Literaturagent wird in seinem eigenen Luxusapartment terrorisiert und die Frage ist, welcher Bekannte oder Unbekannte steckt dahinter.
Damit ließe sich gewiss hitchcockscher Suspense verbreiten, doch erst im letzten Drittel kommt der Thriller richtig zur Sache und überrascht mit einem zufrieden stellenden Plot Twist.
Aufgrund seiner Skrupellosigkeit im Job kann sich Literaturagent David Lamont (Marc Blucas) ein großflächiges Apartment in New York leisten, doch die Freude in den neuen vier Wänden ist nur von kurzer Dauer. Jemand schickt ihm Fotos von Leichen, die ganz offenbar in seiner Wohnung aufgenommen wurden und scheint ihn auf Schritt und Tritt zu beobachten.
Steckt etwa der Vorbesitzer dahinter oder gar ein abgewiesener Schriftsteller?
Verdächtig ist grundlegend jeder, dem Lamont begegnet. Da gibt es die hübsche Nachbarin aus der dritten Etage, die er etwas sehr zufällig auf der Straße anrempelt und rasch mit ihr in der Kiste landet. Dann der Sohn des Vorbesitzers, der sich seiner Wohnung beraubt sieht, der ermittelnde Cop, der mit auffälliger Zurückhaltung zu Werke geht und Lamont gar nicht ernst zu nehmen scheint und nicht zuletzt eine wenig beachtete Sekretärin und ein enttäuschter Geschäftspartner und Freund.
Sie alle geraten in den Kreis der Verdächtigen, falsche Fährten werden kontinuierlich gelegt, auch wenn das Treiben problemlos zu verfolgen ist, da es sehr stringent erzählt wird.
Mit Hauptfigur Lamont wird man indes nicht allzu leicht warm, denn dessen Egozentrik und Arroganz lässt den Sympathiefaktor nur schwer ausmachen.
Erst als er sich in seiner eigenen Wohnung beobachtet fühlt, so langsam die Nerven verliert und impulsiven Ausbrüchen erliegt, beginnt man mit der Figur mitzufühlen.
Form und Motive wirken nur allzu bekannt, nicht selten erinnert der preiswert abgekurbelte Film an die üblichen Erscheinungen, die man Anfang der 90er zu Gesicht bekam. Dunkle Sets, kühle Ausstattung, seichte, aber nicht primitive Erotikszenen und deutliche Spannungssteigerung zum Finale, welches, nachdem alle potentiellen Verdächtigen ausgeklammert werden können, den wahren Täter offenbart.
Bis dahin wächst das beklemmende und manchmal klaustrophobisch anmutende Gefühl, in seiner sonst so sicheren und geordneten Welt zusehends unsicherer zu werden.
Das Spiel um Identitäten, - viele sind nicht, was sie vorgeben zu sein – hält überraschend gut bei Laune und immer wieder schafft es der Täter, mit seinen Aktionen Angst und Panik bei Lamont zu schüren.
Mal klemmt der Lift, dann sieht sich Lamont selber auf einem Bildschirm, wie er beim Schlafen gefilmt wurde, er hämmert die Fliesen seines Badezimmers auf, um einer Spur nachzugehen, geht mit einem Messer auf eine verdächtige Person los und nimmt Bewegungen im Haus gegenüber wahr.
Gegen Ende zieht das Tempo merklich an, körperlicher Einsatz ist gefragt und sogar eine leicht morbide, fast gorige Szene fährt in aller Stille, aber emotionaler Nachvollziehbarkeit einen Pluspunkt ein.
Sobald die Identität des Täters feststeht, schafft es eine kleine erklärende Sequenz, fehlende Zusammenhänge zu erläutern, allerdings können nicht alle Handlungslücken geschlossen werden, einige Aspekte bleiben der Interpretation des Betrachters überlassen
Der Twist bewirkt zwar keinen allzu großen Überraschungseffekt oder gar eine mystische Auflösung, fügt sich aber bedingungslos in den Grundton der trüben Stimmung ein.
Gewiss kein Thriller mit Vorbildfunktion, eher einer, bei dem Polanski mit tiefgründigeren Charakteren gepokert hätte und einer wie Hitchcock mit charmanten Auflockerungen vorgegangen wäre.
Etwas lasch also die Grundidee, solide aber in der Umsetzung nebst Darstellern und im Gesamtbild doch recht kurzweilig.
6,5 von 10