Harte Zeiten erfordern hartes Durchgreifen. Nachdem die Basisgruppen des girls with guns Genres schon Mitte der Neunziger wahlweise und je mangels Alternativen in die Philippinen, das Fernsehen oder gleich in den Ruhestand abgewandert sind, versuchte man kurz vor dem Millennium zeitweise neue Kandidaten für den mittlerweile weitgehend brachliegenden Bereich aufzubauen. Dabei griff man in überhasteter Eile nicht etwa auf Kandidaten aus einem nachvollziehbaren Umfeld, wie angehende Martial Arts Künstlerinnen oder sonstwie mit ihrer Physis aufgefallenen Damen zurück, sondern auf den Pool der Models oder der ehemaligen CAT III Darstellerinnen, die nach dem Abflauen auch dieser Sorte von Film wenn schon nicht erfolgsträchtige Gegenentwürfe für die Zukunft, so doch zumindest Arbeitsergänzungsmaßnahmen suchten. Während sich Personen wie Shu Qi, Maggie Q oder auch vorübergehend Almen Wong in wenigstens ansprechend propagierten, proklamierten und auch produzierten Werken unter Aufsicht erfahrenerer Handwerker erproben und je nach Standpunkt auch bewähren durften, hatten weniger glückliche Figuren wie Lily Chung oder Yvonne Yung Hung das Leid, sich von vornherein in einem aussichtslosen Entweder - Oder - Ermessen und damit in einer Qual ohne Wahl zu befinden.
Yung hatte trotz der Hauptbeschäftigung in "period sex capers as well as some contemporary tales of lust" immerhin die Kenntnis der Teilnahme als Nebenpart in größeren und kleineren Actionfilmen bzw. dessen näher liegenden Umfeld besessen, und bringt in Roller Blade Killer, einem obskuren Taiwanfabrikat, wenigstens den Mindestanteil an Bereitschaft auch mit Kleidern bedeckter Körperertüchtigung mit. Ihre Rolle einer tough aussehenden und ebenso durchgreifenden Polizistin kann sie anders als ihre einstmals gefeierten und gerade auch im europäischen Ausland bis heute heißblütig aufgenommenen Kolleginnen wie das Avenging Quartett um Cynthia Khan, Yukari Oshima, Moon Lee und Michiko Nishiwaki sicherlich nicht zur vollen Überzeugung herüberbringen, versucht dies aber mit einer Portion unschuldigem Charme wieder auszugleichen. Auch der Film selber besitzt zu viele Manko und besonders inhaltliche Fragen und Lücken, als dass er theoretisch nicht mehr als ein Bruchstück Dilettantismus in unwertiger Pfuscharbeit abschneiden würde; wenn dort nicht auch selber das Bemühen um die entscheidende Dosis Andersartigkeit und die innere Ehrenerklärung zur experimentierenden Zufriedenstellung spürbar hervor scheinen täte. Und das in einer Bewegung, die sonst zu unerbittlicher Spezialisierung strebt. Eine kreative Unordnung, die nicht ermüdet oder nur mechanisch trottet:
Inspector Ma und seine Partnerin Officer Jean Shieh [ Yvonne Yung Hung ] sind hinter dem Gauner Shaun [ William Ho ] und damit auch indirekt hinter seinem sich nach außen hin offiziell gebenden Vorgesetzten Taka [ Deric Wan ] her. Was sie nicht wissen, ist, dass die Kriminellen kurz bevor dem Abschluss wichtiger Waffendeals selber ganz eigene Probleme haben, bekommen sie doch von ihrem ehemaligen Auftragskiller Charles [ Billy Chow ] in schnöder Regelmäßigkeit die Transaktionen und andere Geschäftsvorgänge gestört. Als der blutjunge Barkeeper und Inline Skater Cha - leh zufällig eine der verbrecherischen Unternehmungen mitbekommt, wird er mehr aktiv als passiv in das frevelhafte Gebräu miteinbezogen.
