Review

Die Kritik beruht auf der limitierten Uncut Edition von XT-Video!

Regisseur Lucio Fulci war zu Lebzeiten ein vielseitiger Regisseur. Bevor er sich durch den Erfolg seines Filmes "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies" vermehrt dem Horrorgenre zuwendete, inszenierte er eine Reihe von Western wie "Silbersattel" oder "Verdammt zu leben, verdammt zu sterben", Gialli wie "Nackt über Leichen" oder Historiendramen wie "Die Nackte und der Kardinal".

Dass er nicht nur bei Werken wie "Die Geisterstadt der Zombies" oder "Ein Toter hing am Glockenseil" ein Gespür für phantastische Stories und Atmosphäre hatte, bewies er unter anderem 1980 mit seinem Mafiakrimi "Das Syndikat des Grauens".

So reißerisch der Titel auch klingen mag, er ist bei einem Regisseur wie Fulci Programm. Und somit darf zu Recht behauptet werden, dass der handlungstechnisch eher simpel gestrickte Film der brutalste Beitrag seiner Art ist.

Lucio Fulci vereint in seinem Mafiakrimi alle Stilelemente des sleazigen, italienischen Genrefilms und fesselt den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute.

Die Handlung um neapolitanische Zigarettenschmuggler und einem Rauschgifthändler, der ohne Skrupel Neapel als Umschlagplatz für seine Drogengeschäfte nutzen will und sich dabei aufs brutalste der Konkurrenz entledigt, bietet viel Spielraum für Schießereien und brutale Hinrichtungen, die detailiert und explizit zur Geltung kommen. Fulcis Effekte-Künstler leisteten auch hier ganze Arbeit: von blutigen Kopfschüssen, verbrannten Körpern bis hin zur Folterung einer Frau mit einem Bunsenbrenner ist alles dabei, was das Herz eines Gorehounds höher schlagen läßt. Dabei verzichtet Regisseur Fulci auch nicht auf die Zurschaustellung widerwärtiger Sadismen und rassistischer Äußerungen. Bei aller auf die Spitze getriebener Gewalt ist jedoch die Vergewaltigung einer Frau in ihrer drastischen und sehr realistischen Darstellung der traurige Höhepunkt von Fulcis Gewaltspirale, auch wenn solche Szenen aus dramaturgischen Gründen gerechtfertigt erscheinen, um das Ausmaß der Skrupellosigkeit und Brutalität des Rauschgifthändlers darzustellen.

Dieser wird glaubwürdig dargestellt von Marcel Bozzuffi, sein Gegner, der Zigarettenschmuggler Luca, wird verkörpert von Fabio Testi, der auch hier eine grundsolide Vorstellung abliefert.

Ansonsten bewegen sich die schauspielerischen Leistungen der Akteure auf gewohnt durchschnittlichem Niveau. Auch einige stumpfsinnige Dialoge erzeugen unfreiwillige Komik, tragen aber zum Charme eines Werkes dieser Machart bei.

Die Handlung konzentriert sich im wesentlichen auf den Kampf zwischen dem "Mann aus Marseille" (Bozzuffi) und Luca (Testi), der noch zur "ehrenwerten Gesellschaft" zählt, die jeglichen Handel mit Rauschgift ablehnt. Luca will außerdem den Tod seines geliebten Bruders rächen, den "der Marseiller" ebenfalls zu verantworten hat. Doch der Gegner ist den Zigarettenschmuggeln überlegen und so mischt sich die alte Garde der Mafia, die sich längst im Ruhestand lebenden Mafiosi, in den Mafiakrieg ein und blasen zum Gegenangriff, der in einem blutigen Showdown mündet.

In "Das Syndikat des Grauens" geht es um Ehre, Freundschaft, Loyalität und Verrat. Fulci gelingt es, ein weitestgehend authentisches Bild von Neapel und der Mafia zu zeichnen, unterstützt von einem der besten Scores, die jemals in einem Fulci-Film zum Einsatz kamen und der jede Szene perfekt musikalisch untermalt und somit für eine gelungene Atmosphäre sorgt.

"Das Syndikat des Grauens" darf neben Fulcis "Zombie"-Werken als eine der besten Arbeiten des Regisseurs angesehen werden. Ein Film, der auch bei der dritten Wiederholung nichts von seinem Unterhaltungswert eingebüßt hat.

8 von 10 Kugeln!

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