Ein Film von...moment! Ein Film? Nein. Das ist kein Film im eigentlichen Sinne. Es ist ein oberflächlicher, aber sehr intensiver, wenn auch sehr kühler Blick in die Psyche und Verhaltensweise eines 15jähriges Mädchen namens Tracey Berkowitz.
Basierend auf einer Romanvorlage entstand ein Werk, welches einen komplett neuen Stil entwickelt. Nachwuchstalent Ellen Page spielt eindrucksvoll und sehr zerbrechlich ihre schwierige Rolle und bügelt sogar dramaturgische Untiefen des etwas löchrigen Skripts relativ gut aus.
Es geht um die Psyche sowie die Krankheit von Tracey. Sie leidet - sofern jedenfalls meine Interpretation - am Borderline-Syndrom, das in diesem Fall aber nicht sehr stark ausgeprägt ist. In ihren Augen ist die Welt normal, das Umfeld jedoch abnormal. Und nach diesem Muster ist der Film auch weitgehend aufgebaut.
Jedes Handeln und jede Textzeile Traceys wird normal aufgegriffen. Der Zuschauer empfindet es als vollkommen natürlich, kritisiert jedoch unterbewusst das sonst typische und teils auch nachvollziehende Handeln der Anderen als abstoßend als auch unkonventionell.
Unkonventionell auch die Inszenierung. Der kleine, heimliche Star des Films ist ein Stück weit sogar die Kamera, welche stets subjektiv das Geschehen filmt, es wackelig und somit auch authentisch aufnimmt. Und genau diese subjektive, leicht surreale Kameraführung entwickelt einen gewissen Touch von "Verstörung", da die Location sowie die Optik des Films zwar sehr schlicht, gleichzeitig aber auch ziemlich kalt und deprimierend gehalten ist. Jede Farbe schien verloren gegangen. Alles grau, düster, kalt. Eine asoziale Umgebung. Eine zerstörerische Atmosphäre. Das persönliche, apokalyptische Ende eines Teenagers. In Form eines imaginären, sehr frei zu interpretierenden Blizzards.
Tracey Berkowitz hat ihren Bruder verloren; sie will ihn suchen. Jedoch hat der Film eine kleine Hürde aufgestellt, die den Zuschauer quasi zwingt, genau zuzuschauen, so merkwürdig das nun auch klingen mag.
Die Szenen sind durcheinander, fühlen sich keiner Chronologie gezwungen. Man selbst wird gezwungen, die Story selbst zusammenzufassen. Allerdings ist das anfangs sehr schwer, da die Bilder den Zuschauer nur so bombardieren. Die Bilder blitzen an beliebigen Stellen des Bildschirms auf. Wie Fragmente eben. Sie werden gedoppelt, verdreifacht. Meist ist eine Szene in 5-10 Bildern vertreten, der Ton teils asynchron, die Handlung auf jedem Bild/Fragment aus einem anderen Kamerawinkel aufgenommen.
Das der Film genau aussagen will, muss jeder sich selbst denken. Eine absolute Interpretation gibt es bestimmt nicht, da sich der Film auch an nichts gezwungen fühlt und im Grunde wie aus dem Stehgreif eines psychisch instabilen, 15-jährigen Mädchens gefilmt ist.
Das der Film dadurch unerträgliche Längen aufweißt und die Dialoge meist sehr obskur im Raume stehen, kann nicht mal die wie immer sehr überzeugende Ellen Page überdecken.