf die Titelfigur), doch was verblüfft, ist, daß die Partycommunity hier eigentlich nicht viel miteinander zu tun zu haben scheint, denn männlicherseits treffen hier ein schmieriger Poser-Rammler, ein Musclesportler und ein Kiffernerd auf weiblicherseits den Schulschwarm, ein halbneurotisches Paris-Hilton-Lookalike und ein angebliches Pummelchen, das es faustdick hinter den Ohren hat. Irgendwie versteht man sich aber doch, zumindest wird hier gevögelt, runtergeholt und freundschaftlich geblasen... womit wir wieder bei einem wesentlichen Unterschied wären, denn Saufen, Kiffen und Poppen haben hier maximal als Bekämpfung der Langeweile eine gewisse Funktion – Jugend ist hier gleich ziellose Unterentwicklung, viel zu reden außer direkten Anzüglichkeiten gibt es da nicht, was den Dialogen einen besonderen Touch von sexuellem Flachsinn verleiht.
Konventionen werden dann auch gebrochen, als der Killer on the loose ist, denn wir erfahren schon bei Mord Nr.2, um wen es sich handelt – hier ist offensichtlich die Decouvrierung komplett egal, der Bruch mit der gefestigten Materie wird bewußt gezogen, andere Verdächtige gar nicht erst aufgebaut.
Allenfalls bleibt die Frage nach dem Motiv, sei es nun Eifersucht, Rache oder etwaige Demütigungen (der Schlunz war nicht eingeladen), doch, oh Wunder, auch auf die gibt es am Ende keine Antwort, der Film wird in sich selbst zum größten Fragezeichen, der keinerlei Erklärungen für seine Handlungen bietet.
Doch so interessant es klingen mag, die Ausführung ist deswegen nicht unbedingt interessant, sie brüskiert lediglich. Eine Dreiviertelstunde blickt der Zuschauer in Charaktere, die eigentlich keine sind, keine Abziehbilder, sondern leere Gefäße, die die Schule nie hat füllen können. Der dämliche Sextalk hat keine Funktion, als Perspektivlosigkeit zu enthüllen, aber deswegen wird daraus noch kein diskutables Sujet.
Und am Ende dem wirren Treiben nicht einmal eine Erklärung zu gönnen, macht das Ergebnis nicht weniger bizarr. Weder der Täter noch die Titelfigur kann die Vorgehensweise, die Handlungen, ja sogar die Opferauswahl erklären – allenfalls eine innere Reife der Mandy Lane, eine schon stärkeres Gefühl von Erwachsensein; die Erkenntnis, das der Weg nach oben über Leichen geht, bleibt.
Das Slasherprinzip einfach nur so aufzubrechen würde allerdings besser funktionieren, wenn es nicht ständig Rückfälle in alte Fehler geben würde, wie der Schläger, der den Täter am Boden hat und sich dann in einer dramaturgisch dämlichen Szene in Zeitlupe die Augen zerschneiden läßt (der Iiiiih-Faktor sinkt durch die Tatsache, daß in Großaufnahme die Klinge über die Stirn gezogen wird, daraufhin aber angeblich die Augen hin sein sollen). Von besonderer Dämlichkeit erscheint auch die Flucht zweier gegensätzlicher Figuren, die nach einem Marathonlauf zum rettenden Auto fünf Meter davor auf die spontan-debile Idee kommen, gerettet zu sein, um sich gegenseitig die Zunge in den Mund zu stecken (und dann abgeknallt zu werden). Ist das regelbrechende Ironie oder sträfliche Naivität? Oder soll uns hier gesagt werden, daß Neurotiker und Hänger sich verbünden können, aber trotzdem nicht lebensfähig sind?
Zuviel bleibt unklar oder wenig scharf umrissen, da nützt auch der mehrfache Eindruck, hier eine Art „Westernlook“ ausmachen zu können, nicht viel weiter – alles in allem provoziert Levines Film ein „Ja, und?“ mehr als ein echtes Aha-Erlebnis, bei dem man den hohlen Talk als entlarvend lang darstellt, die Goreszenen kurz und wegwerfend inszeniert oder sie so im Aufbau übertreibt, das sie nicht mehr zur Sehgewohnheit passen.
Es wäre jedoch nötig gewesen, die Strukturen aufzubrechen, eben UM dann zu einer neuen Aussage zu kommen, etwas das etwa „Scream“ ironisch versuchte und hier mit gesellschaftlichem Ernst gekoppelt, durchaus das Potential für einen spröden, aber mit der heutigen Teenagerrealität verlinkten Film gehabt hätte.
So jedoch mäandert Levines Film nur ziellos im Niemandsland der „vielleicht“ oder „eventuells“ und bietet nicht mal kontroverse Diskussionsansätze, sieht aber schön dabei aus.
Daß sich die Schauspieler dabei ausnahmsweise mal als solche auch gebärden, ist ein erfreulicher Nebeneffekt, wenn man auch durch das themenkarge Skript kein preiswürdiges Material erwarten dürfte.
Eine Nischenkuriosität, die einige Freunde finden wird – die aber von der breiten Masse der Fans des Genre recht schnell abgelehnt werden wird, weil sie eben partout nicht das bieten will, was man erwartet – sich dann aber auch für nichts entscheidet, was man vielleicht nicht erwartet hat. (4/10)