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"Motel" ist ein US-Horrorfilm aus dem Jahre 2007 und das Regiedebut von Nimrod Antal. Nach "Acht Millimeter" wird ein zweites Mal in einer Hollywood-Produktion die Thematik Snuff-Filme aufgegriffen. Im Gegensatz zu Joel Schumachers Thriller von 1999 taucht Antals Werk nicht in die weit verzweigte Organisation von Snuff-Filmern ein. Die Handlung von "Motel" konzentriert sich im wesentlichen auf ein Ehepaar, das von den Betreibern der Absteige dazu auserkoren wird, als unfreiwillige Darsteller in einem ihrer Filme zu fungieren.

Drehbuchautor Mark L. Smith, der auch das Skript zum Prequel "Motel 2 - The First Cut" verfasst hatte, schickt ein in Scheidung lebendes Ehepaar, das den Tod ihres Sohnes zu verkraften hat, direkt in diese Hölle.

Mit Kate Beckinsale und Luke Wilson spielen zwei erfrischend unverbrauchte Gesichter die Hauptrollen. Die potentiellen Opfer der mörderischen Motel-Betreiber sind mit ihren Ecken und Kanten zwei wunderbare Identifikationsmöglichkeiten für das Publikum und entsprechen nicht den klischeehaften Opferrollen unzüchtiger Teenager, wie der Zuschauer sie aus Filmen wie "The Texas Chainsaw Massacre" oder "Wrong Turn" kennt.
Im Angesicht des Todes versuchen sie die Nerven zu bewahren, überlegen sorgfältig ihre nächsten Schritte und vermeiden unnötige, unglaubwürdige Handlungen. Sie versuchen ihre kaltblütigen Verfolger mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, in dem sie sich beispielsweise aus den Snuffvideos Hinweise erhoffen, mit denen sie sich ihrer Haut erwehren können.
Der Kampf um ihr Leben schweisst das anfangs so stark zerstrittene Paar wieder zusammen, was dem nervenaufreibenden Thriller zwar ein süßliches Happy End verschafft, das aber bis zur letzten Filmminute nicht offensichtlich erscheint und angesichts der hochspannenden Handlung zu verzeihen ist.

Der Film verzichtet weitestgehend auf blutige Details, auch wenn dem Zuschauer einige Einblicke in die Snuffvideos nicht erspart bleiben. Regisseur Antal vermeidet allerdings vordergründige Effekte und läßt das brutale Geschehen in den Köpfen der Zuschauer abspielen.

Ein Großteil seiner Spannung und unheimlichen Atmosphäre bezieht der Film durch einen von Anfang an sehr harten und unheimlichen Score, sowie durch eine einfache Geräuschkulisse, die effizient eingesetzt für eine ungeheure Schockwirkung sorgt:
wenn bei atemloser Stille plötzlich pausenlos jemand an die Wände oder Türen des Motelzimmers schlägt und hämmert sind nicht nur die Nerven der Darsteller, sondern garantiert auch die der Zuschauer strapaziert.

Einen zusätzlichen Reiz und Spannungsbogen erreicht "Motel" vor allem auch dadurch, dass sich die Jagd zwischen Tätern und Opfern unter anderem auch in einem Tunnelsysthem unterhalb des Motels abspielt, was für eine klaustrophobische Atmosphäre sorgt und Zuschauern, die keine Ratten mögen, einen weiteren Ekelfaktor beschert.

Unterm Strich ist Antals Regiedebüt ein superber Schocker, der von Anfang an die Nerven des Publikums kitzelt. Die Laufzeit ist mit 82 Minuten sehr kurz gehalten, eine etwas längere Einführung der Hauptcharaktere bietet dem Zuschauer genug Potential, um sich mit den Protagonisten zu identifizieren und mit ihnen zu zittern. Die Spannungsschraube wird von Minute zu Minute durch einfachste Mittel immer weiter angezogen, so dass "Motel" auch aufgrund seiner unverwechselbaren, gegen gängige Klischees anspielende Protagonisten zu den innovativsten Thrillern der letzten Zeit gezählt werden darf, der sich wohltuend von bluttriefenden Splatterorgien abhebt.

8,5 von 10 Punkte!

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