Review

Prinzipiell erwarte ich ja nicht mehr viel von heutzutage hergestellten B-Thrillern für den DTV-Markt.
Jedes Thema ist eigentlich schon beackert worden und so viele kreative Filmemacher sind nicht mehr unterwegs, um einfachen Stalker- oder Serienkillerstories noch wahres Leben einzuhauchen.
Daß es auch (oder doch) anders geht, beweist der letztendlich doch recht erbauliche "The Killing Floor", in dem ein bissiger Literaturagent von Horrorbüchern sich plötzlich unheimlicher Vorkommnisse rund um sein New Yorker Penthouse-Appartment erwehren muß, ohne zu wissen warum und wieso.

Marc Blucas, den TV-Fans vermutlich noch von seiner zeitweisen Nebenrolle in "Buffy" kennen, spielt diesen engagierten Geschäftsmann, der nicht unbedingt von all seinen Bekannten geliebt wird, weil er rücksichtslos dem Erfolg hinterher jagt und dabei kaum Verwandte macht. Seine Assistentin hat es nicht eben leicht und seine ehemaligen Kumpels und Geschäftspartner würden ihm ganz gern mal den Marsch blasen. Wie gut, wenn man da sowieso schon Klaustrophobie hat und sich jemand Zugang zu deiner Wohnung verschafft, den man da überhaupt nicht brauchen kann...

Ja, es ist ein Spielchen mit Thrillerversatzstücken, das sich da entspinnt und das Schleudern von roten Heringen macht praktisch den halben Plot aus, aber das lohnt sich insofern, als letztendlich fast alles etwas mit den Vorfällen zu tun hat.
Geheimnisvolle Kameraaufnahmen des schlafenden Schönen, ein mysteriöser Anrufer, eine schöne Nachbarin, ein böser Nachkomme des Vorbesitzers, ein sarkastischer Polizist, dazu ein mißgünstiger Ex-Kollege, hier kommt alles zusammen, als plötzlich Polizeimaterial über einen Dreifachmord in eben dieser Wohnung geliefert wird. Da kann man noch so willig mit der Polizei zusammenarbeiten und noch so intensiv mit der Nachbarin rammeln, irgendwie macht sich bald Paranoia und dann Panik breit, weil eben nie ganz klar wird, was der/die Unbekannte denn nun eigentlich will: Rache? Wohnungsauszug? Sein Leben?

Rückblickend erweist sich das Drehbuch ganz geschickt aufgebaut, das alle Fäden im letzten Drittel schließlich verknüpft, um dann zu einer Pointe überzuleiten, die den Film relativ rund abschließt. Bis dahin hat man zwar als Zuschauer schon zu jedem Hering zwei bis drei durchschaubare Theorien entwickelt, trotzdem funktioniert der Film ganz hervorragend, weil das Skript nacheinander den Verdacht immer von einer Nebenfigur auf die nächste überträgt.
Akute Blödheit kann man den Figuren auch nicht so oft vorwerfen, allein die Uraltchose mit dem Tätermesser zum Polizeivideo, das naiv ausgepackt und angefaßt wird, ist dann ein wenig viel des Guten, aber stimmungsvolle Locations und ein wenig Thrilleraction machen das Beste aus dieser kostensparenden Produktion.
Gewöhnungsbedürftig ist allein der Look der Handlung, denn die düster-trübe Beleuchtung in nahezu allen Räumen, die den ganzen Film inclusive aller Tatortdetails oder bedrohlicher Szenen zu einem nervtötenden Suchspiel geraten läßt. Man möchte schreien, daß jemand endlich mal das Deckenlicht anmacht, zumindest wenn Besuch kommt und man nicht einzig und allein im Schein eines laufenden Fernsehers Verbrechensdetails durchdiskutieren möchte.

Wer scharfsinnig ist, knibbelt die Lösung natürlich schlußendlich vor dem Protagonisten aus dem Plot heraus, aber das ist ja auch der Spaß an diesem Film, der mit Blucas endlich mal einen "Helden" präsentiert, der im Grunde die ganze Zeit unsympathisch, aber unschuldig ist und somit ambivalente Gefühle hervorruft. Fürs Nachtprogramm also eine dezente Alternative. (6/10)

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