Monsterfilme können bei Trashfreunden zuweilen höchste Verzückung auslösen, nur weil ein missgestaltetes, oft sehr kräftiges Wesen Jagd auf Menschen macht. Dabei muss es nicht immer die Größe von King Kong oder Godzilla erreichen, manchmal reicht eben die Metamorphose eines Menschen wie bei „Hulk“ oder wie hier, die des titelgebenden Widerlings.
Nur, wie sich leider rasch herausstellt, ist dies alleine nicht der Garant für flockige Unterhaltung.
Dem kann auch Tom Sizemore nicht viel entgegen setzten, der als Wartungsarbeiter Vince mit seiner dreiköpfigen Crew unter der Erdoberfläche einem Auftrag nachgeht. In den Tunnelgängen begegnen sie bald den Helfern eines missgestalteten Millionärs, die auf der Suche nach einem fehlgeschlagenen Experiment sind: Einem Arzt wurde nämlich sein eigenes Serum verabreicht, dass eine vollständige Heilung sämtlicher körperlicher Wunden bewirkt. Nebenwirkung: Man verwandelt sich in ein Monster und unterliegt dem unstillbaren Drang nach Fleisch…
Also der altmodische und nahezu überraschungsfreie Ablauf: Monster ist los, die potentiellen Opfer befinden sich in einem eingeschlossenen Gebiet und werden der Reihe nach dezimiert.
Und mit Klischees spart man hier beileibe nicht: Sizemore gibt den coolen Helden und bringt ein paar brauchbare One-Liner, ein junger Punk macht sich sogleich an die hübsche Kollegin ran, die just ihren ersten Arbeitstag bestreitet und zwischendurch stößt man noch auf einen Obdachlosen, der in guter Jamaika-Man-Tradition ein paar herrliche Slang-Sätze von sich gibt. Auf der Seite der Bösen handelt eine eiskalte Dame, die im Verlauf der kollektiven Flucht zur Guten wird, dazu gibt es einen austauschbaren Bodyguard und den Fiesemöp selbst. Dessen schlichte Charakterzeichnung weist gegenüber Zeiten eines Dr. Mabuse auch keine Neuerungen auf. Seit einem Autounfall sitzt der stinkreiche Typ im Rollstuhl, Teile seines Gesichtes sind entstellt, doch mit Geld und Einfluss steht man stets über den Dingen und lässt andere für sich arbeiten, wie einen asiatischen stummen Aufpasser, der ebenso klischeemäßig zur asiatischen Kampfkunst übergeht, um seinen Meister vor Angriffen des Monsters zu schützen.
Dennoch nerven weniger die Figuren, als der ereignislose Ablauf des Monstertreibens.
Auf den Punkt: Innerhalb einer Stunde Laufzeit sind lediglich zwei Angriffe des Mutierten zu verzeichnen, das Drumherum nimmt viel zu viel Zeit in Anspruch. Ob sich der Punk mit der neuen Arbeitskraft einen Scherz erlaubt oder sich später mit ihr über Lebensformen in gewohnter Existenz unterhält, bringt die Handlung nur bedingt weiter. Und wenn der selbstgefällige Millionär seinem Bediensteten sein Leid klagt, ist das auch überflüssig, weil man ohnehin schon vorausahnt, dass genau dem das aufwendigste Ableben mit etwas mehr Screentime gewidmet werden wird.
Darüber hinaus mangelt es den Tunnelkulissen an Atmosphäre, sie wirken zu steril, ohne Ecken und Kanten oder zusätzlichen Requisiten.
So dominieren lange Zeit redundante Dialoge das Geschehen, während man sehnsüchtig auf Aktionen des Monsters wartet.
Dieses muss allerdings erst noch entstehen, denn zunächst gibt es nur einen verprügelten und zweimal von Pistolenkugeln getroffenen Arzt. Die Wunden heilen durch das injizierte Serum jedoch schnell und der Kerl greift sich übergangsweise ein paar Ratten und den Hund des Obdachlosen, bevor die Metamorphose einsetzt.
Danach punkten aber seine Auftritte auf Trash Ebene: Erst zerreist ja nur sein Hemd, weil sich die Wirbelsäule dehnt, aber am Ende sieht der Kerl aus wie ein Werwolf ohne Fell, mit Segelohren, krummen Zähnen, großen Pranken und Entenfüßen, - aber seine Hose hat er noch an. So humpelt er da durch die Gänge und sucht sich seine nächsten Opfer, während ihm diverse Kugeln nichts ausmachen, - das Serum macht ihn schließlich unkaputtbar.
Doch zu lange muss man auf das – fx-technisch solide ausgestattete- Monster warten.
Zudem entfalten sich seine Taten als nicht als allzu blutig. Neben zwei Morden im Off rollen lediglich zwei Köpfe, Wunden nach einem Angriff sind zu sehen, doch immerhin wird einem Opfer der Unterkiefer herausgerissen, wenn auch nur verdeckt und im Profil abgelichtet.
Zum Ende hin wird das Tempo tatsächlich gesteigert, direkte Konfrontationen mit dem Ungetüm bleiben nicht aus und es bereitet Freude, wenn die Flüchtigen durch Tunnelgänge hetzen, das Vieh dicht auf den Versen, während man die Tür des Ganges hinter sich schließt.
Da gibt es zum Showdown noch eine ordentliche Explosion und finale Szenen, die man in der makaberen Form vielleicht wirklich nicht erwartet hätte.
Zusammenfassend kann man festhalten, dass „Bottom Feeder“ zu lange nicht aus dem Quark kommt, sich der Tunnelschauplatz auf Dauer als einseitig erweist und lediglich durch das witzige Monster und dem gelungenen Showdown ein paar Schauwerte entstehen.
Also nicht gänzlich schlecht, aber zu wenig, um für die komplette Laufzeit von etwa 90 Minuten zu unterhalten.
4 von 10