Die Geschichten, Rollen und Dialoge dieser Fernsehserie sind papierdünn, naiv, platt und klischeehaft. Diese Fernsehserie war innovativ und Vorbild für Epigonen wie z. B „Spedition Marcus“ und. „Auf Achse“. Diese Fernsehserie langweilt zu Tode und ist faszinierend. Ja wie denn nun?
„Die Fernfahrer“ besteht aus drei Staffeln zu jeweils vier Folgen, ausgestrahlt 1963, 1964 und, nach einer längeren Pause, 1967. Da das durchkonstruierte Programmschema des Fernsehens mit seinem 15-30-45-90-Minuten-Raster damals noch nicht existierte, waren die Folgen jeweils so lange, wie es die Geschichte erforderte, nämlich zwischen 30 und 62 Minuten. Produziert vom Süddeutschen Rundfunk, wurden die Folgen im Sonntagnachmittagsprogramm gesendet, die ersten beiden Staffeln im Wochenabstand, bei der dritten im Herbst 1967 mußten sich die Zuschauer jeweils 14 Tage gedulden. Rudolf Krieg spielte den Inhaber des Zweimannunternehmens „Spedition Hausmann“, Pit Krüger seinen Beifahrer Philip, und Gernot Duda Hausmanns Konkurrenten und Intimfeind Kerrer. Regie führte der legendäre Theo Mezger, der später unter anderem auch „Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffs Orion“ inszenierte.
Die Serie startet mit dem ersten Auftrag für die frisch gegründete Hausmannsche Spedition im gerade gekauften und restaurierten Gebraucht-LKW, einem 1963 schon veralteten Büssing 8000 Pritschen-Hängerzug, und endet mit dem Kauf des gegen alle Widrigkeiten angeschafften fabrikneuen Magirus 235D Pritschen-Sattelzug.
Die Plots der 12 Folgen handeln jeweils von einem Transportauftrag, der schiefzugehen droht, mal wegen technischer Unzulänglichkeiten, mal wegen krimineller Aktivitäten der Auftraggeber. Die Geschichten sind simpelst gestrickt, die Action sonntagnachmittags- und damit familienkompatibel, die Charaktere schlicht (Krieg/Hausmann der sturköpfige, wortkarg-brummige Chef, Krüger/Philip der lebenslustig-leichtlebige und grenzenlos naiv-kindische Untergebene, Duda/Kerrer der böse, aber im Grunde doch hilfsbereite Gegenspieler). Vergleicht man das mit heutigen Vorabendserien, hat sich in den vergangenen 50 Jahren nicht viel getan, nur soviel: die meisten Bösen sind heute wirklich böse.
Kurioserweise ist das, was damals vermutlich kaum einen Hund hinter dem Ofen hervorlockte, auch genau das, was die Serie heute so interessant macht: die heimlichen Hauptdarsteller, die Straßenfahrzeuge der frühen 60er Jahre. Heimlich sind die LKWs und PKWs aus „Die Fernfahrer“ nur insofern, als daß sie nicht auf der Besetzungsliste stehen, rein filmisch bilden sie jedoch häufig den Mittelpunkt und werden ungewöhnlich prominent und kameratechnisch gekonnt in Szene gesetzt. Dazu kommt, daß ein großer Teil der Szenen auf Stadtstraßen, Landstraßen und Autobahnen mitsamt dem dazugehörigen Originalverkehr gedreht wurde, was dazu führt, daß im Verlauf der zwölf Folgen einer großer Teil der damaligen Autoproduktion ins Bild geriet – ein Leckerbissen für Oldtimer-Fans. Natürlich hat die Serie ihren Anteil von im Studio enstandenen Innenaufnahmen, und viele der Szenen, die Krieg und Krüger während der Fahrt in der LKW-Kabine zeigen, sind mit Rückprojektion gedreht, aber die Menge an Außenaufnahmen dürfte für eine Fernsehproduktion dieser Zeit extrem aufwendig, ja geradezu innovativ gewesen sein.
Für Oldtimer-Freunde ist „Die Fernfahrer“ Kult. Wenn man Trash als Qualität akzeptiert und die gelungene Titelmusik von Dave Hildinger noch hinzunimmt, ist diese Serie auch für die restlichen Zuschauer durchaus einen nostalgieverklärten Blick wert.
Ingesamt 6 von 10 Punkten.