Die Vorlage zu "Fieberhaft - Undercover in der Drogenhölle" stellt den einzigen Roman von Kim Wozencraft da. Peter Dexter (Michael, Mulholland Falls) verfasste daraus ein Screenplay, meilenweit entfernt vom Mainstream. Wahrscheinlich auch der Grund für das Verschwinden in der Versenkung. Doch die unbekannte Regisseurin Lili Fini Zanuck liefert mit ihrem einzigen Spielfilm ein kleines Meisterwerk mit zwei oscrarreifen Hauptdarstellern ab.
Drogenfahnder Jim Raynor (Jason Patric) hat schon viele dreckige Jobs hinter sich. Doch um sich Will Gaines (Gregg Allman), einen der größten Drogenbosse im Umkreis, vornehmen zu können braucht er Verstärkung. Die findet er in der blutigen Anfängerin Kristen Cates (Jennifer Jason Leigh). Getarnt als Liebespärchen dringen sie tief in die Drogenszene ein und werden selbst ein Teil von ihr. Bald sind Beide abhängig, unterschlagen und fälschen Beweise, doch Gaines können sie trotzdem nichts anhaben. Hilfe erhalten Jim und Kristen nur von ihrem Vorgesetzten Dodd (Sam Elliott). Auch ihre Tarnung beginnt langsam aufzufliegen, somit schweben die Beiden bald in Lebensgefahr.
Der Originaltitel "Rush" passt und klingt wesentlich besser, schließlich erhält der Zuschauer intensive Einblicke in die Drogenszene. In gewollt unschönen Bildern bringt uns Regisseurin Zanuck die Arbeit eines Undercover-Drogenfahnders näher. Dieser führt ein grausames Leben und kann sich nur auf seinen einzigen Kontakt und seinen Partner verlassen. Ansonsten steht er allein auf weiter Flur und kann sogar von seinen eigenen Polizeikollegen hochgenommen werden, da Niemand von seinen Tätigkeiten weiss. Und nun gilt es einen ganz großen Fisch an den Haken zu locken. Jim sucht sich die junge Kristen als Partnerin aus, bringt ihr einiges bei und es dauert nicht lang, bis auch Kristen die ersten Drogen nimmt. Als Vertrauensbeweis wollen die meisten Dealer den Drogenkonsum ihrer Käufer erst überprüfen, bevor sie verkaufen. Es beginnt mit leichten Drogen und endet mit mehreren Schüssen Heroin. Kristen beginnt sich zu verändern, nicht nur physisch, sondern auch körperlich. Bald gehört sie wie Jim zur Szene und die Beiden verlieben sich ineinander. Das Ganze mag nach Klischees klingen, doch man fühlt mit den beiden Hauptcharakteren mit. Sie haben nur noch sich und können sich auf niemand sonst verlassen. So tief ist bisher kein Film in die Drogenszene eingedrungen und noch nie wurde so schonunglos gezeigt, wie sich Menschen durch Drogen verändern. Zanucks authentische Inszenierung dürfte keinen Zuschauer kalt lassen und übertüncht ein wenig das gedrosselte Erzähltempo.
Man bekommt eine Gänsehaut, wenn Jim und Kristen immer mehr zum Drogenkonsum tendieren, besonders Jim erwischt es zwischendurch schlimm. Man kann "Rush" auch als gelungene Botschaft sehen, die Finger von Drogen zu lassen. Selbst erfahrenen Leuten wie Jim, will das nicht gelingen. Genauso die Überführung von Gaines. Es wird nur vermutet, dass er mit harten Drogen dealt, doch weder der Zuschauer noch Polizeichef Nettle (Tony Frank) wissen es genau. Und der Polizeiapperat scheint sich auf das selbe Niveau herabzulassen, wie Dealer und Gangster. Man nimmt Kleindealer hoch und erpesst sie zur Mitarbeit, oder man fälscht Beweise und gibt falsche Aussagen um zum Beispiel Gaines hinter Gitter zu bringen. Jeder hat hier Dreck am Stecken, vom Drogenfahnder bis zum Polizeichef. So geraten Jim und Kristen bald noch in tödliche Gefahr und das Ende ist wirklich bitter, wie meist in der Realität auch. Kristin beginnt nämlich bald das ganze System zu hinterfragen und macht zum Schluss reinen Tisch. Diese Geschichte spielt im Jahre 1974 in Texas, brillant sind die ganzen Songs von Eric Clapton, dessen Musik den Großteil des Scores darstellt. Doch das eigentliche Herz des Films, sind die beiden Hauptdarsteller. Jason Patric (Narc, Speed 2) und Jennifer Jason Leigh (eXistenZ, Dolores) brillieren in ihren nicht leicht zu verkörpernden Rollen, der restliche Cast kann dieses hohe Niveau nicht ganz mitgehen.
Ob als Drama oder Krimi, "Rush" funktioniert in beide Richtungen perfekt und kommt völlig ohne Action aus. Zanucks schonungsloser Erzählstil lässt den Zuschauer nicht mehr los, manchmal dürfte ein wenig mehr Tempo vorhanden sein in knapp zwei Stunden Laufzeit. "Rush" ist absolut kein Mainstreamkino, bedient sich kaum an der Klischeekiste und die beiden Hauptdarsteller sind einfach klasse.