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Eigentlich kann man über Unearthed nicht viel Negatives schreiben. Regisseur Matthew Leutwyler (Dead & Breakfast) hat sein formelhaftes, nach Schema F gestricktes Skript fest im Griff und zieht es straight und ohne große Schnörkel durch. Der in Utah gedrehte Streifen ist ordentlich produziert und punktet zudem mit ein paar schönen Schauplätzen. Der Grundton ist - verstärkt durch die zahlreichen Nacht- bzw. Höhlenszenen - angenehm düster, und Cinematographer Ross Richardson sorgt dafür, daß das alles recht gut aussieht, ohne daß es zu durchgestylt wirkt. Am Set-Design gibt es nichts auszusetzen, die Szenenausleuchtung ist am Limit aber gerade noch akzeptabel, und auch der Schnitt ist ganz okay, wenn auch in einigen Sequenzen etwas zu hektisch. Joseph Bisharas Score begleitet das Geschehen angemessen, ist jedoch wenig bemerkenswert und schafft es nicht, sich in den Gehörgängen festzusetzen. Die Darsteller erwecken die ansprechend charakterisierten wenn auch etwas stereotypen Figuren gut zum Leben, sodaß man als Zuschauer sogar ein ganz klein wenig mit ihnen mitfiebert. Die Creature-FX (ein recht gelungener Mix aus Animatronics, Mann im Kostüm und Computer Generated Imagery) sind schwer in Ordnung, und auch die paar eingestreuten Gore-Szenen, darunter ein saftiger Schädelspalter, überzeugen vollauf. Beim Einsatz von Jump-Scares hätte man sich gerne etwas zurückhalten können, aber ansonsten fällt mir nichts wirklich Negatives ins Auge, sieht man mal von dieser einen, leider gravierenden Sache ab.

Denn eines muß man Unearthed zum Vorwurf machen: Er ist himmelschreiend unoriginell. Das hier Gebotene hat man auf die eine oder andere Weise schon oft gesehen, einige Male besser, viele Male auch schlechter. Schauplatz des Geschehens ist ein kleines Wüstenkaff in New Mexico, das aufgrund eines Unfalls von der Außenwelt abgeschnitten ist. Ebendort kreuzen sich die Wege verschiedener Menschen, die es mit einem schier übermächtigen Gegner zu tun bekommen, der nicht von dieser Welt ist. Das Wesen ist außerirdischen Ursprungs, war lange Zeit tief in der Erde begraben und wurde vor vielen hundert Jahren geschickt, um die DNS aller möglichen Spezies zu sammeln. Jetzt ist es wieder wach und auf der Jagd. Ums nackte Überleben kämpfen unter anderem Sheriff Annie Flynn (Emmanuelle Vaugier, Saw II), Botanikerin Nodin (Tonantzin Carmelo), Rancher Rob Horn (M.C. Gainey), der mysteriöse Kale (Ex-Bros-Hälfte Luke Goss, Death Race 2) sowie die gestrandeten Touristen Caya (Beau Garrett), Ally (Whitney Able), Charlie (Tommy Dewey) und Hank (Eddie Murphys Bruder Charlie). Letzterer sorgt für ein klein wenig Humor im ansonsten zappendusteren, todernsten Geschehen. Natürlich schleppen die meisten der Figuren diverse "Lasten" mit sich herum, sonst wäre es ja langweilig. Annie ist aufgrund eines mitverschuldeten Unglücksfalls eine Schnapsdrossel, der reiche Rancher wäre sie lieber heute als morgen los, Caya und Ally sind unterwegs nach Hollywood, um Karriere zu machen, und so weiter, und so fort.

Leutwyler hat sein Monster-Movie auf klassische Art strukturiert und schreckt nicht davor zurück, beim ganz großen Vorbild in dieser Hinsicht, Ridley Scotts Alien (Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt, 1979), zu klauen. So erinnert nicht nur die Kreatur stark an das weltberühmte, von H.R. Giger designte Alien, auch bei diversen Kameraeinstellungen und Set-Pieces ließ er sich augenscheinlich von diesem Kultklassiker inspirieren. Lange Zeit hält er den geheimen Star des Filmes zurück (ein Creature Feature steht und fällt nun mal mit seiner Kreatur), zeigt uns lediglich mal eine scharfe Kralle hier oder ein Close-Up der fiesen Zähne dort. Manchmal erhascht man auch einen kurzen Blick auf das vorbeilaufende Ungeheuer. Das Vieh ist anfangs jedenfalls mehr zu erahnen als zu sehen, bis es knapp gegen Mitte des Streifens endlich in seiner ganzen Pracht eingefangen wird. Hübsch (wenn leider auch nur sehr kurz) eingefangen werden auch die unglücklichen Opfer des Monsters, und auch die verschiedenen Attacken sind recht passabel, zum Teil sogar etwas actionreich umgesetzt. Woran es Unearthed mangelt, sind eigene Ideen sowie eine bedrohliche, unheimliche Stimmung, wobei auch das Erzähltempo durchaus etwas höher hätte sein können. Unterm Strich bleibt somit ein solides, jedoch arg konventionelles und überraschungsarmes Alien-on-the-Rampage-Flick, das den geneigten Fan für anderthalb Stunden bei Laune hält, ein paar Tage später allerdings auch schon wieder komplett aus dem Gedächtnis entschwunden ist.

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