kurz angerissen*
Bieder gefilmter Familiengruselfilm für das amerikanische Fernsehen, und bei weitem nicht die erste TV-Adaption der Oscar-Wilde-Geschichte nach der Ur-Verfilmung aus den 40ern. Patrick Stewart ist ihr größter Coup, ein angesehener Charakterdarsteller, der sich in seinen theatralisch arrangierten und offensichtlich als Besonderheit zelebrierten Auftritten wie ein Bühnenkünstler fühlen darf, dabei ein ums andere Mal allerdings in mimische Fettnäpfchen tritt, wobei er aber keine Ausnahme bildet.
Neve Campbell als sein Co-Star indes ist noch das pausbäckige, rehäugige süße Mädchen, im Jahr ihres definitiven Durchbruchs mit „Der Hexenclub“ und vor allem „Scream“. Ihre leicht unbeholfene Darstellung zwischen aufmüpfiger Tochter und von rosaroter Brille benebeltem Naivchen verhindert allerdings ihre durchaus als besonders zu bezeichnende Ausstrahlung nicht, die künftigen Ruhm versprach.
Die Geschichte entwaffnet in ihrer umwälzenden Schlichtheit und ist selbstredend als romantisches Wintermärchen für den Heiligabend zu verstehen. Sie zehrt in einigen Szenen ein wenig von Oscar Wildes Poesie, in anderen trampelt sie hingegen regelmäßig in Stupiditäten, insbesondere, was die Liebesgeschichte zwischen Campbell und Daniel Betts angeht, der ein moralisches Musterbeispiel von einem (jungen) Mann spielt; aber auch, was die seltsame, zerrüttete Beziehung zu ihrem Vater (Edward Wiley) angeht.
Effekttechnisch sind des TV-Formats wegen keine Wundertaten zu erwarten; die Geistererscheinung wirkt nur allzu physisch und wird lediglich durch Bildüberblendungen ein wenig ektoplasmisch, davon abgesehen gibt es lediglich einige wenige Trickvorrichtungen und ein, zwei einsame Kameraperspektiven, die etwas ungewöhnlicher angelegt sind – ansonsten wird das grundsätzlich hübsche Schloss als Schauplatz viel zu wenig genutzt.
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