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"Alles wird besser, nichts wird gut" lautet der Slogan, der u. a. auf der DVD-Ausgabe des Spielfilmdebüts von Jakob M. Erwa zu finden ist. Deutet dieser Spruch noch eine gewisse Ambivalenz der gezeigten Dinge an, entpuppt sich das im Film als Mogelpackung, denn natürlich wird nichts besser (außer im Fall zweier Figuren, was sich aber auch als Illusion herausstellt) und eine heile Welt ist natürlich auch nirgendwo zu sehen, wer hätte das gedacht?? Der damals Mitte-20-Jährige drehte den Streifen m. E. sichtlich inspiriert von ähnlichen (allerdings viel aufwendiger und mit Starbesetzung gedrehten) Werken von Alejandro González Iñárritu wie z. B. "21 Gramm" - in denen Episoden aus dem Leben mehrerer Menschen gezeigt werden, deren Biographien sich an entscheidenden Punkten berühren, teilweise ohne dass die Figuren davon wissen, wobei das Erfolgsrezept anscheinend darin liegt, den Figuren möglichst viel Unglück widerfahren zu lassen und darauf basierend bei einem bestimmten Adressatenkreis gesellschaftliche Relevanz zu beanspruchen.

Folgende Missstände aus dem alltäglichen Leben hakt Erwa hier auf seiner Checkliste ab: Missachtung von Kindern, daraus folgend verwahrlost-asoziales Verhalten von Jugendlichen, Mobbing Behinderter, Misshandlung von Prostituierten, prekäre Arbeitsverhältnisse mit Druck vom Vorgesetzten, häusliche Gewalt, Verkehrsunfall mit Fahrerflucht, Suizid, ... vermutlich ist die Liste noch nicht vollständig, aber Erwa hat sich hier wirklich Mühe gegeben, jede Menge Elend einzubauen und dementsprechend um Betroffenheit zu buhlen. Nicht dass man all dies nicht in einem Film ansprechen sollte, aber in einer derartigen Anhäufung und der ständigen Betonung von Kälte und Isolation wirkt das schon ziemlich kalkuliert und wenn eine Person, der es anscheinend noch nicht beschissen genug geht, auch noch aus heiterem Himmel von einem Auto plattgefahren wird, kommt mir das eher wie ein aufgesetzter Schockeffekt vor, nicht wie ein emotional involvierender Erzählverlauf. Zu meiner Verwunderung lese ich, dass der in abstoßend kalten, verwaschenen Bildern gehaltene Film auf 35mm-Material gedreht wurde. Die DVD-Fassung zumindest erinnert eher an ein Handyvideo in 480p-Auflösung.

Von den Darstellern möchte ich Tatjana Koschutnig hier mal ehrenhalber erwähnen, die anscheinend bislang noch nirgendwo anders mitgespielt hat und deren Rolle nicht nur von ihr glaubwürdig umgesetzt wurde, sondern auch eine hohe physische Präsenz erforderte.

Viele Leute mögen ja solche Filme oder halten es gar für unausweichlich, dass die in der Tat beklagenswerten Ereignisse und Zustände, die ohnehin die berichterstattenden Medien beherrschen, auch noch die Erzählmedien absorbieren müssen, damit jeglicher Eskapismusverdacht peinlichst vermieden und der im Titel platt angesprochenen Heilen Welt vorsichtshalber das komplette Gegenklischee hingehalten wird. Von mir als törichtem Träumer und Romantiker, der hier eine kopierte Erfolgsmasche gegenüber einem typischen Independentfestivalpublikum wittert, gerade mal 5/10 Punkte vor allem mit Rücksicht auf die Leistungen der (z. T. Laien-)Darsteller.

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