Review

Eigentlich fängt alles ganz einfach an: Holden verknallt sich in eine Kollegin aus dem Comiczeichner-Milieu, die ausgeflippte Alyssa. Seine aufkeimenden Gefühle bekommen allerdings einen herben Dämpfer als er herausfindet, dass sie lesbisch ist. Trotzdem willigt er in eine "normale" Freundschaft mit ihr ein. Eine Liaison, die sowohl sein privates und berufliches Leben als auch die Freundschaft zu seinem langjährigen Kumpel Banky auf eine harte Probe stellt. Ich kann verraten, dass Kevin Smith persönlich alias Silent Bob in diesem Zusammenhang eine zwar passive, aber doch Schlüsselrolle spielt...
Ohne zu sehr auf die Einzelheiten eingehen zu wollen, kann man sagen, dass Smith hier sein persönlichster und auch reifster Film gelungen ist. Er behandelt die komplizierten Verwicklungen zwischen Holden, Alyssa und Banky ungeschönt mit einer Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit, wie man es selten in einem Film zu sehen bekommt. Die Gefühle, Ängste und Hoffnungen der Figuren, besonders zum Ende hin, sind für den Zuschauer fast greifbar und jederzeit mitreissend, die absolute Schonungslosigkeit der Inszenierung versetzt einen stets in einen Zustand zwischen Lachen und Weinen - sofern man bereit ist , sich darauf einzulassen.
Getragen wird der Film vor allem auch durch die durchweg spitzenmässigen Leistungen der Schauspieler - Ben Affleck gibt hier die mit Abstand beste Vorstellung seiner Karriere ab, auch Jason Lee überzeugt, doch der Knaller ist hier eindeutig Joey Lauren Adams, die selbst in den schwierigsten emotionalen Szenen immer glaubwürdig und überzeugend agiert und die innere Zerrüttung zwischen ihrer homosexuellen Neigung und der Liebe zu Holden absolut perfekt und nachvollziehbar darstellt.
Ebenfalls perfekt ausbalanciert ist die schwierige Gratwanderung zwischen Humor und Ernsthaftigkeit, die hier völlig nahtlos gelingt - hat der Smith-typische Humor (genial: die Rede von Hooper X) in der ersten Hälfte des Films noch einen grossen Anteil, so wird dieser im Verlauf der Handlung immer mehr zugunsten einer erwachseneren Haltung gegenüber den eigentlichen Themen des Streifens in den Hintergrund gerückt: Zu einer ernstgemeinten Ausseinandersetzung mit mit zwei essentiellen Bestandteilen des Lebens, Liebe und Freundschaft, passt diese Art post-pubertärer Humor einfach nicht mehr - und hier liegt die wirkliche Message des Films: Humor lässt die Dinge manchmal lockerer erscheinen als sie es in Wirklichkeit sind, doch das Leben ist nun mal hart und bringt von Zeit zu Zeit Veränderungen mit sich, die sehr schwer zu verarbeiten sind, aber es geht immer weiter. Was bleibt, sind Erinnerungen und Erfahrungen. Nicht immer schöne, aber stets bleibene. Und für einen Hauch von Optimismus ist immer noch Platz.

Witzig und traurig zugleich sinniert Mr.Smith über die wirklich prägenden Momente im Leben - spitzenklasse!
10/10

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