"Chasing Amy" gehört zu jenen Filmen, die man entweder liebt oder hasst, dazwischen gibt es eigentlich nicht viel. Das hat mit dem etwas speziellen Kevin Smith-Humor zu tun, welcher die Zuschauer schon im Vorgänger "Mallrats" polarisierte.
Erzählt wird die Story von Comic-Zeichner Holden (Ben Affleck), welcher sich unsterblich in Kollegin Alyssa (Joey Lauren Adams) verliebt. Schade nur, dass diese ein Lesbe ist und vorerst nur für eine Freundschaft zu haben ist. Als sie sich aber dann aber doch noch ´"bekehren" lässt, muss sich Holden zwischen ihr und seinem Jugendfreund und langjährigen Mitbewohner Banky (Jason Lee) entscheiden. Das wird nicht einfacher, als Holden interessante Details aus Alyssa`s Vergangenheit erfährt...
Der größte Pluspunkt des Films ist die herzerfrischende (und für amerikanische Verhältnisse ungewöhnliche) Freizügigkeit, mit der mit dem Thema Sex umgegangen wird. Wenn sich Banky und Alyssa gleich zu Anfang des Films sehr explizit über sexuelle Praktiken und Erlebnisse mit Frauen austauschen, ist das einfach nur brüllkomisch (wenn auch etwas pubertär, ich geb`s zu). Und dieses hohe Niveau hält der Film (fast) bis zum Ende durch, ohne ins Vulgäre abzurutschen. Auch herrlich: die Comic-Messe am Anfang (mit der Erklärung, warum "Star Wars" ein verkappter Nazi-Film ist), das (mehr oder weniger) sinnfreie Gelaber über Comics (Mann hat ja sonst keine Freuden im Leben) und natürlich der obligatorische Auftritt von Jay & Silent Bob, nach deren Vorbild die "Bluntman & Chronic"-Comicreihe von Holden und Banky entstand. Silent Bob (alias Regisseur Kevin Smith) ist dieses Mal in Sachen Liebe sehr gesprächig und Jay disst ihn deswegen mit Nonsense-Argumenten. Das ist äußerst komisch, skurril und derbhumorig, wenn auch zu speziell, um jedermanns Geschmack zu treffen. Mir gefällt es aber.
Schade nur, dass es nach dem Auftritt von Jay & Silent Bob in der letzten Viertelstunde leicht bergab geht, wenn sich die vordergründige Nonsense-Komödie in eine schmalzige Romanze ohnegleichen verwandelt, aber zum Glück geschieht auch das nicht ohne ein paar absurdkomische Spitzen.
Noch ein Satz zu den durch die Bank lebensecht wirkenden Darstellern: Ben Affleck kann in "Chasing Amy" nach seinem mies geschauspielerten Auftritt als Macho in "Mallrats" endlich einmal überzeugen, Joey Lauren Adams als Alyssa kauft man die etwas unentschlossene Lesbe ab und Afflecks Busenfreund Matt Damon hat einen Kurzauftritt als Verleger.
Ich möchte nicht wieder die leidige Debatte US-amerikanischer Prüderie anheizen, aber es verwundert doch sehr, dass dieser Film von der MPAA ein R-Rating bekam, obwohl er doch fast gänzlich ohne Gewalt auskommt.
Alles in Allem eine herzerfrischende und freizügige Komödie, welche im letzten Viertel allerdings etwas abfällt. Leuten, die den etwas trashigen und abseitigen Humor von Kevin Smith lieben, dringend ans Herz zu legen. Allerdings ist selbiger nun einmal nicht jedermanns Geschmack.