Viele Legenden ranken sich um das sagenumwobene Wirken der Elisabeth Báthory Ende des 16. Jahrhunderts im damaligen Ungarn - die Gräfin soll zahlreiche junge Mädchen und Frauen ermordet und in deren Blut gebadet haben. Ob dies so stimmt oder nur eine geschickt eingefädelte Intrige gegen die protestantische Ungarin war, die seinerzeit in scharfem Gegensatz zum katholischen Haus Habsburg stand, ist auch in der Forschung umstritten. Jedenfalls wurde Elisabeth Báthory Anfang des 17. Jahrhunderts dafür verurteilt und war bis zu ihrem Tod auf einer Burg in Hausarrest gefangen. Die Legendenbildung im Lauf der Zeit schufen den Mythos der "Blutgräfin", und auch Bathory - Die Blutgräfin bedient sich dieses überlieferten Klischees.
Wer nun allerdings angesichts des Titels einen Horrorfilm mit Splattereinlagen erwartet hat, wird bitter enttäuscht werden - stattdessen ist diese slowakisch-tschechische 2008er Produktion ein eher farbenfrohes Kostümfilmchen, welche erstaunlich blutleer das Leben ebenjener Gräfin beschreibt. In opulenten Bildern, denen das Bemühen, mittelalterlichen Stimmungen hinterherzuspüren stets innewohnt erlebt man die Gräfin als Kind, in jungen Jahren und schließlich auch am Ende ihrer "Karriere". Der Einstieg in dieses Märchen für Erwachsene erfolgt durch die Erzählung eines Mönches bzw. dessen Aufzeichnungen, was man freilich schon wesentlich besser aus Der Name der Rose kennt. Der in Kapitel aufgeteilte Film nimmt sich sehr viel Zeit für eine ausführliche Figurenzeichnung, verharrt dabei aber manchmal zu sehr in Details, sodaß die eigentliche Handlung nur zäh vorankommt - jegliche Spannung hat das Drehbuch dabei leider ebenso verbannt wie irgendwelche überraschenden Wendungen. So zieht sich Bathory - Die Blutgräfin über zwei Stunden lang und verursacht manches Mal ein Gefühl der Langeweile.
Womit der Streifen aber punkten kann, sind die liebevollen Kostüme, die schönen Kulissen und das Schwelgen in farbenfrohen Inszenierungen - für den der es mag! Was den Plot betrifft, so handelt es sich um eine Art Soap Opera, denn Eifersucht, Liebe und Aberglauben beherrschen Elisabeth Báthorys Leben von Anfang an. So hat sie eine Romanze mit einem italienischen Maler, der ihr ursprünglich als "Kriegsbeute" überlassen wurde und dem sie sich nähert, nachdem er eher schüchtern ist. Gleichzeitig vergreifen sich die Wachleute immer wieder an den Kammerdienerinnen, die sie zwar mit einer Gerte züchtigt, weil sie sie der Hurerei verdächtigt, einer von ihnen jedoch ein Messer mit Doppelklinge schenkt, damit sie sich ungebetener Zugriffe erwehren kann. Als diese sich solchermaßen verteidigt, wird der folglich in Notwehr Ermordete aufgrund der beiden Einstiche für das Opfer von Vampiren gehalten...
Zwischen diesen eher wenig spannenden Thematiken gibt es selten einmal Schlachtszenen, die stellenweise an Reenactment erinnern und teilweise mit einem Augenzwinkern zu betrachten sind, etwa als Ferenc im Kugelhagel einen Brief schreit ohne getroffen zu werden, oder wenn sich im Kampf mit den Osmanen die Ungarn von einigen zwischen den türkischen Zelten herumlaufenden nackten Frauen ablenken lassen, welche freilich eine Kriegslist der im Hinterhalt lauernden Türken darstellen. Einige wenige derartige skurrile Ideen mehr tauchen ab und zu auf und sorgen für ein wenig Abwechslung.
Die schauspielerischen Leistungen sind angemessen, allerdings sticht niemand besonders heraus und weder mit Anna Friel als Gräfin noch mit Hans Matheson als Maler Caravaggio oder sonst einem Mitglied ihrer Entourage kann man besonders mitfühlen oder mitfiebern. Die Darstellung der Mönche ist ohnehin ziemlich grenzwertig, manchmal möchte man schlicht lachen über deren Auftreten. Humor allerdings ist nicht die Intention von Bathory - Die Blutgräfin, stattdessen endet nach fast zweieinhalb Stunden ein über weite Strecken trockener Historienfilm, der zwar inszenatorisch und kameratechnisch nichts falsch gemacht hat, dem aber auch jedes unverwechselbare Moment und auch jegliche Spannung fehlt. 3 Punkte.