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Disney ist wieder da. Nachdem der Konzern ja lange Zeit etwas in der Erfolglosigkeit dümpelte, schlug er mit "Chicken Little", im letzten Jahr, doch mit recht ansprechenden Einspielzahlen wieder zurück. Auch wenn die Kritiken nicht all zu viel mit dem eigentlich recht niedlichen Hühnerfilm anfangen konnte, so kam doch ein recht hübsches Sümmchen an der Einspielkasse zusammen. Und nachdem er mit "Tierisch wild" erst einmal einen ebenso akzeptablen, wenn auch leider eher wieder gefloppten, Madagascar-Verschnitt ablieferte, der allerdings nur vom Disney-Konzern vertrieben wurde, gibt es jetzt endlich den nächsten Film der "Disney-Meisterwerk"-Reihe zu bestaunen und zwar "Triff die Robinsons". Nun gut, als wirkliche Meisterwerke kann man die neusten Disney-Filme ja schon lange nicht mehr bezeichnen, aber gute Unterhaltung ist auch hier wieder garantiert.

Diesesmal wagt sich Disney mit seinem Film auf das, für Kinderfilme, eher schwierige Territorium der Zeitreisefilme. Es geht um den kleinen Lewis, der schon seit seiner Geburt in einem Waisenhaus lebt. In seiner Freizeit erfindet er gerne die verrücktesten Sachen, doch leider gehen die meisten seiner Erfindungen schief. Bis er eines Tages auf Wilbur trifft, der ihn mit auf eine Reise in die Zukunft nimmt. Denn ein namenloser "böser Mann mit Melone" ist ihm auf den Fersen, der Lewis das Leben, aus unerfindlichen Gründen, zur Hölle machen möchte. Doch nicht nur er stellt eine Herausforderung für den kleinen Erfinder dar, auch Wilburs Familie, die Robinsons, sind mehr als schwierig zu bewältigen. Aber am Ende wird natürlich alles gut, denn hey, wir haben es hier schließlich mit einem Disneyfilm zu tun und da gibt es natürlich keine wirklichen Bösewichter und auf alle Fälle ein gelungenes Happy-End. Aber auch sonst sind wieder ziemlich viele der liebgewonnen Werte eines Disneyfilms vorhanden. Es gibt sympathische Charaktere, eine immens fantasievolle Geschichte, viele kleine und große Ideen, sowie Spaß und Unterhaltung pur. Kleinere Logikpatzer verzeiht man dem Treiben dabei natürlich gerne, zumal die Kleinen sowieso nicht wirklich darauf aufpassen. Eben ein Disneygeschichte, wie man sie nur gern haben kann.

Allerdings ist der Streifen unterm Strich eher für größere Kiddies geeignet, denn die lieben Kleinen werden mit der Zeitreisegeschichte doch hier und da ihre Probleme haben. Recht ausgefeilt geht es nämlich zur Sache, wenn das Publikum z. Bsp. die Hauptfigur in drei unterschiedlichen Zeitebenen kennenlernt und sich im Laufe des Films die unterschiedlichen "Versionen" von Lewis sogar ab und an einmal begegnen. Es werden Dinge in der Vergangenheit geändert, die die Zukunft beeinflussen, es werden allerlei Verbindungen zwischen Zukunft und Gegenwart aufgebaut und so weiter und so fort. Wo sich die etwas Größeren doch nahezu durchgehend unterhalten fühlen, muss zumindest den ganz Kleinen doch hier und da einiges erklärt werden, weshalb es empfehlenswert ist, wenn das Kind wenigstens schon 8 Jahre oder älter ist.

Den Spaß, welcher der Streifen versprüht, kommt dagegen bei allen Generationen an, wenn auch an unterschiedlichen Stellen. Für die Kleinen dürfte der hauptsächliche Spaß natürlich vor allem in den Chaos-Szenen zu finden sein, die der Streifen hier und da einmal auffährt und es durchaus auch mit dem Hang zur Übertreibung nicht ganz ernst nimmt. Da wird z. Bsp. mal ein ganzes Klassenzimmer zerstört, in der Zukunft wird man durch das irre Haus eines Erfinders geschleift und der Bösewicht bekommt logischerweise immer wieder mal etwas auf den Deckel, was die Kleinen natürlich in Hochform bringt. Die etwas Größeren lachen dann schon eher über ein paar swingende Frösche, welche sogar ihre ganz eigene Bar besitzen, über einige Insider-Gags und Anspielungen auf die Film und Fernsehwelt und natürlich vor allem über die Blüten, welche die Zeitreisen und Zeitveränderungen so mit sich bringen. Wer bei Disney sich schon immer ein wenig zu naiv behandelt gefühlt hat, der kann hier dran sicher durchaus seine Freude haben, auch wenn natürlich im Endeffekt dennoch alles gut und Familiengerecht ausgeht. Eine wirkliche Vorhersehbarkeit ist zudem nur selten vorhanden. Zum Ende des Films fährt der Streifen dann doch ein paar Wendungen auf, bei denen man aber höchstens eine wirklich vorher hätte erkennen können. Alle anderen geben dann selbst bei den Älteren einen wunderbaren Aha-Effekt ab, was dem ganzen Treiben natürlich noch zusätzlich positiv entgegen kommt.

