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Amerika im Wilden Westen: Kämpfe zwischen weißen Cowboys und Rothäuten sind an der Tagesordnung. Eine Ursache dafür ist die Great Western Eisenbahngesellschaft, die auf Befehl des Banditen Santer (Mario Adorf) ihre Bahnstrecke mitten durch Indianergebiet zieht. Der deutschstämmige Old Shatterhand (Lex Barker) versucht ihn davon abzuhalten, doch Santer lässt nicht mit sich reden. Als Santer den Apachen Klekih-petra tötet, eskaliert die Situation: Die Indianer greifen das Städtchen Roswell an und Old Shatterhand gerät in die Gefangenschaft der Apachen. Er soll am Pfahl sterben, es sei denn er gewinnt ein Duell mit Winnetous Vater.

Die Krise des deutschen Films Anfang der 60er war groß, es gab kaum Licht am Horizont. Bis die Karl-May-Verfilmung "Der Schatz im Silbersee" 1962 ein beachtlicher Erfolg war. Ein Jahr darauf inszenierte Harald Reinl "Winnetou I" und löste damit einen Boom von May-Verfilmungen aus, der bis in die späten 60er anhalten sollte und dem deutschen Kino zu neuem Ruhm verhalf.

"Winnetou I" ist also rein filmgeschichtlich ein enorm wichtiger Film. Heute darf man durchaus die Frage stellen, was diesen Film zu einem Riesenerfolg werden lies. Nun, als einer der ersten Western überhaupt beschäftigte sich "Winnetou I" mit dem unglücklichen Schicksal der Indianer, ausgelöst durch die Weißen. Die Schwarz-Weiß-Malerei zwischen Gut und Böse ist dabei allzu deutlich ausgefallen, für heutige Verhältnisse gar naiv. Der Bösewicht Santer als Symbolfigur der fiesen Weißen erfüllt wirklich jedes erdenkliche Klischee eines Banditen, ist jedoch dank des hervorragenden Spiels Mario Adorfs immer noch böse genug.

Auf der Seite der Guten steht an der Spitze Winnetou, der Häuptling der Apachen. Als weißgekleideter Heilsbringer auf seinem Pferd geht von ihm eine messianische Ausstrahlung aus, die heute (auch wegen Michael Herbig & Co.) ziemlich unglaubwürdig und lächerlich wirkt. Ich für meinen Teil fand Old Shatterhand schon immer cooler, dennoch ist es natürlich ein Kindheitstraum als Retter durch anmutend schöne Landschaften zu reiten und gute Taten zu vollbringen. Da wären wir auch schon beim nächsten Punkt: Die Landschaften. Hier gibt es kein Monument Valley oder Staubwüsten zu sehen. Gedreht wurde in Jugoslawien, dessen karge Felslandschaften und wunderschöne Seen die "Winnetou"-Filme unverkennbar machen.

Gewaltmäßig geht es natürlich recht sanft zu, doch das würde zu diesem Film auch gar nicht passen. Bis auf einige (notwendige) Fiesheiten Santers eignet sich "Winnetou" hervorragend für Kinder im Grundschulalter, deren Traum es schon immer war, Cowboy oder Indianer zu sein. Zudem gibt es recht viele Humoreinlagen zu sehen, mal mehr, mal weniger witzig. Völlig überflüssig scheint für heutige Verhältnisse die Rolle des britischen Fotografen, dessen Klamaukeinlagen hoffnungslos veraltet sind. Unvergesslich dafür Ralf Wolter als Trapper "Sam Hawkins", der mit seiner Liebenswürdigkeit und dem nachgestellten "wenn ich mich nicht irre, ihi, ihi." immer in Erinnerung bleiben wird.

Um es ganz klar zu sagen: "Winnetou" mag für die heutige Generation zu kitschig, zu durchschaubar, zu veraltet sein. Genauer betrachtet ist er das auch, aber als wichtigstes Relikt des deutschen Kinos der 60er hat er bis heute Bestand und eines ist ganz klar: Seinen Charme hat er niemals verloren und wird er niemals verlieren. Für mich selber ein Film (bzw. die ganze Reihe), der mit vielen Kindheitserinnerungen verbunden ist. Und alle die meinen, "Winnetou" sei langweiliger Scheiß, können mir gestohlen bleiben, ich sehe ihn mir immer und immer wieder an und bekomme auch beim x-ten mal noch eine Gänsehaut wenn die Kamera über karge Felsformationen schwenkt, ein weißgekleideter Apache ins Bild reitet und Martin Böttchers legendäre Titelmelodie erklingt.

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