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Der junge Briefträger Louis (Lucas Belvaux) lebt mit seiner an den Rollstuhl gefesselten Mutter (Stéphane Audran) in einem riesigen Haus, das sie gemeinsam gegen die unerbittlichen Enteignungsversuche der Stadtoberen verteidigen. Als Louis ein Auto der Immobilienhaie sabotiert, verursacht er einen tödlichen Unfall…

Mit großem atmosphärischem Feingefühl zeichnet Claude Chabrol den hermetischen Mikrokosmos der wahnhaften Mutter und ihres pflichtschuldigen Sohnes, der auf Kosten seiner Selbstbestimmtheit zum Adjutanten gegen reale wie eingebildete Feindseligkeiten der Außenwelt instrumentalisiert wird. Leider hält Chabrol die beklemmende, aber auch fesselnde Innenperspektive nur zur Hälfte durch, um danach den unorthodoxen Ermittlungen eines Inspektors zu folgen, der weniger dem Gesetz als seiner persönlichen Aufräummentalität Genüge tun will. Dabei hinterlässt die distanzlose Verharmlosung von Polizeiwillkür, die nach den Maßgaben einer altlinken Doppelmoral die Elite mit Genugtuung kassiert und die zu kurz Gekommenen nachsichtig laufen lässt, einen ziemlich üblen Nachgeschmack. Nach dem fragwürdigen kriminalistischen Schlenker führt Chabrol die Mutter-Sohn-Geschichte eilig zu einem unspektakulären Ende, das angesichts der unerhörten Zwänge, von denen der Anfang noch durchdrungen war, unterdramatisiert wirkt.

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