Elisabeth Bathory, die "Blutgräfin", die "Tigerin von Cachtice", die "slowakische Hure"....
Es gab viele Bezeichnungen für diese historische Persönlichkeit, die - wie wohl kaum eine andere Person aus der neuzeitlichen Epoche - auch heute noch eine einzigartige Faszination auf Filmemacher, Musiker, Historiker und Geschichtsinteressierte (wie mich) ausübt.
Mittlerweile findet man eine ganze Reihe von Verfilmungen über die blutrünstige Gräfin, die jedoch von äußerst unterschiedlicher Qualität sind und manchmal auch einen bedenklich niedrigen Authentizitäts-Gehalt aufweisen. Während einige ältere Produktionen Softsex-Filmen gleichen, ging man das Thema in jüngerer Zeit eher in biographischer Form an.
July Delpy´s "Die Gräfin" ist in diesem Fall leider eine gähnend langweilige Einschlaf-Geschichte und auch "Stay Alive" versagte mit seiner Story total, da man den Schauplatz absurderweise in die USA verlegte und überdies diese idiotische Videospiel-Komponente in die Handlung einbaute.
Doch dann bekam ich diese DVD in die Finger und ich beschloss der hübschen Hauptdarstellerin Anna Friel als Gräfin Bathory eine Chance zu geben. Ausserdem traute ich es einem ungarisch-slowakisch Produktionsteam eher zu eine plausible Geschichte über das Leben dieser Frau zu erzählen, da man die meisten Aufnahmen jeweils an oder zumindest in der Nähe der historischen Orte machte.
Anna Friel spielt ihre Rolle mit Hingabe und Überzeugung und der historische Background ist gut recherchiert, doch es darf bezweifelt werden, dass Elisabeth Bathory (wie im Film suggeriert) im realen Leben einfach nur eine sensible, einsame Frau war, die unter dem Einfluss von Kräuter-Mixturen einer Hexe bzw. Wahrsagerin stand. Letztere wird allerdings auch nicht als bösartig dargestellt, Elisabeth vergreift sich heimlich an diesen "heilenden" Tränken und kann als Nebenwirkung davon Traum und Realität zeitweise nicht auseinanderhalten. Dies soll auch der Grund gewesen sein warum sie eine ihrer Dienerinnen mit einer Schere erstochen hat. Andererseits gibt es keine psychologische Erklärung dafür warum letztendlich sehr viele ausgeblutete Leichen im Dorf und um das Schloss Cachtice herum auftauchen, wohl wissend dass sie auf Veranlassung der Gräfin ermordet und ausgeblutet wurden, damit sie in deren Lebenssaft baden konnte.
Bathory wird nicht als die Person dargestellt, die sie in der Realität vermutlich war und die wilden Orgien und ihre eigentliche Grausamkeit werden im Film nicht erwähnt. Es gibt nur einige sanfte Annäherungen an diesen Aspekt ihrer Persönlichkeit und damit wird vieles an Authentizität verspielt. Zusätzlich baute man völlig unnötig zwei Figuren ein, die hierin wahrlich kaum etwas zu suchen haben: Ein katholischer Geistlicher und sein Novize, die von der Kirche beauftragt wurden um das Treiben der Gräfin auszuspähen. Im damals tief-protestantischen Ungarn wäre dies eigentlich ein Suizid-Unternehmen gewesen. Ins Lächerliche rutscht das ganze dann auch noch ab, als der Geistliche im Laufe der Handlung seine Erfindungen (Rollschuhe, Schi-Bretter und einen vorsintflutlichen Fotoapparat) präsentiert und letztendlich auch noch das Paragleiten erfindet.
Sieht man von diesen Schwächen ab ist "Bathory - Die Blutgräfin" äußerst sehenswert, handwerklich einwandfrei gemacht und bietet mit über zwei Stunden Länge einen abendfüllenden Filmgenuss.
8/10 Punkten