Review

Philosophischer Schmutz

Eigentlich recht wunderschön in Szene gesetzter Kunststreifen, der den Zuschauer mit verträumten, morbiden und ruhigen Bildern verwöhnt, aber eigentlich keine wirkliche Intention erkennen lässt. Zwischen unheilvoller Poesie, die in ihren Zügen des Gezeigten eigentlich eher aufgesetzt wirkt, verkommt der Skandalfilm zum Exzess aus Kot, Blut, Gedärmen, Erbrochenen und Sperma. Wahrlich kein Film für den normalen Konsumenten, der hinter dem Titel ein philosophischen Film erwartet, der auf niveauvolle Art allegorisch unser Leben und den Sinn darin durchleuchtet. Melancholie der Engel möchte das sein, doch kann, ausser zu Ekeln und unfassbar psychophatisch rüberzukommen, keinerlei Zeichen setzen.

Es ist vielmehr das Werk eines Psychophaten, der sich handwerklich allerlei Mühe gibt und Talent besitzt, deren Intention aber im Verborgenen liegt. Wahrlich interessant ist der Film ja schon, keine Frage, aber ob man das Unterhaltung nennen kann? Moral kennt der Film jedenfalls nicht, denn während er in liebevollen trägen Bildern im verkörnten Look herrliche Landschaften, Wiesen und alte, marode Bauten minutenlang im Wechsel ohne Sinn und Halt filmt, um dabei das Tierleben einzufangen, welches dabei im nächsten Moment mit Füssen getreten wird, dann wühlt das schon auf. Mit knapp 160 Minuten ist dieser schwere, fast schon schweigsame Torture ,- und Psychodelic-Bilderrauschstreifen einfach nur zu lang, und im Nachhinein steht fest: Man sucht sich seine eigene Ecke, denn leicht verdaulich geht anders.

Snuffvorwürfe könnte man dem Film ebenfalls machen, denn das Inszenierte ist stellenweise so abartig, dass es beiweitem absolut real wirkt, und falls nicht, die Laiendarsteller bei Dreh selbst trotzdem gelitten haben müssen. Hier wird mit Mageninhaltähnlichen Substanzen exzessiv gehandwerkt, lebendige Lebewesen zerstückelt und mit Kot hantiert. Dabei sah die Brustschneideszene mit dem Skalpell täuschend echt aus.

Für diesen Film möchte ich keine Empfehlung aussprechen, genauso wenig, wie ich so etwas bewerten kann. Ich habe schon vieles gesehen, aber das da war einfach nur unheilvoll krank, bedeutungsschwanger und dennoch leer wie einige Seelen unserer bemitleidenswerter Mitmenschen. Aber vielleicht möchte der Film auch gerade das ausdrücken. Die inneren Abgründe unserer Menschheit.

Melancholie der Engel wäre Kunst, wenn er nicht zu sehr exzessiv sein Szenario und seine philosophische Ausrichtung dazu nutzen würde, um diverse Abartigkeiten von Folterungen und Gedärmehappenings rechtfertigen zu können. Der Film wäre sogar ein Meisterwerk, hätte er eine Richtung eingeschlagen, doch dadurch, dass er völlig sinn und haltlos Exzesse voll mit Exkrementen vermischt mit Blut zum Besten gibt, ergibt sich daraus ein Werk, dass zwischen melancholischer Schwelgerei und purem Entsetzen schwebt. Hier wurde viel Potenzial verschenkt, denn der Film kennt leider kein Gewissen, keine Moral und noch nichtmal eine nachvollziehbare Geschichte mit Darstellern, die nachvollziehbare Beweggründe haben. Aber ist Folter eine Rechtfertigung? Ist Gewalt an Menschen, um seine eigenen Abründe zu befriedigen ein Beweggrund? Inwiefern kann man diese kranke Welt verarbeiten, verdrängen, all die Abscheulichkeiten, die der Alltag mit sich bringt vergessen, wenn man seine Seele auskotzt und die der Anderen foltert?

Vielleicht kann man darüber diskutieren, aber der Film bietet in dieser Hinsicht keinerlei Antworten, sondern lässt nur vermuten, wie krank und menschenverachtend veranlagt der Macher dahinter sein muss. Ein Werk für philosophische Misantrophen, Fans von Slaughtered Vomit Dolls oder ReGOREgitated Sacrifece, aber keineswegs ein Film für die breite Masse oder mal einfach so für Zwischendurch.

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