Und auch die Animationen sind wieder einmal aller erster Güte, vor allem wenn man das Glück hat, den Film in einer 3D-Projektion erleben zu dürfen. Von Anfang bis Ende fährt Disney hier Animationen auf, die einem durchaus ab und an die Kinnlade herunterklappen lassen. Detailverliebt, knallbunt und in jeder Hinsicht sauber und rund, macht das Filmerlebnis schon alleine dadurch eine immense Freude. Und wenn in 3D einem dann die Figuren hier und da sogar entgegenspringen, bei weiten Aufnahmen eine ungemeine Tiefenwirkung eintritt und Gegenstände die in Kamera fliegen zum Greifen nah wirken, dann spürt man doch deutlich, dass die Macher eigentlich alles richtig gemacht haben, zumal die Animationen dabei auch sehr liebevoll und mit spürbar viel Innovation in Szene gesetzt worden. So machen Animationsfilme, selbst im überlaufenen Genre, noch Spaß, zumal sie mit der Musik von Danny Elfmann auch kongenial unterlegt wurden.

Einzig und allein das Fehlen des alten Disneycharmes dürfte auch hier wieder ein wenig für Enttäuschung sorgen, zumindest wenn man ein Fan der alten großen Disneymeisterwerke ist, die ihren Namen noch zu recht trugen. Spürbar stark geht Disney hier doch mit der Zeit mit und kann die alten Charme-Werte eines "Bambis", "Peter Pan" oder auch "König der Löwen" nicht mehr erreichen. Es geht hektisch zur Sache und eine wirkliche Liebe kann zu dem Gezeigten, trotz des eigentlich wirklich unterhaltsamen Treiben, sowie den durchaus gelungenen Figuren, einfach nicht mehr aufkommen. Woran das genau liegen mag, ist dabei schwer zu ergründen, doch wer einmal "Bambi" neben die Robinsons stellt, der wird ganz schnell den ungekrönten Sieger in Sachen Qualität herausfinden. Da dieser alte, unerklärbare, Disney-Charme aber beim heutigen Publikum eh kaum noch eine Chance hätte, kann man das den Machern eigentlich nicht wirklich ankreiden. Denn "positiv modern" ist das Gezeigte allemal.

Als letzter Punkt müssen natürlich noch die Sprecher erwähnt werden die, Disney-typisch, wieder durchgehend wunderbare Arbeit abliefern. Im Deutschen wären das z. Bsp. Lasse Crohn, Eva Padberg, Ralf Möller (!) oder auch Thomas Gottschalk (!!), die aber wirklich allesamt eine mehr als zufriedenstellende Arbeit verrichten. Verfechter des Originals können sich derweil über Angela Bassett, Daniel Hansen, oder auch Tom Selleck freuen, die sicher ebenfalls überzeugen können. Und so muss das schließlich auch sein!

Fazit: "Triff die Robinsons" geht den modernen Weg, welchen Disney nun schon seit einiger Zeit läuft, konsequent weiter und bietet wieder ein kunterbuntes, unterhaltsames und dieses mal stellenweise gar nicht einmal so naives Filmabenteuer, das die ganze Familie erfreuen dürfte. Die Geschichte ist clever und mit einigen geschickten Wendungen konstruiert worden, die Figuren sympathisch, die Animationen absolut auf der Höhe der Zeit und der Spaß wirklich allgegenwärtig vorhanden, egal wie alt man nun auch immer sein mag. Eingefleischte Disneyfans werden zwar auch dieses mal wieder den Charme der früheren Disneyfilme vermissen, aber abgesehen davon, darf sich jeder Freund von guten Animationsfilmen wieder eingeladen fühlen, ein Ticket an der Kinokasse zu lösen. Vor allem wenn eine 3D-Version am Start sein sollte.

Wertung: 7/10 Punkte

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