Inhalt: Ein paar Jugendliche fahren auf die Ranch eines reichen Bengels, und der eine oder andere von ihnen wird diesen Urlaub nicht überleben, und zwar nicht wegen des übertriebenen Einsatzes von Alkohol... Also, wir haben da den kiffenden Lockenkopf, den Quoten-Neger, hübsche Mädels, den unheimlichen Gärtner, Entschuldigung, Rancher, und wie bei allen 17-jährigen US-Amerikanern (außer vielleicht Rory Gilmore) dreht sich alles um Drogen und Sex. So weit, so ausgelutscht. Doch dann beginnt das große Sterben...
Mandy Lane is in my ears and in my eyes...
Kritik (Teil I - ohne Spoiler): Früher war alles besser. Nicht weil es besser war, sondern weil man weniger Ansprüche hatte. Vor fünfzehn Jahren hätte mich der Film weggeballert. Andrerseits: Vor fünfzehn Jahren war "Das Fenster zum Hof" trotzdem spannender. Denn "All the Boys Love Mandy Lane" schafft es zu keinem Zeitpunkt, Schreckmomente zu kreieren. Zunächst besteht eine Grundspannung, weil man überhaupt keine Ahnung hat, was geschehen wird (wenn man die Inhaltsangabe nicht kennt); so beginnt der Film mit einem Paukenschlag, dann kehrt fast hippiemäßige Ruhe ein, die ein Kribbeln verursacht, weil man ja weiß, daß es irgendwann irgendetwas passieren wird - und als es dann passiert, fragt man sich natürlich, wer denn jetzt die letalen Handlungen vornimmt. Aber dann: Keiner der üblichen Erschrecker - Wesen huscht durchs Bild, jemand nähert sich im Dunkeln dem Haus, plötzlich steht eine Person hinter der Frau - zeigt hier Wirkung. Das funktioniert sogar in Slasherkomödien wie "Scream" besser. Dann wird auch noch frühzeitig klar, wer hier fröhlich durch die Gegend mordet, und schon ist die ohnehin flache Spannungskurve für den Rest des Filmes hin. Gekrönt wird das Ganze durch einen mehr als unsinnigen Showdown (im Gegensatz zu dem in "Das Fenster zum Hof"), und man ist ein bißchen ärgerlich. Da hat dieses Werk irgendwie die Ambition angedeutet, "anders" zu sein, angefangen beim Titel, fortgesetzt in dem Setting, das weniger an Horror als an Jugenddrama erinnert, zudem auffallend satt und warm gefilmt, und es bleibt letztlich ein typisches Horrorfilmchen für Jugendliche, mit immensen Logiklöchern und spärlich eingesetzter Gewalt, die ja, höher dosiert, einiges hätte rausreißen können. Im Grunde gibt es nur zwei Morde, die so nicht auch im Tatort zu sehen wären (in dem man neulich eine Leiche mit abgehackten Beinen sekundenlang bewundern durfte - das wäre bei "Mandy Lane" einer der Höhepunkte gewesen).
Also, kurz gesagt: Irgendwie für'n Arsch, der Film, aber wenn ich mich da an so manches andere Werk erinnere, das ich mir in letzter Zeit angetan habe, und eingedenk der verschiedenen Geschmäcker sowie des "Früher war alles besser"-Faktors - Durchschnitt.
Wer ist sexyer - Lois oder Mandy?
Kritik (Teil II - mit Spoiler, aber hallo!): Also, jetzt mal ehrlich - der Film tut so, aber er macht es nicht. Nicht nur, daß man auf die Genre-typischen Charaktere zurückgegriffen hat, man hat diese dann auch so blaß gelassen, daß man durch sie hindurchschauen kann. Wenn man schon in Klischees badet, dann hätte doch wenigstens der Rancharbeiter (der trotzdem noch am coolsten ist) charismatischer und geheimnisvoller sein können (so wie Raymond Burr in "Das Fenster zum Hof"); statt dessen ist er ein gealterter Schönling. Was komplett fehlt, sind die Beweggründe für Mandy und ihren komischen Freund, diese Aktion zu starten und ausgerechnet diese Leute umzubringen (wodurch der Twist einfach nur aufgesetzt wirkt und der "Boah, kraß"-Effekt ausbleibt). Ebenfalls ist nicht klar, wie Miss Lane sich aus der Sache herauswinden will (denn sie hat ja wohl mindestens eine Person selber getötet, und ich denke mal, die Bullen werden sich mit einer kurzen Erklärung, kombiniert mit sexy Augenaufschlag, nicht zufriedengeben), und ihr angedeutetes Vorhaben, den Rancher auch noch abzumurksen, dient ja wohl nur billiger Spannungsmache, denn dieser Mord hätte die Sache nicht gerade erleichtert - warum also erhebt sie das Messer überhaupt gegen ihn? Zudem ist der Endkampf gegen ihren ehemaligen Mitstreiter und -töter ausgesprochen blutleer und holperig inszeniert.
Für einen Psychothriller sind die Protagonisten nicht annähernd vielschichtig genug, im Slasher-Genre kann der Film ebenfalls nicht mithalten, weil einfach zu wenig Blut fließt. Dennoch sind es die Schauwerte, sprich die Optik und die Morde, sowie ein bißchen nacktes Fleisch, die diesen Film überhaupt irgendwie interessant machen - so interessant wie einen echten Slasher oder z.B. "Das Fenster zum Hof" aber nicht.