Review

Ich habe mir gestern Abend nun "Melancholie der Engel" angesehen - und wollte an dieser Stelle nun kurz ein Feedback zu diesem Film abgeben... 

Definitiv muss zuerst gesagt werden, dass ich von dem Film nicht enttäuscht wurde... Eher ist es sogar so gewesen, das bei (nicht wenigen) Reviews, die ich im Vorfeld über den Film gelesen habe, deutlich *übertrieben* wurde was die Film gezeigten Grausamkeiten anbelangt... Also nicht das wir uns jetzt falsch verstehen: der Film ist von seinen Darstellungen her wirklich nicht gerade zimperlich - aber persönlich würde ich einem "Salo - Die 120 Tage von Sodom" einen höheren "Ekelcharakter" zusprechen... Zwar gibt es auch Piss- und Fäkalszenen in "Melancholie der Engel", aber durch die schnellen Kameraschnitte empfand ich sie persönlich dann doch deutlich "angenehmer" als beim besagten "Salo" von Pasolini. 

Künstlerisch hat mir "Melancholie der Engel" wirklich verdammt gut gefallen... Hier hat sich Regisseur Marian Dora im Vergleich zu seinem Debütfilm "Cannibal - Aus dem Tagebuch eines Kannibalen" wirklich extremst gesteigert und auch der sehr atmosphärische Soundtrack trägt sehr viel zur gelungenen (nihilistischen) Grundstimmung des Filmes bei. 

Dora´s Anlehnungen an Freud´s "Melancholiebegriff" und De Sade´s "Justine - oder vom Missgeschick der Tugend" sind definitiv sichtbar vorhanden. Und hält man sich diesen Kontext immer wieder vor Augen, ist ihm mit diesem Film (auf künstlerisch-philosophischer Ebene) wirklich etwas ganz Besonderes gelungen... "philosophisches Arthouse-Kino meets destruktiv-nihilistisches Extremkino" ---> diese Bezeichnung trifft es hier wirklich sehr gut, wie ich finde! :-) 

Persönlich zu bemängeln hatte ich eigentlich nur, das der Film mit knapp 159 Minuten eindeutig zu lang ausgefallen ist... Verschmerzbar ist dies irgendwo noch beim Prolog des Films - aber das Finale hätte man (meiner Meinung nach) nicht so lange hinausziehen müssen... Aber ansonsten war ich wirklich sehr begeistert und "gefangen" von der Stimmung des Filmes, der definitiv auch immer wieder eine kleine Hommage an Filme wie "Subconcious Cruelty", "TCM" (= das Original), "Sado - Stoß das Tor zu Hölle auf", "Nekromantik" und "Salo - Die 120 Tage von Sodom" darstellt. 


Fazit:

"Melancholie der Engel" ist definitiv kein Film für ein "Mainstream-Publikum" - aber für ein aufgeschlossenes Publikum des philosophischen Independent-/Arthouse- und Extremkinos definitiv eine ganz besondere Erfahrung wert.  Ich vergebe sehr gute 8 von 10 Punkten für den Film - und somit definitiv lohnenswert! :-)

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