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Als Freund des Katastrophenfilms sieht man die Welt mit wehenden Fahnen untergehen, Menschen in Großstädten geraten in Panik, Gebäude stürzen ein, während unsere Helden von A nach B hasten, um endlich eine Lösung für die globale Bedrohung zu finden. Wenn so ein Szenario auf fast drei Stunden aufgebläht wird, müssen schon einige Actionszenen enthalten sein, um das Interesse dauerhaft an sich zu binden, - eine simple Verschwörungstheorie mit einem ebenso simplen Gut und Böse Spiel ist da eher nicht so zweckdienlich.

Als eine Monsterwelle den Süden von New Jersey trifft, sind die Wissenschaftler zunächst ratlos, doch John (Angus Macfayden) ahnt bereits, dass seine damalige Arbeit an einem Energiegewinnungsprojekt Urheber dieser Tragödie sein könnte. Kurz darauf gerät John unter Mordverdacht und befindet sich mit seiner ehemaligen Kollegin Sophie (Karine Vanasse) auf der Flucht. Ihnen bleibt wenig Zeit, die Drahtzieher ausfindig zu machen, denn schon bald soll eine weitere Monsterwelle Boston überrollen…

Angus Macfayden (er)kennen vielleicht noch einige von „Braveheart“, als zwielichtigen Robert the Bruce, doch hier hat er als oberflächlich gezeichneter Held weitaus weniger zu tun.
Auch wenn seine Figur weitgehend sympathisch rüberkommt, da er couragiert und aufrichtig an die Sache herangeht, so fehlt es ihm, wie auch seiner ebenso sympathischen Filmpartnerin an Figurentiefe und Nuancen. Noch kritischer ist es allerdings um die Widersacher bestellt, denn diese sind in vage Schubladen einzuordnen: Zwei FBI-Leute gut aber trottelig, sämtliche Konzernchefs und Wissenschaftler intrigant und rücksichtslos, dazu vage Sidekicks wie eine Computerfachfrau, eine Art Haushälterin und paar Polizisten.

Die Geschichte ist rasch durchschaut, Überraschungen oder gar Wendungen sucht man vergebens und das größte Manko: Deutlicher Mangel an Action.
Zu Beginn wird eine Monsterwelle lediglich angedeutet, es gibt ein wenig Archivmaterial von zerstörten Gegenden und einige Stills mit Opfern, doch keine wirkliche Sequenz mit Naturgewalten. Die einzige diesbezügliche Szene bildet ein Trip mit einem Motorboot im Kampf gegen eine Riesenwelle, was per CGI nicht sonderlich überzeugend in Szene gesetzt ist. Zwar gibt es eine kurze Verfolgungsjagd, einen Fight gegen eine Muskelfrau und kleinere Schießereien, doch das alles hat mit einem Katastrophenszenario rein gar nichts zu tun.

Insofern ziehen sich die rund 170 Minuten nicht selten, da zwar eine Menge kleinerer Handlungsstränge begonnen, jedoch selten konsequent zu Ende geführt werden. Zahlreiche redundante Momente wie Kaffeetrinken, Diskutieren über Skulpturen oder das Vorbereiten einer großen Rede laufen ins Leere und auch sonst fehlt komplett der Drive, um die Laufzeit überwiegend unterhaltsam zu gestalten.

So bringen solide Darstellerleistungen, eine passable Kamera und ordentliche Kulissen nichts, wenn erst nach zwei Stunden etwas Bewegung ins Spiel kommt, die Story lediglich einen äußerst simpel gestrickten Verschwörungsfall lahm aufarbeitet und der Katastrophenanteil gegen Null tendiert. Genrefreunde werden hier definitiv schlecht bedient und dafür sind annähernd drei Stunden ohnehin zuviel. Weniger ist manchmal mehr trifft in diesem Fall ganz gewiss nicht zu.
3,5 von 10

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