Review

Das ist er also, der beste britische Film seit Ewigkeiten? Wenn mit so einem Attribut geworben wird, dann darf man sich auch nicht wundern, wenn Vergleiche mit den beiden Größen David Lean und Anthony Minghella gezogen werden. Ersterer mag unfair sein, doch letzterer ist zumindest noch zeitlich gesehen mehr als nur greifbar.
Um den unnötigen und vom Verleih unsinnigerweise forcierten sinnlosen Vergleich abzukürzen: Abbitte ist kein Vergleich zu solchen Meisterwerken wie denen von Lean oder dem Englischen Patienten.
Und das will er zu keinster Zeit jemals auch nur annähernd sein.
Alles was Abbitte ist, ist die Vision eines Regisseurs, wie er einen Bestseller verfilmt. Nicht mehr und nicht weniger.

Die Story, ohne zuviel zu verraten:
Ein Mädchen pubertierenden Alters himmelt einen jungen Mann, der seinerseits im Begfriff ist, mit der älteren Schwester dieses Mädchens anzubandeln. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände, Mißverständnissen und unerfüllten Sehnsüchten gepaart mit nicht zuordenbaren sexuellen Gelüsten und Frustrationen, bezichtigt das Mädchen ihren Schwarm eines Verbrechens, welches jener wohl nicht begangen hat.
Dies verändert die Lebenslinien dieser drei Protagonisten aufs Nachhaltigste - wohl negativ.
Hierfür bedarf es einer Abbitte.

Die Inszenierung:
Dauert der Prolog, die Erläuterung, wie es zum Unglück kommen kann, fast eine Stunde, so ist die Auflösung relativ schnell erzählt., obwohl hier ungleich mehr passiert, weitaus mehr Zeit vergeht und eigentlich auch fast davon auszugehen wäre, dass alleine durch die dreigeteilte Tragik auch mehr Zeit für die Innenleben der drei Protagonisten aufgebracht würde.

Hierbei hat man des öfteren das Gefühl einen lang gezogenen Channel No. 5 - Werbespot mit bitterbösen Pointen vorgesetzt zu bekommen. Derart leuchtend wird Keira Knightley in Szene gesetzt. Auch später hat man das Gefühl, ein Werbefilmer würde hier zur Tat schreiten. So malerisch und edel wirkt das alles, was dem Zuschauer aufgetischt wird.
Und dass ausgerechnet Keira Knightley, der ich persönlich nicht zutraue, das beste Schauspiel des Films hervorbringt, bestätigt für mich die Theorie, dass der Filmemacher entweder tatsächlich für sie schwärmt oder aber, dass die Produzenten den Regisseur dazu gezwungen haben, sie so in Szene zu setzen. Möglicherweise waren die Produzenten auch von Channel gekauft? Denn beispielsweise James McAvoy traue ich es schon zu, richtig gut zu schauspielern, was er hier aber schuldig bleibt.

Weiteres zur Bildsprache:
Natürlich sehr viel Symbloik, vieles was einen an andere gute Filme oder große Regisseure erinnert, wobei das alles im Endeffekt ja glücklicherweise relativiert wird (Wenn ich merh verraten würde, würde ich spoilern).

Auch ist positiv hervorzuheben, wie die einzelnen Episoden in den verscheidensten Ebenen vetrackt erzählt werden, so dass das alles sich erst Stück für Stück als großes Ganzes zusammenfügt.
In diesem Zusammenhang ist auf jeden Fall die Filmmusik hervorzuheben, welche nicht nur einen wichtigen Hinweis auf den gesamten Verlauf des Filmes abgibt, sondern eigentlich die gesamte Handlung über diese bestimmt.

Was bleibt zusammen zu fassen?
Ein virtuos gefilmter, genial musikalisch untermalter, kurzweilig gehaltener Film, der das Prädikat gelungene Literaturverfilmung absolut verdient.
Schauspielrisch bleibt der Film einiges schuldig, auch mangelt es ihm an Tiefe.
Hätte man diesen Film besser machen können?
Ich weiß es nicht, dafür bietet er definitiv zu wenig Angriffsfläche. Hätte man ihn anders machen können? Auf jeden Fall weniger Hochglanz, aber dieses Stilelement läßt diesen Film auf jeden Fall über den Schnitt erscheinen.

Hinzu kommt eine grandiose lange atemberaubende Kamerafahrt in der Normandie, welche die wirklich virtuose Inszenierung nochmal unterstreicht.

Guter Film, gute Literaturverfilmung, aber nicht der beste britische Film der letzten Jahre. Solche Attribute schrauben die Erwartungen nur unnötig ungerechtfertigt hoch, und eine Enttäuschung zu sein, hat dieser Film mit Sicherheit nicht verdient.

7 Punkte

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