Ein Jäger, gespielt von Josh Brolin, findet in Texas zufällig den Ort eines missglückten Drogendeals und findet neben zahlreichen Leichen einen Koffer mit zwei Millionen Dollar. Als er diesen mitnimmt, hat er bald einen psychopathischen Killer, gespielt von Javier Bardem, und einen ehemaligen Special-Forces-Agenten, gespielt von Woody Harrelson, im Nacken, bekommt dann aber die Hilfe eines, in die Jahre gekommenen Sheriffs, gespielt von Tommy Lee Jones, angeboten.
Während mir ihre skurrilen und kultigen Komödien wie "The Big Lebowski" oder " Burn after Reading" sehr gefallen haben, habe ich an den Thrillern der Coen-Brüder nie Gefallen finden können und kann den Kultstatus von "Blood Simple" und "Fargo" beim besten Willen nicht nachvollziehen, genauso wenig, wie die Entscheidung der Academy, die den Film mit vier Oscars einschließlich denen für den besten Film und für die beste Regie prämierte, zumal "There will be Blood", "Michael Clayton" und "Abbitte" in meinen Augen wesentlich besser waren.
Zunächst einmal zu den unübersehbaren Schwächen des Films: Das Ende ist einfach nur grottenschlecht. Der Film endet überraschend, plötzlich und abrupt, so werden sich viele Zuschauer des Films gefragt haben, ob da nun etwas geschnitten wurde, bzw. die DVD beschädigt ist, wenn der Abspann plötzlich und total aus dem Zusammenhang gerissen auf dem Bildschirm erscheint, obwohl der Film eigentlich noch im vollen Gange war. Die Fans der Coens werden auch darin eine Absicht und einen Erguss der Genialität der Brüder sehen, dramaturgisch ungeschickt und vollkommen unbefriedigend ist es dennoch und so hinterlässt das vermeintliche Meisterwerk einen ziemlich bitteren Nachgeschmack.
Neben dem unbefriedigenden Ende weiß aber auch der Anfang des Films nicht wirklich zu überzeugen. Nach einem Monolog eines Sheriffs wird man schließlich, ohne irgendwelche Zusammenhänge zu kennen in den Film geworfen und findet sich zunächst kaum zu Recht. Es dauert rund eine halbe Stunde, bis die Handlung schließlich absehbar und überschaubar ist und bis dahin ist "No Country for Old Men" schlicht und einfach langweilig. Dann wären da noch die Dialoge, die manche als philosophisch wertvoll, vielschichtig, bzw. amüsant und kultig ansehen dürften. Mal ganz davon abgesehen, dass eben diese Dialoge offensichtlich von Quentin Tarantino inspiriert bzw. komplett übernommen wurden, nerven sie und bremsen den Film aus, so können auch Javier Bardems wunderliche Bemerkungen und seine sinnfreien Kommentare kaum zünden und bremsen den Film weiter aus.
Allerdings machen die Coen-Brüder in meinen Augen auch einiges richtig und so unterhält "No Country for Old Men" im Mittelteil durchaus und kann stellenweise mit einer gespannten Atmosphäre und einem soliden Spannungsbogen überzeugen. Die Kulisse von Texas, mit seinen weiten Einöden ist hervorragend in Szene gesetzt und mit den Verfolgungsjagden und Schießereien, die sich in eben diesen Einöden abspielen entsteht gleich eine fühlbare Spannung, die die ganze Zeit über in der Luft liegt. Die Action-Szenen, so unkonventionell sie auch sein mögen, sind eigentlich nicht mehr als solider Hollywood-Schnitt. Dafür unterstreicht die hohe Brutalitäten bei den Hetzjagden und den Schießereien wenigstens die gespannte Atmosphäre und zeichnet das Bild eines gesetzlosen Texas, in dem niemand seines Lebens sicher ist.
Neben dieser optischen Spannung, die durch die starken Darsteller noch erhöht wird, überzeugt der Film handwerklich aber auch ansonsten voll und ganz. Die Filmmusik erzeugt weitere Spannung, mit einigen Ton-Effekten platzieren die Coens geschickt ihre Überraschungsmomente und auch der Schnitt ist nicht schlecht gewählt. Schade nur, dass dieser gelungene, teilweise spannende und dramaturgisch sehr geschickte Mittelteil nicht auf das erhoffte Finale hinausläuft und wie erwähnt sehr abrupt endet. So bleibt unterm Strich ein unterhaltsamer Thriller und nach "Ein (un)möglicher Härtefall und "Ladykillers" die beste Arbeit der beiden seit längerer Zeit und auch ihr Drehbuch kann sich mit einer ordentlichen Charakterkonstruktion und einer, über weite Strecken unvorhersehbaren Handlung durchaus sehen lassen.
Wenigstens darstellerisch erreicht "No Country for Old Men" die Perfektion. Javier Bardem hat sich für die furchteinflössende, fast apathische und unberechenbare Darstellung des psychopathischen Killers seinen Oscar redlich verdient und beeindruckt mit der besten Leistung seiner Karriere, mit der er den blanken Hass des Zuschauers perfekt auf sich zieht. Tommy Lee Jones ist als alternder Sheriff perfekt besetzt, man kann sich wirklich niemand anderen in dieser Rolle vorstellen und mit seinem typisch kauzigen und intensiven Spiel weiß er auch hier voll zu überzeugen. Nachdem der Oscar-Preisträger schon seit Längerem keine wirklich gute Produktion mehr ins Kino gebracht hatte, meldet er sich 2008 also mit "No Country for Old Men" und seiner, vielleicht noch besseren Darstellung in "Im Tal von Elah" zurück in Hollywoods vorderer Darsteller-Rige. Josh Brolin brilliert als Gejagter und zieht dabei die Sympathie des Zuschauers perfekt auf sich und passt mit seiner nach außen eher ruhigen und nach innen brodelnden Art hervorragend in seine Rolle. Auch der übrige Cast, dem unter Anderem Woody Harrelson angehört, ist sehr gut besetzt.
Fazit:
Wegen des zerfahrenen und zähen Anfangs und wegen des abrupten und unbefriedigenden Endes überzeugt bei "No Country for Old Men" leider nur der Mittelteil mit der makellosen Inszenierung der Coen-Brüder, einer gespannten Atmosphäre, einem überragenden Cast und der perfekten Optik. Da der Film darüber hinaus noch von den pseudo-philosophischen und vollkommen sinnfreien Dialogen ausgebremst wird, sehe ich in ihm nicht mehr als einen mittelmäßigen Thriller und möchte mich den allgemeinen Lobeshymnen nur ungern anschließen.
58%