Review

Luca (Fabio Testi) und seine Bande von Zigarettenschmuggler verdienen sich im Mailänder Raum ein goldenes Näschen. Plötzlich beginnt das große Sterben unter Lucas Jungen. Ein unbekannter Drahtzieher lässt reihenweise blutige Attentate verüben. Ist der Schuldige „der Marseiller“, der neue Fisch im Teich, der das Geschäft an sich reißen will, der Erzrivale „Hakennase Scherino“ oder aber verbirgt sich in den eigenen Reihen eine Ratte?

Ein Fulci und kein Zombiefilm – gibt’s denn so was!?
Ja, so was gibt’s. SYNDIKAT DES GRAUENS ist, obwohl er in den Jahren entstand, in denen Fulci schon fleißig mit Untoten in seinen Filmen zu tun hatte, ein Polizeifilm im Stile von Lenzis DIE GEWALT BIN ICH, DER BERSERKER und DIE VIPER, nur eine Spur brutaler. Anfang der 80er war zwar die Blütezeit der italienischen Krimis beinahe schon als vorüber zu betrachten, aber dem Fulci war das anscheinend Schnurzpiepe, weswegen er auch diesen Brett aus Schnauzbärten, Trenchcoats, Schlaghosen und roher Gewalt auf die Menschheit losließ.
Gleich zu beginnt verwöhnt uns der Film mit einer rasanten Verfolgungsjagd mit Schnellbooten an irgendeinem Mittelmeerhafen. Luca und seine Schmugglerbande gehören zu der Sorte der „guten Ganoven“, also nix mit Rauschgift, Prostitution oder in der Schlange beim McDonald’s vordrängeln. Haben alle ihre Mama ganz doll lieb und tragen flotte Discohemden. Doch irgendein böser Bube ist in Town. Irgendein schlimmer Finger, der alle der Reihe nach abmurksen lässt. Und das geht mitunter blutiger von Statten als in so manchem Horrorfilm. Teilweise wird sogar gesplattert. Es hagelt krass blutige Einschüsse. Mitunter fliegen da schon mal die Fleischfetzen. Eine Tussi wird mit dem Lötkolben gefoltert. Einem Kerl der Schädel zerballert. Da sehen Actioner wie HARD BOILED oder STIRB LANGSAM im Vergleich echt blutleer aus. Na gut, ganz so rasant wie in den eben Genannten geht’s vielleicht nicht ganz zu. Eher leger und lockerflockig. Nachdem ein Gangster einen anderen über den Haufen gepustet hat, folgt erst mal ein krasser 70er-Jahre-Zoom auf das Pornobrillen verhangene Gesicht des Schützen und dieser posiert noch gefühlte zwei Minuten in lässiger Pose zu grooviger Boogie-Mucke. Alles sehr stylish hier.

In der Hauptrolle brilliert Fabio Testi – bekannt oder auch nicht aus ZORROS RACHE und NACHTBLENDE mit Romy Schneider – mit bretthartem Drei-Wetter-Taft-Scheitel.
SYNDIKAT DES GRAUENS besticht hauptsächlich durch sein schmuddeliges Flair, einen wahnsinnig flippigen Soundtrack („Goblin“ lässt grüßen!), seine coolen Gangster und den für dieses Genre doch überaus brutalen Morde. Thrill und Spannung stehen da eher hinten an.

Gore: (+)(+)(+)(-)(-)
Nudity: (+)(-)(-)(-)(-)
Sleaze: (+)(+)(+)(+)(-)

Noch nicht einmal ansatzweise ein Horrorfilm und doch schon so brutal wie einer. Fulci hatte seine besten Momente eben doch außerhalb des Zombiefilm, siehe z.B. NACKT ÜBER LEICHEN und DON’T TORTURE A DUCKLING. Auch SYNDIKAT DES GRAUENS gibt ein überaus aufschlussreiches Bild davon ab, zu welchen Größen Schmuddelfilmer Fulci außerhalb des Horrorgenres fähig war.
Schon irgendwie krass, aber man kann Filme wie diesen oder eben auch die vielen anderen Italo-Krimis doch tatsächlich als Vorläufer für Gangsterfilme wie GOODFELLAS, SCARFACE und CASINO betrachten. Klar noch nicht mit dem Tiefgang und der Heroik der Scorsese- oder Coppola-Filme ausgestattet. In Sachen Coolness und Abgebrühtheit stehen die billiger produzierten Erzeugnisse den Großproduktionen aber in nichts nach.

Fazit:
(Heroic) Italian Bloodshed! Ein wahrer Fulci von einem Gangsterfilm.

Details