Horrorkino ohne Ekelreflex – ein inzwischen selten gewordenes Relikt aus alter Zeit, möchte man meinen. Doch die atmosphärischen Spannungsreißer sind seit Eli Roth etwas außer Mode, möchte man meinen – und dann kommt Nimrod Antal, der Ungar, der den schrägen, aber vielbeachteten „Kontroll“ drehte und versucht sich mit „Vacancy“ an einer Art „Hostel“ für Mädchen.
Die gleiche Beklemmung, nur ohne die grellen Splatterdetails.
Inhaltlich sind die Filme sich ein wenig angenähert, da geraten unschuldige Leute in die Fänge perfider Menschenschlächter, wo dort wegen des Kicks gegen Geld gemetzelt wurde, stellen die Macher hier Snuff-Filme her, mit ahnungslosen Motelgästen in einer alten Einrichtung im wäldlichen Nirgendwo.
Im Zentrum steht hier ein kurz vor der Scheidung befindliches Ehepaar, dem nach hilfreichen Einsatz eines Tankwarts der Wagen verreckt und die sich baldigst in höchster Gefahr sehen, ausspioniert von Kameras und verfolgt von messerschwingenden maskierten Gestalten.
Und Antal weiß durchaus, worauf es ankommt, das Dekor ist noch eine Nummer schäbiger als zu seligen Psycho-Zeiten, die übrigens schon im Vorspann (eine kreative Bestnote hier) zitiert werden. Die Finsterlinge sind stumm, die Bedrohung allgegenwärtig, Hilfe ist nicht in Sicht oder wird in die nächste Welt befördert.
Zieht man am Ende jedoch alles zu einem flotten Sümmchen zusammen, bleibt leider kaum Zufriedenheit übrig, allenfalls wenn man nur sporadisch einen Ausflug in Richtung Horror macht (eigentlich ist das hier lediglich ein harter Thriller) und somit nicht vor abgelutschten Klischees mit einem Stöhnen zurückfährt.
Das ist besonders schade, weil der Film mit Luke Wilson und Kate Beckinsale eigentlich sehr brauchbar besetzt ist, jedoch werden ihnen bisweilen dermaßen dämliche Kurzdialoge in den Mund gelegt, das es schon spöttisches Gelächter provozieren kann. Überhaupt ist ihr scheidungsnahes Ehepaar mit Kommunikationsschwierigkeiten nach dem Tod des Kindes aus der hintersten Mottenecke.
Dennoch hat „Motel“ einige sehr schöne „jumps and jolts“, also wirksame Schocks zu bieten, wenn die Killer plötzlich durchs Fenster lugen oder irgendwo hinter jemandem auftauchen. Für Spannungsmomente wäre also gesorgt, die Bedrohlichkeit der Situation ist mehr als ausreichend, doch dann tun sich Logikuntiefen und Klischees auf (leider besonders fade beim Auftauchen des Sheriffs) und vor der rohen Direktheit eines Revanchegefühls schreckt der Film zurück, indem er die meiste Gewalt ausblendet und gleich ins Off verbannt.
Ohne explizite Details (einer der Hauptdarsteller wird sogar beim Showdown extra im Off verprügelt) liegt der Schluß nahe, dass hier so eingängig und so altersfreigabenbewusst wie möglich gearbeitet wurde, das Ergebnis ist nichts Halbes und nichts Ganzes, ein Film mit Potential, der aber keinen Stil entwickeln kann, weil etwa der halbkomisch gezeichnete Motelmanager stets wie eine Humorfigur daherkommt und die Ehedialoge nicht selten den Suspense unterminieren.
Daß sich so ziemlich alle Figuren dabei ein- bis mehrmals grob unlogisch verhalten, um den Status quo zu wahren, und das in aller dramaturgischen Künstlichkeit, ist Schindluder an der möglichen Wirkung eines kribbligen Reißers. Das ist auch nach 1001 Horrorfilmen nicht vollends tolerabel, möglicherweise für die Otto-Normal-Kinogänger, zahlreiche Horrorfans werden „Motel“ jedoch Zahnlosigkeit vorwerfen und den Makel, seine durchaus interessante Grundsituation nicht voll ausgeschöpft zu haben, von dem lachhaften Schlußgag mal abgesehen.
Daß Antal aber Potential hat – das ist nicht zu übersehen. (4,5/10)