Nachdem man in der Horrorfilmgeschichte bereits Hügeln Augen verlieh, geschieht dies jetzt nach dem gleichen Prinzip im Wald: Drei naturverbundene Rednecks jagen Stadtkinder eines Sommercamps.
Wem dieses vage Storykonstrukt nur allzu bekannt vorkommt, der möge sich hinzudenken, dass die Geschichte angeblich auf einer wahren Begebenheit beruht, die sich so oder so ähnlich Ende der Siebziger zugetragen haben soll.
Im Hinblick auf die hintersten Einöden Amerikas sind Handlungen von „TCM“, Wrong Turn“ und „The Devil´s Rejects“ ja ohnehin alle wahr.
Zeitlos ist der Stoff in jeder Hinsicht, denn alles, was nach Amerikas Vietnam Erfahrungen als Reflektion der eigenen Angst auf Zelluloid gebannt wurde, kann man im Kern als Genre „Backwood-Slasher“ einstufen. Da spielt es keine Rolle, ob die Figuren (wie hier) Ende der Siebziger entsprechend schlichte Kleidung tragen und sich die Survivor augenscheinlich intensiver den Rücken stärken als in zeitgenössischen Beiträgen, wo man auch mit dem neusten Handy mitten in der Walachei kein Netz bekommt.
Ein Kampf auf Leben und Tod resultiert daraus auf jeden Fall.
Hier muss man ein wenig die fehlende Charakterisierung einiger Campteilnehmer kritisieren, denn wirklich markant erscheinen nur Frauenheld Carmine, der übergewichtige Tommy und der pfiffige Ernie. Diese und drei weitere Kumpels unternehmen einen Ausflug in die weitläufigen Wälder nahe des Camps, was in der Anfangsphase in seiner Abenteuerlust fast schon ein bisschen an „Stand by me“ erinnert und vielleicht auch ein wenig an der ähnlichen Figurenkonstellation liegt.
Als sich die Gruppe jedoch der Hütte des sagenumwobenen Hinterwäldlers Cappy und seiner zwei Söhne nähert, wird einer der Abenteurer in die Hütte gezerrt, während Cappy sogleich sein Jagdgewehr zückt. Doch so einfach werden die Jungs sich nicht geschlagen geben und man überlegt sich bereits Maßnahmen zum Gegenangriff.
Es ist das denkbar einfache Spiel Stadt gegen Natur, wenn aus Gejagten Jäger werden und der kämpferische Vorteil nicht unbedingt nur auf Seiten der Naturburschen liegt.
Die Jungs zeigen sich, unter der Leitung vom ältesten Carmine durchaus erfinderisch und wissen ihrerseits mit Fallen und gut getarnten Verstecken zu überleben.
So wird ein schwerer Baumstamm an Seile gespannt, ein Loch ausgehoben und mit angespitzten Ästen gespickt und eine Rakete abgefeuert, was sowohl die Rednecks als auch die besorgten Eltern im Camp wahrnehmen und daraufhin die Cops alarmieren. Zunächst zeigen sich diese wenig beeindruckt, doch man scharrt einen Suchtrupp um sich, während ein Wettlauf mit der Zeit beginnt und auf beiden Seiten Tote zu verzeichnen sind.
Die Darstellung der drei Hinterwäldler fällt entsprechend grobschlächtig schlicht aus, einer ist so ein muskelbepackter Krieger, der andere aufgrund eines Unfalls geistig zurückgeblieben (weshalb er, mehr aus Versehen, einer Frau das Genick bricht und die Leiche in die Hütte trägt, womit die Kettenreaktion erst ausgelöst wird). Und dann gibt es noch Pa, einen hünenhaften Zottel, der sich zwar als der taktisch Intelligenteste erweist, doch vor Impulsivität auch zuweilen wütend in die Luft ballert und brüllt.
Aber nicht nur aufgrund dieser drei kommt es im Verlauf zu teilweise blutigen Ableben mit Messer in den Hinterkopf (die Spitze tritt durchs Auge), Pfeilschuss (eine gut getimte Szene) und Kopf ab durch Machete. Allerdings legt man die Betonung nicht so sehr auf Gewaltszenen, sondern eher auf Spannung und Tempo, was durchaus gelingt.
Eine abwechslungsreiche Mischung aus Verstecken, Flucht, Fallen basteln und Zweikämpfen wird geboten, was zum Showdown die Anführer aus den Lagern Gut und Böse gegenüber stehen lässt. Zwar hätte man sich die Schlusspointe, quasi die letzte Einstellung sparen können, doch bis dahin stimmen die Zutaten und man bekommt einen überaus soliden Streifen in schnörkelloser Inszenierung geboten, in dem die Darsteller durchaus glaubhaft rüberkommen.
Vielleicht kann man dem Backwood-Slasher seit „Beim Sterben ist jeder der erste“ nicht mehr allzu viel hinzufügen. Doch man kann den schematischen Ablauf ansprechend und unterhaltsam verpacken, was Regiedebütant Anthony Indelicato mit seiner Independent-Produktion durchaus gelungen ist und mit einer Empfehlung an Genrefreunde resümiert wird.
7 von 10