Action auf Rollschuhen bzw. hier schon dem advanced model der Hardbootskates hat in HK eine kleine, aber feine Zusammenstellung einzelner Vorbilder, bestehend aus The Coolie Killer, Winners and Sinners und einer Kung Fu - Einlage in Nocturnal Demon. Hierbei wird die bisher gegebene Elastizität aus Ausnahmen und Einzelfällen zu einer neuen Schablone vermischt, in der wiederum eine Verfolgungsjagd gegen ein Auto, etwas Gerangel mit Martial Arts Ambitionen und das schnelle Ablenken und Ausweichen schussbereiter Schergen anstehen. Gerade im Showdown werden die Künste der Roller Blade Killer abgefragt; ganz stilecht innerhalb eines abseits gelegenen, von Schlammpackungen besudelten Warenhauses – , dass selbst die Bösen in der Geschichte als "it's really messy out here" bezeichnen – , welches sichtlich aus leeren Kartons vorher eifrig in die Kamera gehaltener Corona Extra Bier Lieferungen besteht und kurz vor dem Abspann auch mit einer einzigen Bazooka vom Erdboden getilgt wird. Weiteres Geplänkel birgt ein Brandinferno in einer scheinbaren 5m² Schiffswerft sowie eine einleitende Massenkarambolage plus ein mittiges Kugelgefecht im Parkhaus; die Choreographie dessen mag sicherlich nicht perfekt, sondern eher recht unsauber sein, engagiert sich aber mit einem deutlich beschleunigten Zeitablauf in schroff-rhythmischer Montage.
Zusätzlich auffallend in der Bearbeitung eigentlich schon schlüssiger Konstruktionen und ihrer Kollision in der Charakteristik ist die merkwürdige, aber ganz und gar nicht flüchtige Vereinfachung des Skriptes, einschließlich vor allem auch eine vorherrschende Unbefangenheit in Bezug auf Unplausibilitäten und dem Scheitern bzw. Niemals Vorhandensein einer dramaturgischen Ergänzungs – Verfeinerungs - Taktik. Dass in den Jahren chronischen Geldmangels eben nicht mit reinster Entschiedenheit und unvergleichlicher Leidenschaft die Gebäude in die Luft gesprengt und drumherum die logisch abgesicherte Mär von Cop, Killer und Entrepreneur als innere Formung justiert wird, sondern sich den gegebenen negativen Bedingungen stellen muss, ist die eine Sache. Dass man sich keinen Deut um eine wenigstens annähernde Nachvollziehbarkeit schert und stattdessen narrative Pirouetten im Einklang mit aus der Reihe tollenden Sprungtänzen aufführt, die Andere. Gerade dann, wenn man auch den Emotionen die gar nicht mal so nötige Aufmerksamkeit schenken und die Rollen abseits ihrer Standardfunktion mit Monolog, Dialog und Herzensregung zu Leben erwecken oder das emotionale Füllmaterial strecken möchte, sollte man ein wenig darauf achten, was man und wie man es erzählt und ob dies im Ansatz denn einsichtig und vertrauenswürdig oder doch nur fragwürdig fadenscheinig sei.
So schließen Killer und der Jugendliche Tagelöhner mit Sportcrack - Ambitionen in nur einer Szene derart schnell tiefste Freundschaft, nach einem beobachteten kiling spree samt Verbrennen auf offener Straße wohlgemerkt, dass dies allerhöchstens mit einer faulen Storyausrede zu erklären sei. Gleichfalls haltlos ist der Versuch des bad guys, seine Verbrechen doch ernsthaft mit Krebs im fortgeschrittenen Stadium und damit einhergehendem Gedächtnisschwund rechtfertigen zu wollen. In der Tat sind die beiden Geschichten, einmal um den Aggressive Inline Skater und seiner an den verhassten Wettkampfkonkurrenten vergebene Vielleicht - Flamme Terri sowie die Cops VS Robbers Episode, derartig nichtig und asynchron aneinandergekoppelt, dass man schon ein möglichst phantastisches Alibi braucht, diesen völlig unabhängigen Parallelismus im Finale auch miteinander zu verbinden. Wie ein Gemenge aus Rollerball und Xanadu, in der ein paar kleinere Hehler ihren Worten nach gleich die gesamte Weltherrschaft anstreben.
Das ist mal lächerlich, mal peinlich, mal auf sympathisch verzeihbare Art naiv; in der Tat bekommt man letztlich zwei völlig verschiedene Gedankengänge mit trotz der Betonung dieser Widersprüche aber den gleichen sich darauf beziehenden Lehren geboten. Wird doch beides Mal das etwaige Interesse unsinnigster Kombinationen darauf gelenkt, dass das männliche Geschlecht sich ewig lange und manchmal auch bis in den Tod hinaus aufopfern muss, um überhaupt eine Anerkennung beim speziellen Objekt der Begierde hervorzurufen. Eine Lebensphilosophie der fundamentalen Gesinnung, die man wohl Liebe nennt.