Nach "Pearl Harbour" wieder mal eine Kriegsschnulze die keiner braucht. Regisseur John Madden konnte an seinen Erfolg von "Shakespeare in Love" nicht anknüpfen und lieferte mit "Corellis Mandoline" eine so unromantische, glatte, unreflektierende und oberflächliche Liebesgeschichte in Zeiten des Krieges ab, dass man den Film am Liebsten hassen will. Wären da nicht die schönen Bilder.
Zur Story: Griechenland 1940: Im Krieg belagern italienische Truppen das Land am Mittelmeer. Nach anfänglicher Abneigung entwickelt sich zwischen der einheimischen Artzttochter Pelagia (Penelope Cruz) und Capitano Corelli (Nicolas Cage) eine zarte Romanze. Doch als die Italiener nach der Kapitulation Mussolinis von den Deutschen abgelöst werden sollen, wird die Liebe auf die Probe gestellt und scheint aussichtslos...
Meine Fresse ist der Film lang! So etwas substanzloses habe ich schon lange nicht mehr aus Hollywood kommen sehen. In den knapp 2 Stunden Filmlaufzeit gibts erst einmal etwa eine Stunde bloße Pseudo-Charakterzeichnung der Protagonisten Cage (musikbegeisterter Lebemann) und Cruz (biestig und [national]stolz), bevor aus diesen Belanglosigkeiten (relativ kurz) mal so etwas wie Romantik entsteht. Diese ist aber nach wenigen Filmminuten wieder vorbei, da die Pflicht ruft und Frau Cruz darf dann Herrn Cage wieder nachtrauern (ein paar Jahre lang). Obwohl die zweifellos pittoreske Bebilderung des Films die Langeweile verkürzt, kann der Film ebenso wenig über die historische Beliebigkeit hinwegtäuschen. Geschichte und der Hintergrund des Krieges sind eh egal, drehte man ja schließlich eine vor sich hinplätschernde, überlange Love-Story mit Hindernissen. Der Krieg bleibt nur ein Vorwand für etwas Dramatik, die dann nach 1,5 Stunden Müßiggang auflebt. Dann gibts auch ein paar Schüsse und ein paar Tote - nur wirkt diese Szenarie irgendwie alibihaft. Allzu sehr wird die Motivation der Italiener verharmlost. Der Krieg scheint für die musizierenden Verdi-Verehrer einzig ein Traumurlaub mit ein paar militärischen Pflichten.
Die Charaktermimen Christian Bale ("Batman Begins") als Partisanenführer und verschmähter Geliebter Mandras sowie John Hurt ("Alien") als gestrenger Arzt-Vater bleiben leider in ihren Nebenrollen recht blass. Etwas mehr Screentime von ihnen hätte dem Film sicherlich etwas von seiner Behäbigkeit genommen.
Aber wie gesagt: Immerhin sind die Bilder toll.
Fazit: Durchschnitt. Ausgefeilte Charakterzeichnung, historische Exaktheit und geschweige denn ein Faible für zu Herzen gehende Romantik sind für den Film Fremdwörter. Noch von hoher Klasse, noch richtig mies plätschert "Corellis Mandoline" etwa 2 Stunden nur vor sich hin. Da zumindest Musik und Bebilderung toll sind zumindest zum wohligen Einschlafen zu gebrauchen - ließe man das letzte Viertel weg.